Quellenkritik und Qualitätskontrolle

 

 

1.      Quellenkritik

 

Mit Quellenkritik ist ein erster Auswertungsschritt gemeint, der versucht, die Quelle historisch einzuordnen, um ihren Aussagewert für die eigene Fragestellung zu bestimmen. Damit soll die Quelle für spätere Arbeitsschritte aufbereitet werden.

 

Definition des Begriffs ‚Quelle‘: „Alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann“[1]. Der Vorteil dieser Definition liegt darin, dass er den Quellenbegriff ganz weit fasst. In der Übung „Neue Medien in den Geschichtswissenschaften“ konzentrieren wir unser Interesse auf schriftliche Quellen – sprich Texte im Internet.

 

Im Hinblick auf die Aussagekraft von Quellen ist es nützlich zwischen zwei Quellengruppen zu unterscheiden: Tradition und Überrest. Überrest ist alles, was unmittelbar von den Begebenheiten übrig blieb (In unserem Fall stehen die schriftlichen Überreste wie online Zeitungen, kommerzielle Seiten usw. im Vordergrund). Tradition dagegen bezeichnet Material, das eigens und absichtlich zum Zweck (historischer) Unterrichtung geschaffen wurde (auf das Internet bezogen können das explizit historische Seiten sein – von Privatpersonen wie von öffentlichen Institutionen).

 

Wenn wir also ein Schriftstück vor uns liegen haben, oder besser gesagt eine Internetseite am Bildschirm betrachten, steht eine Frage im Vordergrund: Es ist jene an der ‚Echtheit‘ der Seite in bezug auf die Urheberschaft, auf die Angabe der Entstehungszeit und auf den Wortlaut selbst. All diese Punkte lassen sich unter dem Begriff ‚Textkritik‘ zusammenfassen.

      In einem ersten Schritt befassen wir uns mit der Quellenbeschreibung: Dabei geht es um die Bestimmung der Art der Quelle (Bildmaterial, Zeitungstext, amtliches Dokument usw.). Weiter interessiert uns auch die Überlieferung des Quellenstückes: Archiv, Bibliothek usw. Wichtig bei diesem Punkt ist es zu beachten, dass die Quelle wiederauffindbar sein muss, was bei den Internetseiten wohl ein echtes Problem sein kann, wenn man sich vor Augen führt, wie rasch neue Informationen oder Forschungsergebnisse ältere verdrängen können oder Seiten ganz einfach überarbeitet werden.

      Ein zweiter Schritt führt dann zur äusseren beziehungsweise inneren Kritik: Äussere Kritik meint die Untersuchung der Entstehungszeit, Entstehungsort, Verfasser und Adressat eines Textes. Weiter helfen uns dabei Fragen nach den Zielsetzungen und Absichten des untersuchten Textes. Innere Kritik hingegen beschäftigt sich mit der sprachlichen Aufschlüsselung wie zum Beispiel der Untersuchung des ‚Wortgutes‘, die auf den Ideologiegehalt zentraler Begriffe verweisen können.



[1] Sellin, Volker: Einführung in die Geschichtswissenschaft, Göttingen 1995, S. 44.