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ONLINE ARCHIV / 07.04.2001
Erschienen am: 07.04.2001
Ist das Internet wirklich das Ende der Geschichte?
Kritik an den Ideologen des Internet: Interview mit Uwe Jochum
Uwe Jochum: Die Ideologie des Internet besteht aus Elementen religiöser Heilslehren. Foto Tino Briner
Dr. Uwe Jochum, Fachreferent an der Universitätsbibliothek Konstanz, hielt letzte Woche an der Tagung «Raumlose Orte - geschichtslose Zeit» des Historischen Seminars der Uni Basel ein Referat mit dem Titel «Das Ende der Geschichte im Internet». Die BaZ hat ihn zu seinen Thesen befragt.
BaZ: Dr. Uwe Jochum, Sie sprechen vom «Ende der Geschichte» durch das Internet. Das klingt reichlich apokalyptisch.
Uwe Jochum: Ja. (lacht) Nein, es ist aber nicht apokalyptisch gemeint. Wenn es aber so wäre, dass die Erwartungen in Erfüllung gehen, die sich für viele Theoretiker mit dem Internet verbinden - all diese hochgestochenen Versprechungen vom Ende des menschlichen Subjektes mit seinem Körper durch Downloaden seines Geistes in das Netz -, dann müsste man wirklich von einem Ende der Geschichte sprechen, weil sie in einem uns mitgegebenen Sinne nicht mehr sein könnte.
Wie meinen Sie das?
Geschichte ist ja nicht einfach das Verfliessen von Zeit. Das wäre trivial. Nach meinem Geschichtsbegriff bedeutet es, dass sich einem die Vergangenheit in einer Tiefe erschliesst. Geschichte ist strukturiert. Und ich glaube, dass diese Strukturierung durchaus an mediale Phänomene gebunden ist. Furchtbar einfaches Beispiel: Wenn sie in Griechenland die Akropolis besuchen, wissen sie, dass das zur abendländischen Geschichte gehört, weil sie das in der Schule gelernt haben. Und mein Argument ist, dass solche physischen Zusammenhänge nicht - wie die Theoretiker des Internets behaupten - vollständig ins Netz ladbar sind. Die Reise zur Akropolis ist nicht ersetzbar durch die Betrachtung des Bildes im Internet. Denn wenn Sie hinfahren, können Sie all die damit verbundenen Kontexte wahrnehmen. Ein Ende von Geschichte wäre es, wenn ein Medium so weit entwickelt würde, wie sich viele das mit dem Internet vorstellen: Dass all diese physischen Momente negiert und wir nur noch durch das Netz surfen würden. Wir würden uns nicht mehr von der Stelle bewegen, würden all diese Differenzerfahrungen nicht mehr machen können. Es würden nur noch dekontextualisierte Bilder aneinander gereiht, die einander alle gleich wären.
Wo liegt denn der entscheidende Unterschied zwischen der Speicherung von Erinnerung im Internet und in der klassischen Bibliothek?
Wenn wir die etwa zweieinhalbtausendjährige Bibliotheksgeschichte betrachten, ist diese gekennzeichnet durch die Speicherung physischer Objekte in physischen Gebäuden. Die Idee des Internets ist demgegenüber die völlige Trennung von physischen Medien. Natürlich hat auch das Internet eine physische Basis: die Rechner, die Leitungen. Doch die Idee besteht darin, dass diese Netzwerk-Physis einen Abstossungsprozess von Materialität überhaupt bewirken soll. Ausserdem ermöglichten die physischen Medien, wie wir sie bislang kannten, immer eine räumliche Orientierung: Man kann in eine Bibliothek gehen und sagen: Dort hinten steht all das, was ich nicht kenne. Man kann es sich aneignen, weil man es lokalisieren kann. Im Internet dagegen wird die Lokalität negiert: Diese Orientierungsprozesse sind dort unmöglich.
Geschichte kann sich also nicht von ihrer Materialität lösen.
Nein, das darf sie nicht. Das wäre unmenschlich. Und in den Büchern von Internet-Theoretikern wie Hans Moravec, der immerhin am MIT forscht, werden in der Tat inhumane Utopien verbreitet.
Ist das nicht alles Science-Fiction?
Es gibt tatsächlich massgebliche Theoretiker, die so sprechen, Leute aus der Computer- und Hackerszene in den USA. Leute, die keine marginalen, sondern zentrale Positionen besetzen. Diese Theoretiker sprechen ja auch davon, es werde dereinst eine neue Evolutionsstufe erreicht sein. Ich glaube, dass man das ernst nehmen muss. Diese Leute arbeiten in den USA an grossen Forschungseinrichtungen, die über ansehnliche Gelder verfügen können. Das sind nicht spinnerte Leute, die man marginalisieren kann.
Darin sehen Sie eine Gefahr?
Ja, natürlich. Das sind rückgekoppelte Prozesse: Diese Leute werden von der Politik angehört und so wird das Netz dann auch tatsächlich in diese Richtung entwickelt. Auch die Wirtschaft beteiligt sich ja daran.
Eine dunkle Verschwörung von Konzernen und Politik?
Nein, das nicht. Denn die Prozesse liegen ja offen zu Tage. Sie müssen nur die Bücher lesen. Es ist ein ideologisches Vorurteil, das sich Bahn bricht: Dass nämlich der Mensch hauptsächlich Geist sei. Das hängt massiv mit dem Christentum zusammen. Da werden religiöse Botschaften auf ein technisches Medium übertragen.
Sie schreiben, dass der Mensch über das Internet versuche, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Befürchten Sie denn eine Verdrängung der christlichen Heilslehre durch eine technische?
Ja. Ganz massive Elemente der Ideologie des Internets sind Heilslehren-Elemente. Und die sind massive Angriffe auf religiöse Erfahrungen überhaupt. Die Erfahrung einer Grenze, der Gegebenheit von Welt. Das ist eine grundlegende Erfahrung auch der abendländischen Philosophie. Was diese Leute vorhaben, ist ein antireligiöses und antiphilosophisches Programm.
 Interview Mathieu von Rohr

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