1. "Ein edel Weib von Pomeiook"
Die "edle Frau von Pomeiook" hat de Bry ausgewählt, um neben dem "Fürsten von Virginia" den ersten Band der America-Serie zu eröffnen: er macht sie damit auf dem Titelblatt zur Repräsentantin ihres Volkes. Ihre klassisch inspirierte Haltung, der leichte Kontrapost, die beigegebene 'Vase' verraten eindeutig ihre Herkunft aus der künstlerischen Tradition Westeuropas. Die Kalebasse in ihrer Hand erklärt sich aus einer Bildtradition, die Frauen - im Sinne der "Corpus quasi vas"-Metapher - als Gefäße charakterisiert, sei es aufgrund des Kindes, das in ihnen Platz findet, sei es als Ort für den männlichen Samen. Trotz der Merkmale, die auf die Andersartigkeit der Frau verweisen, wie die unbedeckte Brust, der kurze Lendenschurz und die Tätowierungen, rekurriert die Darstellung auf europäische Repräsentationen und eignet sich auf diese Weise das 'Andere' an. Wie erfolgreich diese Aneignungsstrategie war, zeigt sich an der Rezeption, die gerade die "Frau von Pomeiook" erfahren hat: in den Trachtenbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts ist sie praktisch immer nachzuweisen; Illustrationen mit 'ethnographischem' Anspruch nutzen sie weiter als Prototypen der Algonquin-Indianer. Die bei de Bry durchaus prominente Rolle des jungen Mädchens mit der europäischen Puppe wird dabei völlig verdrängt. Quelle: De Bry, America, I. Buch, Stich VII. zurück zur Galerie ¦ home |