Susanna Burghartz
Zeiten der Reinheit - Orte der Unzucht


Ehe und Sexualität in Basel während der Frühen Neuzeit



Machtfragen sind Ordnungsfragen. In den Auseinandersetzungen der Reformatoren um Pflichtzölibat, Ehe und "Unzucht" wurden grundlegende Grenzziehungen für die ganze Gesellschaft und ihr Verhältnis zu Gott verhandelt.

Entsprechend wurden mit der Reformation die Geschlechterbeziehungen zu einem zentralen Schauplatz gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Umgesetzt wurden die Reformabsichten in den neu eingerichteten Ehegerichten der reformierten Städte. Die durchgehend überlieferten Ehegerichtsprotokolle in Basel gestatten die Untersuchung der langfristigen Auswirkungen dieser Reform. Konzeptuell stand im Zentrum der Basler Moralpolitik die Reinheit der Gesellschaft. Das Ehegericht wurde im Zuge der Konfessionalisierung von einem Instrument zur Regelung von Konflikten zwischen Männern und Frauen zu einem Ort, an dem "Unzucht" definiert und bestraft wurde. Die wachsende Sexualisierung und Kriminalisierung der Geschlechterbeziehungen vor dem Ehegericht war die Folge eines kontinuierlichen Prozesses, den Reformation und Konfessionalisierung in Gang gesetzt haben. Er traf Männer und Frauen, wenn auch in ungleicher Art und Weise. Der Kampf für Reinheit brachte selbst neue Formen von Unzucht hervor und liess so die Gesellschaft zunehmend unzüchtig erscheinen.


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