Protokoll und Kommentar zur Sitzung vom 12. Juni 2001

 

  1. Organisatorisches
  2. Quellen
  3. Referat
  4. Kommentar

 

1. Organisatorisches

 

-           Sibylle Brändli schlug vor die Diskussion des Protokolls der vorigen Woche auf das nächste Mal zu verschieben.

-            Diejenigen, die eine Proseminararbeit über das Thema Vietnam machen wollen, müssen noch vor den Ferien ein Termin mit Sibylle Brändli vereinbaren.

 

2. Quellen

 

-           Truo Nhu Tang: Journal of a Vietcong, London 1986

S. 167, 1. Abschnitt, bis S. 171 Mitte nochmals genau lesen.

-            http://www.vietnamexperience.com

Gallery 2:         4. Bild: All is quiet…

                                    5./6. Bild: Off on patrol through dense jungle…

-           Papier mit Frageraster zu den oben erwähnten Quellen.

 

3. Referat

 

-         Das Referat basierte auf den gelesenen Quellen und auf der daraus resultierenden Diskussion.

-         Zuerst baten uns die Referenten in kleinen Gruppen eine der Quellen anhand des Fragerasters, zu diskutieren.

-         Ich setzte mich zu einer Gruppe, die die Bildquelle besprachen.

-     Als wir das erste Bild betrachteten, fiel jemandem spontan der Begriff „Amerikaner“ ein, wegen dem Helikopter.

-      Eine andere sagte, sie bekomme das Gefühl man würde alleine mitten im Dschungel bleiben, denn sowohl die Soldaten als auch das Helikopter seien im Begriff aus der Bildfläche zu verschwinden.

-     Bild 5 und 6 haben wir nicht genau beschrieben, wir gingen dann direkt zur Frage über den Text.

-     Wir stellten fest, dass der Text nichts mit dem Bild zu tun hat: es ist keine Beschreibung des Bildes, sondern die Vermittlung eines Gefühls.

Helikopter überlassen den Soldaten ihrem Schicksal und der Angst.

 

-         Nach ca. 15 Minuten haben uns die Referenten zu einer allgemeinen, gemeinsamen Diskussion aufgefordert.

 

Quelltext:

 

Inhalt:

Was sehe ich?

-            Erzählung über B-52 Bomber und dessen Auswirkungen.

-            Beschreibung der Gefühle der Vietcong, zu dem auch der Autor gehört.

-            Warnungen von UDSSR und China.

Perspektive:

Wer ist der Erzähler?

-           Truong Nhu Tang , gehört zur politischen Widerstandsbewegung. Kommt aus Südvietnam, mänlich, politisch tätig.

-            Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass wir die

Biographie Tangs bereits in vorherigen Unterlagen erhielten.

-           Eine der Referenten stellte uns die Frage, wer die erzählende Person sei, und macht uns darauf aufmerksam, dass der Erzähler in der „Wir-Perspektive“ erzählt, d.h. aus der Sicht der Betroffenen Vietnamesen.

-           Der Teil des Textes den wir gelesen haben ist in 9 Abschnitte aufgeteilt und Tang  benutzt darin immer dieselben Begriffe, wie zum Beispiel, „wir“, „die Dschungelbewohner“, „die Amerikaner“.

Im Abschnitt über den Bombenangriff erzählt er aus seiner eigenen Erfahrung.

-            Die Referentin fragt:

Was bewirkt das „wir“ für uns als Leser?

Der Autor tritt zurück. Er geht davon aus, dass es vielen anderen auch erging, wie in seiner Erzählung.

Was schreibt er?

-           Er schreibt nüchtern und neutral, mit wenigen Emotionen und trotzdem spürt man den politischen Hintergrund des Autors.

-           Als er über die Bombenangriffe schreibt, wird seine Neutralität in Frage gestellt.

Wie geht er mit den Informationslücken um?

-            Die allgemeine Lage wird nicht genau erklärt. Er verhält sich defensiv.

-            Man weiss nicht genau zu welcher Gruppierung er gehört.

Sibylle Brändli macht uns darauf aufmerksam, dass er zur PRG gehört, und dort politische Arbeit geleistet hat.

-           Er bleibt bei seiner Sicht und die allgemeine Information holt er sich aus anderen Quellen.

 

Bildquelle:

 

Inhalt:

Was sehen wir?

-            Wir sehen im ersten Bild hauptsächlich eine Berglandschaft.

-           Es ist nicht klar ob es Vietnamesische Guerillas oder amerikanische Soldaten sind. Es wirkt arrangiert und ästhetisch zugleich.

-            Beim Bild 5 sieht man ein Sumpfgebiet, in dem mehrere Soldaten warten.

-            Im Bild 6 sehen wir einen Dschungel aber ohne die Leute zu erkennen.

 

Perspektive:         

-      In der Runde geht viel Kritik hervor.

-           Um die Perspektive besser herauszufinden, sollte man auch wissen wer die Photos geschossen hat.

-            Der Veteran kann die Photos von jemand anderem bekommen haben.

-            Er schreibt, es seien seine Photos, und die Photos seines Bruders.

Vielleicht ist es nicht wahr.

-            Im Bild hat es kein einziges persönliches Merkmal, nur im Text.

Wer Berichtet?

-            Wir wissen, dass der Veteran  den Text geschrieben hat.

-            Wir wissen aber nicht wer die Photos gemacht hat.

-            Sibylle Brändli erinnert uns, dass der Erzähler erwähnt hat, dass die 

Photos von ihn und seinen Bruder, an verschiedene Einsätze 1969 und

1972, geschossen wurden.

Wie wirkt das Ganze?

-            Friedlich, poetisch. Man sieht die hässliche Seite des Krieges nicht.

-            Welche Assoziationen werden ausgelost?

-            Der versteckte Feind, der überall lauert, wird mit Angst assoziiert.

Man hat das Gefühl, der Feind würde jeden Moment auftauchen.

Wie wird mit Informationslücken umgegangen?

-            Informationen werden nur zum Teil im Text nachgeliefert.

-            Wir wissen, dass geschossen wurde.

-      Bilder sind Informationsbedürftig.

 

Die nächste Referentin sagte, dass die Absicht jeder Quelle vereinfacht mit einem Bild erklärt werden kann.

-           Dabei handelt es sich um ein Mosaiksteinchenbild. Um sich von einer Sache ein Bild zu machen, soll man nach dem Prinzip des Mosaiks vorgehen. Jeder Stein darin ist ein Teil der Wirklichkeit, und bestimmt das ganze Bild. So sind einzelne Elemente des Bildes zum Beispiel unsere Kenntnisse, und der Rest unseres Bildes wird durch zusätzliche Informationen ergänzt.

Ein nächster, wichtiger Punkt wäre die Frage der Perspektive in den Bildern

-            Aus der Zeitschrift „Nam“ zeigt uns die Referentin ein paar Bilder.

Das erste Bild handelt um Soldaten, die einen Vietnamesen festnehmen.

Es könnte aber auch sein, dass in diesem Bild Soldaten einen bewusstlosen Kameraden zum Helikopter tragen.

 

-           Das nächste Bild zeigt im Vordergrund Menschen auf ihren Feldern, die friedlich ihrer Arbeit nachgehen. Eine Rauchwolke im Hintergrund des Bildes, nähert sich den vietnamesischen Bauern.

Wir wissen aber nicht was es für ein Rauch ist.

Es lässt sich schwer bestimmen wer die Bilder geschossen hat.

 

Als nächster Punkt stellt sich die Frage nach der Absicht der jeweiligen Autoren unserer Quellen.

 

Textquelle:

-           Sie ist auf Englisch geschrieben, das heisst, sie  wurde für die Allgemeinheit, hauptsächlich Amerikaner, geschrieben.

-            Er ist ein politischer Kämpfer, kein militärischer.

-           Er behauptet man wisse weniger über die vietnamesische Seite als über die amerikanische.

Internet:

Warum hat er diese Seite gestaltet?

-           Seine Motivation war die Prägung nach seiner Rückkehr, er fühlt sich durcheinander und missverstanden durch seine Landsleute.

-           Die Nachfrage war gross. Viele Veteranen hatten den selben Schock nach seiner Rückkehr.

-            Kommerzieller Interesse.

-            Viele Fragen und wenig antworten.

-            Er hat Probleme seine Erinnerung zu bearbeiten.

-           Seine Aussage in seinen Vorwort ist: „Bilder haben mehr aussagen als das Wort sagen kann“

 

Der nächste Referent zeigt uns ein weiteres Bild. Es ist ein Bild dar das Gesicht eines amerikanischen Soldaten zeigt.

Er fragt uns was uns auffällt, welche aussage macht das Bild?

-           Der Soldat denkt nach. Wir wissen nicht über was. Wir sehen keinen unbeschwerten jungen Menschen. Er hat Erfahrungen gemacht. Er hat zu viel gesehen.

 

Der Referent zeigt uns vier Thesen die er aus dem Aufsatz, „Das Bild als historische Quelle“ von Bruno Fritzsche, aus dem Buch „Vom Bild zum Text“, Hrg. Andreas Volk.

-           These1: „Die Fotografie ist ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit, aber niemalsdie Wirklichkeit selbst. ( Und zwar ein Ausschnitt sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Hinsicht.)“

-           These 2: „ Jedes Foto ist immer mit einem Demonstrativpronomen zu lesen und ist deshalb nicht in der Lage, verallgemeinernde Aussagen zu machen.“

-           These 3: „ Bilder vermitteln in erster Linie nicht reale Objekte, sondern Mythen, die sich die Vergangenheit von sich selber macht.“

-           These 4: „ Die Fotografie macht keine Aussage über die historische Wirklichkeit.“

 

Diese Thesen wurden dann diskutiert:

 

Was wäre der Mythos im Bild?

-            Ein Mythos spricht mehrere Leute an.

-            Es ist etwas das für wahr gehalten wird.

Die Mosaikbilder, sind das nicht auch Mythen?

-            Das Bild an sich ist kein Mythus.

-           Das Bild ist eine Information und sollte sachlich angeschaut werden, wir aber wenden Informationen die wir im Kopf haben um das Bild noch eine zusätzliche Bedeutung zu geben.

-            Wir brauchen einen Zusatztext um das Bild eine Bedeutung zu geben.

 

Es braucht ein Mosaikbild. Wir entscheiden welche Steine in das unsere passen.

Wir sollten Kompromisse eingehen, um unser Mosaikbild so wahrheitsgetreu wie möglich zu gestalten, zum Beispiel im Krieg. Wer ist schuld?

Es ist gefährlich zu entscheiden was richtig und was falsch ist.

Bei Erinnerungen kann man nicht sagen sie sei richtig oder falsch.

 

Ein Beispiel:

Was wäre eine Aussage zu einer geschichtlichen Wirklichkeit?

-            Wenn man aus einen Bild lesen kann, was wirklich passiert.

Frau Brändli fragt, was ein wahres Bild wäre.

-           Etwas was man nicht erreichen kann, denn die Steine die man für das vollständige Bild braucht in eine unendliche Zahl gehen würden.

-           Das wäre etwas parawissenschaftliches. Es müsste ein Bild sein, dass alles erfasst.

-            Es müsste aus der Perspektive von abertausenden von Menschen bestehen.

-            Der Wahrheit kann man sich nur nähern aber nicht erreichen.

Das Ideale Bild gäbe es, wenn jeder Mensch dasselbe denken würde wenn er ein Bild anschaut.

 

Das Bild von Vietnam ist nicht fertig, es wird immer daran gearbeitet.

 

Schlusswort:

Unsere Referenten hoffen uns, mit ihren Referat, ein weiteres Mosaiksteinchen gegeben zu haben.

            Man soll die Bilder, die zwischen den Bildern sind, nicht vergessen.

Es war ihnen wichtig zu zeigen, dass man Photos kritisch betrachten soll, denn wir werden jeden Tag damit konfrontiert.

Sibylle Brändli sagt noch zum Abschluss, dass wir Bilder anhand von Konventionen sehen. Man sollte Nachdenken wie man zu einer Meinung kommt. Ist es ein Bild oder eine Konvention?

 

 

4. Kommentar

 

Dass das Referat auf einer aktiven Diskussionsrunde basierte, fand ich eine gute Ausgangssituation. Trotz der Schwierigkeit in einer Diskussion beim Thema zu bleiben und gleichzeitig weiter zu kommen, haben sich die Referenten gut geschlagen. Inhaltlich wurden alle Aspekte berücksichtigt und gut aufbereitet. Gegen Schluss der Diskussion fielen Begriffe wie „Parawissenschaft“, die meiner Meinung nach eine leichte Abschweifung vom Themas waren. Das eigentliche Thema „Vietnam“ wurde gegen Ende der Diskussion vernachlässigt. Dennoch bin ich froh auf die Täuschungen und die Beeinflussung durch Bilder aufmerksam gemacht worden zu sein.

Das Beispiel des Mosaikbildes hat den Kern dieser Problematik getroffen.