Proseminar: Krieg in Viet Nam - QVietnamf als Krieg

Dr. Sibylle Brändli

SoSe 2001                                                                                                                                      Protokoll vom 15.5.01

           Protokollantin: Simone Helmig

 

 

Thema der Sitzung: Hilfsmittel und Arbeitstechniken - Recherche und Fragestellungen

 

1) Kurzreferat und Diskussion zum Begriff "body count"

Als erstes geht Sibylle Brändli (nachfolgend SB genannt) nochmals kurz darauf ein, wie ein Thema für eine Arbeit angegangen werden kann:                - Variante 1: vom Allgemeinen in die Vertiefung

                                                               - Variante 2: von einem Begriff/Thema ins Allgemeine

 

Als Beispiel für die Variante 2 hat Lucie Küpfer ein Kurzreferat über den Begriff "body count" vorbereitet:

 

Als Nachschlagewerke dienten ihr zwei Enzyklopädien:

- Kutler, Stanley I. (Ed.); Encyclopedia of the Vietnam War, New York 1996 (BS UB. Freihandmagazin.

Sign.: Mil An 205)

- Tucker, Spencer C. (Ed.); Encyclopedia of the Vietnam War: a political, social and military history, Bd.I, Santa

Barbara 1998 (BS UB. Freihandmagazin. Sign.: ea 2718:1)

 

Nachdem sie kurz den Aufbau der Enzyklopädien vorgestellt hat, kommt Lucie auf die Definitionen des Begriffs in den beiden Werken zu sprechen:

               

Bei Kutler findet sich unter dem Stichwort "body count" eine kurze Erläuterung von Kelly Evans-Pfeifer. Sie beschreibt, dass im Vietnam-Krieg die Körper der Feinde gezählt wurden, um eine Statistik über den militärischen Erfolg erstellen zu können. Allerdings seinen diese Zahlen regelmässig verfälscht worden.

 

In Tuckers Enzyklopädie wird der Begriff "body count" von Dr. Lewis Sorley mehr oder weniger gleich erklärt wie bei Kutler. Sorley geht jedoch noch auf den Grund für die Verfälschungen beim "body count" ein: Seiner Meinung nach führten das grosse Interesse, das die hohen Generäle und das Pentagon am "body count" zeigten, und der Wettkampf zwischen den einzelnen Einheiten zu den Übertreibungen.

 

Als letztes wirft Lucie einen Blick darauf, wie im Buch von Marc Frey (Geschichte des Vietnamkriegs, München 1998) der Begriff "body count" verwendet wird:

- Der Begriff erscheint auf S. 132 zum ersten Mal. Frey führt ihn relativ neutral ein und geht nicht näher darauf

ein. ® Lucie bemängelt dies; sie ist der Meinung, dass ein solcher Begriff nicht kommentarlos gebraucht

werden sollte.

- Auf S. 146 äussert sich Frey eher 'spöttisch' über den "body count" ("eindrucksvolle Statistiken").

 

             Auf SB's Frage, wie Lucie an die Aufgabe herangegangen sei und was es für sie bedeutet habe, über den Begriff mehr zu erfahren, erklärt sie, sie habe zuerst die Enzyklopädien durchgeblättert, um sich ein Bild vom Ganzen machen zu können. Danach habe sie ihr Augenmerk speziell auf die unterschiedlichen Herangehensweisen an den Begriff "body count" gerichtet. Wichtig sei für sie gewesen, zu wissen, ob es Widerstand gegen den "body count" gegeben habe.

 

Mit der Frage, auf welcher Ebene uns der Begriff "body count" begegne, wendet sich SB wieder ans Plenum.

Andrea möchte wissen, ob der Begriff auch in anderen Kriegen verwendet wurde. Laut SB sagt Frey, dass die USA in anderen Kriegen auf diese Methode zurückgegriffen hätten. Auch vor dem Vietnam-Krieg kannte man das "Leichen-Zählen", allerdings habe Vietnam den Begriff "body count" neu so zentral gemacht.

Auf Simones Frage, ob der Begriff also als eine Art Barometer gebraucht wurde, erklärt Lucie, dass der "body count" als Rechtfertigung diente, im Sinne von "Wir kommen vorwärts!".

Ion meint, er könne sich nicht vorstellen, dass die Regierung daran geglaubt habe. Seiner Meinung nach war der "body count" hauptsächlich ein Propaganda-Instrument.

SB findet diese Äusserung sehr interessant, da wir damit in den Bereich von Fragen und Thesen kommen.

 

SB fragt, ob der Begriff "body count" wissenschaftlich sei. Als niemand antwortet, formuliert sie die Frage um: "Würdet ihr den Begriff 'ethnische Säuberung' in einer Proseminararbeit verwenden?"

Mirjam antwortet, dass sie "ethnische Säuberung" nicht als wissenschaftlichen Begriff benutzen, sondern den Begriff zuerst erklären und ihren Standpunkt dazu kundtun würde.

Andreas stimmt ihr zu und würde den Begriff "body count" nach einer Erläuterung bei Bedarf weiter im Text verwenden, da es sich um einen historischen Begriff handle - allerdings vielleicht in Anführungs- und Schlusszeichen.

Jemand findet, man müsse die Begriffe "body count" und "ethnische Säuberung" unterscheiden: "body count" sei schon während des Vietnam-Krieges verwendet worden, der Begriff "ethnische Säuberung" würde immer erst nach einem Ereignis gebraucht. Da der "body count" aus einer bestimmten Zeit heraus entstanden sei, bedürfe er eher einer Erklärung.

SB meint darauf, sie würde beide Begriffe als gleich erklärungswürdig bezeichnen.

Sie macht uns darauf aufmerksam, dass eine solche Kleindifferenzierung der Begriffe in Proseminararbeiten wichtig ist.

Wichtig sei zudem, sich zu fragen, für wen ein Nachschlagewerk - in diesem Beispiel die Enzyklopädien - gemacht worden sei, welchen Ansatz es verfolgen und auf welche Fragen es Antwort geben würde. Die Enzyklopädien gäben keine Antwort, was für ein Begriff "body count" sei und auf welcher Ebene er anzuordnen sei.

 

2) Diskussion in Kleingruppen über die Hausaufgaben (Fragestellung und Recherche)

Im Folgenden wird die Diskussion einer einzelnen Gruppe, bestehend aus Karin, Kathrin, Susanne, Alexa, Nicole und der Protokollantin, zusammengefasst.

 

Kathrin beschäftigte sich mit dem Begriff "Watergate-Affäre", der auf S. 215 bei Frey erscheint.

Sie stellte sich dazu folgende Fragen:

a) Was passierte genau bei der Watergate-Affäre?

b) Wer war alles involviert? Schlüsselpersonen?

c) Warum wurde es publik?

 

Zum einen recherchierte sie im Internet, wo sie schnell auf die sehr informative Website der Washington Post (www.washingtonpost.com) gelangte.

Zum andern konsultierte Kathrin den Band II der Reihe "Weltgeschichte": Vom Wiener Kongress bis zur Gegenwart, hrsg. von Joseph Boesch, Rudolf Schläpfer, Zürich 1997. Dort fand sie im Namensregister unter Nixon einen kurzen Eintrag über die Watergate-Affäre.

 

Susanne setzte sich ebenfalls mit der Watergate-Affäre auseinander. Ihre Fragen lauteten:

a) Was ist die Watergate-Affäre?

b) Aus welchen Gründen kam es zur Watergate-Affäre?

c) In welcher Beziehung steht die Affäre zum Vietnam-Krieg?

 

Sie benutzte folgende Nachschlagewerke:

- die Enzyklopädie von Kutler (bibliograph. Angaben siehe unter 1)

- die Enzyklopädie von Tucker (bibliograph. Angaben siehe unter 1)

- Olson, James S. (Ed.); Dictionary of the Vietnam War, Connecticut 1988 (BS UB. Freihandmagazin.

Sign.: eh14381)

 

Damit gewann sie einen guten Überblick und konnte ihre Fragen beantworten:

a) Vor den neuen Präsidentschaftswahlen im Jahre 1972 organisierte Nixon einen Einbruch in die

Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei im Watergate-Gebäude.

b) Nixon wollte die Wahlstrategie der Demokraten kennen, weil er sich vor einer Wahlniederlage

fürchtete.

c) Die nachfolgende innenpolitische Krise in den USA hatte Auswirkungen auf die Aussenpolitik und

somit auch auf den Vietnam-Krieg. Nixon trat als Präsident zurück.

 

Simone stellte sich folgende Fragen zum Begriff "Agent Orange":

a) Was waren (sind) die Auswirkungen des Agent Orange auf die Menschen / auf die Natur?

b) War den Amerikanern dessen krebsfördernde Wirkung bekannt?

c) Gab es Widerstand gegen den Einsatz von Herbiziden?

 

Mit folgendem Nachschlagewerk versuchte sie, die Fragen zu beantworten:

- Cecil, Paul Frederick; Herbicidal Warfare - the Ranch Hand project in Vietnam, New York 1986

(BS UB. Freihandmagazin. Sign.: MilBw526)

 

Der Autor war im Vietnam-Krieg als Pilot der Air Force selber vor Ort und trat danach der RANCH HAND Organization von Vietnam-Veteranen bei.

 

 

Antworten auf die Fragen:

a) Die amerikanischen Kriegsveteranen litten oft an schweren Krankheiten, ihre Kinder kamen z.T.

mit Behinderungen zur Welt. Auf das Schicksal der Vietnamesen und die Auswirkungen des

Herbizids auf die Natur geht der Autor nicht ein.

b) Als der Vietnam-Krieg ausbrach, waren in den USA Experimente mit Herbiziden in vollem Gange.

Fundierte Untersuchungen konnten jedoch noch nicht vorgewiesen werden, als das Agent Orange

zum Einsatz kam. Mit den nach dem Krieg an den Veteranen vorgenommenen Untersuchungen

konnte die krebserregende Wirkung nicht bewiesen werden.

c) Vor allem die kommunistischen Staaten protestierten gegen den Einsatz von Herbiziden. Aber auch

in Europa und Amerika selber wurden Stimmen dagegen laut.

 

 

SB fragt die Gruppe, ob jemand die Fragen verändern musste, nachdem die Antwort gefunden worden war. Dies war jedoch nicht der Fall, da eher allgemeine Fragen gestellt worden waren.

SB meint, dass es bei der Internet-Recherche sehr einfach sei, sich in der Informationsflut zu verlieren. Kathrin hatte jedoch keine Probleme damit, da sie gleich zu Beginn ihrer Suche auf die informative Seite der Washington Post gestossen war.

Nicole fragt, ob es einfacher sei, von einem grossen Thema ins Detail zu gehen als umgekehrt. Darauf erklärt SB, das hänge ganz von der Mentalität der Person ab.

Nicole spricht die Schwierigkeit an, bei einem grossen Thema einen Anfang für eine Arbeit zu finden. SB wirft die Begriffe "Ausweitung" und "Eingrenzung" auf. Auch für die anderen Gruppenteilnehmerinnen stellt die Auswahl eines Themas für eine Proseminararbeit eine grosse Schwierigkeit dar. Eine Eingrenzung des Themas ist notwendig, aber wie geht man da am besten vor? Susanne meint, dass die Arbeit in einer der AGs möglicherweise hilfreich sei, da man sich dort schon mit einem spezifischeren Thema auseinandersetze.

Simone und Kathrin fragen sich, ob Themen wie "Agent Orange" oder "Traumata im Vietnam-Krieg" überhaupt für eine historische Proseminararbeit zulässig seien, oder ob sie zu sehr in die Bereiche der Ökologie, bzw. Psychologie gehen würden.

 

3) Schlussdiskussion im Plenum

SB's Eindrücke von ihrer Wanderung von Gruppe zu Gruppe:

- Es gibt ein Rennerthema, das mind. 5 Personen gewählt haben: Agent Orange / Herbicidal Warfare

- Die Fragen decken ein sehr weites Spektrum ab, was zeigt, dass es unterschiedliche

Herangehensweisen an Fragestellungen gibt.

- ein wichtiges Motiv: Die Menschen sind unterschiedlich gebaut. Es gibt solche, die sich in etwas

reinstürzen und sich fragen müssen, was sie überhaupt wissen wollen, weil sie zu viele

Informationen haben (® Problem: wie kommt man wieder in eine Struktur hinein?), und andere, die

sagen können "Ich will das!" (® Problem: wie kann man sich weiter ausbreiten?).

 

SB möchte wissen, ob die Aufgabe sinnvoll war. Sie ist der Meinung, dass dies zutrifft, da damit Schwierigkeiten aufgezeigt werden konnten: egal, ob die Frage beantwortet oder nicht beantwortet werden kann, in beiden Fällen muss man sich ein weiteres Vorgehen überlegen.

 

4) Allgemeines

- Wer gerne einen Kommentar zu seinen / ihren Hausaufgaben hat, kann diese an SB abgeben (auch

per Attachment möglich).

- Die Zusammenfassung eines zweiten Kapitels aus Marc Freys Buch muss gemacht werden!

 

5) Ausblick auf die nächste Sitzung

Es ist keine spezielle Vorbereitung nötig.

Die Betreiber der History Toolbox, Peter Haber und Jan Hodel, werden zu uns zu Besuch kommen. Sie werden eine Stunde in Bezug auf die Website "the wars for Viet Nam" gestalten. In einem ersten Schritt soll mit einem Durchgang der Website die Frage aufgenommen werden, wie man eine Website beschreiben kann. Danach werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie man quellenkritisch mit Websites umgehen kann.

Da mit Haber und Hodel zwei Fachmänner anwesend sind, soll die Möglichkeit zu allfälligen Fragen genutzt werden!

In der zweiten Stunde wird SB auf die Proseminararbeit eingehen und die Eckdaten bekanntgeben.

 

6) Kommentare zum Protokoll vom 8.5.01

- Obgleich Lukas als Kritik am letzten Protokoll aufführt, dass ganze Sätze geschrieben werden sollen,

hält er diesen Punkt selber nicht ein.

Þ ganze Sätze sind wichtig zum genauen Verständnis!!!

- Der Kommentar zum Schreibfehler ist unglücklich formuliert (man könnte meinen, "Ästhetik" sei die

falsche Schreibweise).

- Jemand meint, die Diskussion unter III sei als Frage-Antwort-Dialog mühsam zu lesen. SB findet,

die Struktur der Diskussion sei damit gut nachvollziehbar, allerdings sollte die direkte Rede besser in

indirekte Rede umgeformt werden.

- Eine Studentin fragt, ob die Stunde so genau protokolliert werden müsse, dass z.B. die Bildung von

kleinen Gruppen erwähnt werden müsse. SB findet die Erwähnung der Gruppeneinteilung gut,

allerdings hätte angefügt werden müssen, dass das Protokollierte aus der anschliessenden

Plenumsdiskussion stammt.

- SB macht darauf aufmerksam, dass die bibliographische Angabe über Frey in jedes Protokoll gehört.

- SB weist nochmals am Beispiel des letzten Satzes unter III, Frage 1, darauf hin, dass ganze Sätze

zum Verständnis und zur Nachvollziehbarkeit absolut notwenig sind.

 

 

Zum Abschluss sagt SB, dass ihr die heutige Sitzung mit den vielen Diskussionen gut gefallen habe.