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Jan Hodel
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23.12.1998 Multimedia und Geschichte: Projekte (2): IATH
27.12.1998 Multimedia und Geschichte: Projekte (3): Sipapu

Institute for Advanced Technology in the Humanities (IATH)

23.12.1998: Multimedia und Geschichte: Projekte (2)
Einem ausserordentlich interessanten Vorhaben widmet sich das Institute for Advanced Technology in the Humanities (IATH), beheimatet an der Universität von Virginia (USA). Das Institut setzt sich zum Ziel "to explore and expand the potential of information technology as a tool for humanities research". Das IATH bietet hierzu eine Reihe lesenswerter Essays (Rubrik General Publications ), wovon ich besonders den Artikel "The Rationale of HyperText" von Jerome McGann empfehlen möchte, da er grundsätzliche Überlegungen dazu anstellt, wie mit neuen Medien auch neuartige Erkenntniszusammenhänge hergestellt werden können.

Auch eine Linklist zu verschiedenen Themen der Informationstechnologie und der Geisteswissenschaft schmückt das Angebot. Der Titel der Auswahl - Related readings in the Humanities - repräsentiert den Stil dieser WebSite. Hier geht es nicht ums schnelle Klicken sondern ums wohlüberlegte Nachdenken. Dies wird noch unterstrichen durch das Journal "Postmodern Culture", das sich als älteste Online-Publikation der Geisteswissenschaft bezeichnet und aus verschiedenen Perspektiven die Rolle der Kulturwissenschaften im Zeitalter der Informationsgesellschaft beleuchtet. Leider ist nur jeweils die aktuelle Ausgabe des vierteljährlichen Journals kostenlos zugänglich. Artikel älterer Ausgaben sind immerhin als unformatierte Textdateien erhältlich.

Waters of Rome

Kernstück der WebSite ist zweifellos die Rubrik Research Reports, in der Projekte bis zurück ins Jahr 1994 vorgestellt werden, die konkret vorführen, wie Informationstechnologien in geisteswissenschaftlichen Studien eingesetzt werden kann.

Das Projekt "Waters of Rome" will das Wasserversorgungssystem der "Ewigen Stadt" von der Antike bis heute in dreidimensionalen Ansichten erschliessen - ein gewaltiges Unterfangen, dass erst in den Anfängen steckt. Benutzerfreundlich ist die Auswahl verschiedener Betrachtungsmöglichkeiten. Interessenten, die mit einer schwachen Internetverbindung die Seiten dieses Projektes besuchen, können auch mit kleinen Bilddateien einen Eindruck von diesem Projekt gewinnen. Besonders erfreulich, dass sich das Projekt nicht in technischen Spielereien erschöpft, sondern auch Texte, Hinweise auf Literatur und sogar eine Online-Publikation zum Thema anbietet.

Monuments and Dust

Von den zahlreichen Projekten seien hier nur drei exemplarisch aufgeführt:

  • Monuments and Dust wagt den Versuch, das viktorianischen London mit visuellen Mitteln, Original-Texten und statistischen Daten in seiner Komplexheit darzustellen. So werden neben Transkripten von zeitgenössischen Werken (mit Faksimile-Reproduktionen) auch 3D-Modelle wichtiger Bauten im Web präsentiert. Eine spannende Annäherung an multimediale Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Internet, doch noch steckt das Projekt zu sehr in den Anfängen und die technischen Vorraussetzungen sind noch zu hoch (zusätzliche Software zum Browser wird benötigt) um beurteilen zu können, ob das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt und das neue Medium auch neue Erkenntnisse zu vermitteln vermag.
  • Das Sixties-Projekt, das sich vor allem um den Vietnam-Krieg und den inneramerikanischen Widerstand dagegen dreht. Besondere Merkmale dieses Projekts sind Transkripte von Manifesten und eine Sammlung von Postern und Ansteckknöpfen zeitgenössischer Oppositionsbewegungen, die Veröffentlichung eines Antikriegs-Comics aus dem Jahr 1967, und ein Forum (Personal Narrative) zu persönlichen Erfahrungen in den sechziger Jahren - eine Art Online-Oral-History-Projekt, allerdings mit wenig Einträgen.
  • Das Spoon-Collective, das elektronische Foren (vor allem Mailing-Listen) zu philosophischen und politisichen Diskursen zur Verfügung stellt.
Sipapu

27.12.1998 Multimedia und Geschichte: Projekte (3)
Ein anderes interessantes historisches Projekt, dass sich mit der Anwendung multimedialer Technologien auf dem Internet versucht, ist "Sipapu". Es geht um die Darstellung der Lebensweise und der Architektur der Anasazi, eines prähistorischen indianischen Volkes, dass vor der Landnahme durch die Weissen, von ca. 10000 vor bis 1150 nach Christus, im Chaco Canyon im Südwesten der USA gelebt hat. Im 12. Jahrhundert wurden die Siedlungen aufgegeben, die Gründe sind weitgehend unbekannt.

Multimedia wird bei diesem Projekt vor allem für die Darstellung der indianischen Architektur eingesetzt. Die Anasazi bauten grosse unterirdische Versammlungsräume, "Kiva" genannt, in denen sie Kulthandlungen ausübten. Von einer solchen Kiva kann auf der WebSite eine nachempfundene 3D-Grafik im Quicktime-Format interaktiv "erforscht" werden. (Ähnliches ist auch für die eindrucksvollen überirdischen Gebäude der Anasazi ("Kin Tl'iish") möglich). Das Ergebnis ist ein Ausstellungsrundgang, der nur auf dem Computer-Bildschirm stattfindet. Wer sich vorstellt, welchen Eindruck von einer Kiva ein zweidimensionales Bild oder ein reiner Text vermittelt hätte, kann die Chance solcher Darstellungsmöglichkeiten ermessen. Ob das in diesem oder in anderen Fällen ein Vorteil ist, bleibt Ansichtssache - wie übrigens auch sonst bei der Visualisierung historischer Sachverhalte, etwa in Ausstellungen oder Filmen.

 
 

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