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Hans-Lukas Kieser
Historisches Seminar der
Universität Zürich (Sommersemester
2003)
Vorlesungsnummer: 2060
Mi 14-16, Hörsaal KOL-H-321
Weit weniger als Europa hat der Nahe
Osten bis heute die "Urkatastrophe des 20.
Jahrhunderts", den Ersten Weltkrieg, der
zum Zusammenbruch des Osmanischen Reiches
und zur Neuordnung der Grossregion führte,
verwunden. Dies trifft auch auf die Türkei
und Israel zu, wiewohl dort in den Jahrzehnten
danach ein tiefgreifender kultureller und politischer
Aufbruch stattfand. Wenn auch auf unterschiedlichem
ideologischen Hintergrund, hatten beide
das Ziel, anstelle "islamisch-orientalischer
Rückständigkeit"
eine Gesellschaft auf der Höhe "westlicher
Moderne" und der Basis eigener ethnischer
Identität aufzubauen. Unser
Kolloquium nimmt sich einige Biographien
sowohl von Figuren der kemalistischen und
der zionistischen Eliten als auch ihrer
Gegenspieler, Opfer und Mitläufer vor. Es sucht darin
die bis heute unverheilten Brüche
in jenen Gesellschaften
biographisch-lebensweltlich zu erforschen,
indem es konkurrierende Glaubenswelten
und erlittene sowie ausgeübte kulturelle,
wirtschaftliche und politische Gewalt
thematisiert. Ein kritischer Blick auf widersprüchliche
Rezeptionen und national-hagiographische Verklärungen
wird unumgänglich sein. Um Kontextualisierungen
und Vergleiche zu ermöglichen, gehört
zum Rahmenprogramm des Kolloquiums
auch eine allgemeine Einführung
in die nahöstliche Geschichte des 20.
Jahrhunderts.
Vorbesprechung (freiwillig): Mittwoch, 5. Februar, 16.15
Uhr, Anmeldungen an hans-lukas.kieser@unibas.ch.
Literaturhinweise: D. Ben Gurion, Erinnerungen
und Vermächtnis, Frankfurt 1971; R. Khalidi,
Palestinian
identity: the construction of modern
national consciousness, New York 1997; G. Meir,
Mein Leben, Wien 1983; B. Rill,
Kemal Atatürk: mit Selbstzeugnissen
und Bilddokumenten, Reinbek 1991; N. Zaza, Ma vie de Kurde,
Genf 1993.
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