Die Armenierverfolgungen in der spätosmanischen
Türkei.
Neue Quellen und Literatur zu einem unbewältigten
Thema
Hans-Lukas Kieser
Leicht gekürzte Fassung eines in der
Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte/ Revue Suisse
d'histoire, Nr. 1, 2001, erscheinenden Textes.
Im Zentrum des Berichtes stehen:
- Auron, Yair, The Banality of Indifference. Zionism &
the Armenian Genocide, New Brunswick und London: Transaction
Publishers, 2000
- Comité de Défense de la Cause Arménienne
(CDCA), L’Actualité du génocide
arménien, Paris: EDIPOL, 1999
- Hovannisian, Richard G. (Hg.), Remembrance and Denial. The
Case of the Armenian Genocide, Detroit: Wayne State University
Press, 1998
- Goltz, Hermann, und Meissner, Alex (Hg.), Deutschland,
Armenien und die Türkei 1895-1925, Dokumente und
Zeitschriften aus dem Dr. Johannes-Lepsius-Archiv an der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Microfiche-Edition, München: Saur, 1999
- Gust, Wolfgang (Hg.), Revidierte Ausgabe der von Johannes
Lepsius unter dem Titel ‚Deutschland und Armenien 1914-1918‘
herausgegebenen Sammlung diplomatischer Aktenstücke,
Version 2.10, o. O., 1999
(http://home.t-online.de/home/wolfgang.gust)
Die hier vorgestellten Beiträge
über den Völkermord an den Armeniern belegen die
bedeutenden Fortschritte, welche internationale Wissenschaftskreise
im letzten Jahrzehnt quellenmässig und methodisch gemacht haben.
Zu einem beträchtlichen Teil sind sie als Frucht einer
Anstrengung zu lesen, die offizielle internationale Anerkennung des
Genozids an den Armeniern zu befördern. Deutlich der Fall ist
das beim Pariser Band, der aus einem internationalen Kolloquium in
der Sorbonne vom April 1998 hervorgegangen ist. Die Anstrengung
beschränkt sich indes auf die symbolische Dimension,
nämlich die Etablierung und öffentliche Anerkennung
historischer Wahrheiten und stellt keine Fragen nach materieller
Restitution.
Der Völkermord an den Armeniern ist in
den vergangenen fünfzig Jahren wissenschaftlich, publizistisch
und politisch fast gänzlich im Schatten der Shoah verschwunden.
Die Auseinandersetzung mit dieser Tatsache ist ein umvermeidlicher
Bestandteil der Erinnerungsarbeit und der akademischen Aufarbeitung,
welche sich mit der Ausrottung der kleinasiatischen Armenier im
Ersten Weltkrieg befasst. «Ausschwitz n'était pas une
autre planète, c'était notre monde.» Mit diesen,
einem Ausschwitz-Überlebenden entlehnten Worten wehrt Israel
Charny, Jerusalem, im Pariser Band eine metaphysische oder exklusiv
auf die jüdische Leidensgeschichte fixierte Sicht von Holocaust
ab. Zahlreiche jüdische Intellektuelle teilen diese Haltung.
Gavriel D. Rosenfeld hat neulich den dominanten okzidentalen Umgang
mit dem Thema Holocaust als
the politics of uniqueness
bezeichnet und ist in einer Studie zum Schluss gekommen, dass das
Pochen auf die Einzigartigkeit der Shoa im Sinne eines
geschichtlichen Bruches in der Retrospektive auf das ganze 20.
Jahrhundert obsolet geworden sei. Der Begriff «Holocaust»
werde seine ursprünglich universale Bedeutung
zurückgewinnen.
[1]
Das Einzigartigkeits-Credo, das weit
über den Begriff geschichtlicher Eigenheit
(
distinctiveness oder
particularity in Rosenfelds
Terminologie) hinausgeht, hatte als Reaktion auf Tendenzen der
Relativierung im Kontext des deutschen Historikerstreites eine
präzise Funktion. Langfristig skeptisch wahrnehmen musste es
indes das kleine Häuflein derjenigen, die sich ernsthaft mit dem
Völkermord an den Armeniern auseinandersetzten. Sie mussten zur
Kenntnis nehmen, dass im Rahmen der gegebenen machtpolitischen und
meinungsbildenden Strukturen ganz unterschiedliche Masstäbe
für die beiden in der Geschichte des 20. Jahrhunderts am
nächsten verwandten Völkermorde galten. Der eine wurde mit
Billigung derselben Institutionen und Regierungen totgeschwiegen oder
relativiert, die sich gegenüber dem andern politisch korrekt und
moralbewusst positionnierten. Eine solche
«Geschichtspolitik» entsprang einer eurozentrischen Schau.
Deren Exklusivität gab der euphemistischen
Geschichtskonstruktion des türkischen Staates, der jeglichen
Völkermord leugnet, ein willkommenes Alibi. Mit diesem
interessegeleiteten Missbrauch von Geschichte stand die
türkische Diplomatie nicht alleine.
[2]
Mit der «zunehmenden Faszination der
Amerikaner durch die nationalsozialistische Vernichtung des
europäischen Judentums» (Rosenfeld)
[3]
und in Verbindung mit zunehmenden nationalreligiösen
jüdischen und fundamentalistischen christlichen Strömungen,
die den siegreichen Sechstagekrieg als göttliche Lenkung
deuteten, kam seit den 1970er Jahren ein eigentlicher Prozess der
Entgeschichtlichung in Gang. Dieser konnte dem wichtigen universalen,
Armenier und Juden verbindenden Anliegen, nämlich der
Verhütung ähnlicher Menschheitsverbrechen dank
unverfälschter Einsicht in die geschehenen Völkermorde nur
abträglich sein. Daher geht es den jüdischen Autoren in
beiden Sammelbänden darum, in der Absetzung von Verfechtern
einer abgehobenen, metahistorisierenden Einzigartigkeit der Shoa (wie
etwa Daniel J. Goldhagen oder Steven T. Katz),
[4]
die Parallelität des historischen Traumas, die Würde des
Gedächtnisses der Opfer und die gemeinsame Sache in Gegenwart
und Zukunft zu unterstreichen. Der Shoah-Überlebende Robert
Melson schreibt: «En étudiant les causes communes des
génocides, dont l'Holocauste et le génocide
arménien sont des exemples extrêmes, nous nous engageons
à contribuer à leur éradication dans l'histoire
de l'humanité.»
Die Frustration der Armenier, deren
Tragödie seit 1923 auf offizieller internationaler Ebene
verdrängt bleibt, stieg in den 1990er Jahren zusätzlich.
Sie erfuhren nämlich, dass Vertreter der israelischen Diplomatie
und jüdischer Organisationen in den USA zur Genugtuung der
türkischen Diplomatie den ursprünglich vorgesehenen
Einbezug des armenischen Genozids im
Holocaust Memorial Museum
in Washington (eingeweiht 1993) vereitelten. Sie mussten zur
Kenntnis nehmen, dass ihr Anliegen auf politischen Druck hin bei
Genozid-Kongressen in oder ausserhalb Israels nicht oder kaum
thematisiert wurde.
[5] Nicht von
ungefähr kam es daher zu einer Art «Obsession» -
welche der im Pariser Band vertretene türkische Historiker
Fikret Adanır bei gewissen armenischen Historikern vermutet
-,
[6] den zum metahistorischen
Mass alles Bösen erhobenen Nationalsozialismus und den
jungtürkischen Unionismus gleichzusetzen, um in dieser Weise
mehr Anteil an internationaler Beachtung und Anerkennung zu
erlangen.
Wie wichtig es inzwischen indes zur Wahrung
der eigenen Glaubwürdigkeit auf dem geschilderten Hintergrund
für manche jüdische Persönlickeiten geworden ist, auch
hinsichtlich des armenischen Genozids ihre Stimme zu erheben, belegt
der Appell in der
New York Times vom 9. Juni 2000, in welchem
126 Experten der Shoah, darunter Elie Wiesel, Yehuda Bauer, Israel
Charny und Steven Katz die westlichen Demokratien sowie die
Türkei zur Anerkennung des «unbestreitbaren Faktums des
armenischen Genozids» aufrufen. Den konzertierten Anstrengungen
armenischer, eines Teils jüdischer und menschenrechtlicher
Kreise im Vorfeld der Wahlen ist es zuzuschreiben, dass der
amerikanische Repräsentantenhaus am 19. Oktober 2000 zweifellos
eine Resolution zur Anerkennung des armenischen Völkermordes
angenommen hätte, wenn Regierung und Rentagon nicht massiven
Druck auf den Kongresspräsidenten ausgeübt hätten, die
Resolution wegen «bedeutender nationaler Interessen» von
der Traktandenliste zu streichen.
[7]
In Zeiten harter Verhandlungen über die
Restitution jüdischer Gelder und Güter in den 1990er Jahren
war es für die Armenier schmerzlich, die seit dem Lausanner
Vertrag 1923 währende komplette internationale Irrevelanz von
Themen wie armenisches Raubgut und Zerstörung armenischer
Kulturgüter einzugestehen, vom Verlust der Heimat ganz zu
schweigen. Dickran Kouymjian beschreibt im Pariser Band die
Konfiskationen und Destruktionen als «Manifestation eines
Genozidprozesses». Dieser war auch nach dem
türkisch-nationalistischen Unabhängigkeitskrieg und nach
der definitiven staatlichen Beschlagnahmung aller sogenannt
«verlassenen Güter» 1923 nicht abgeschlossen. Der
türkische «Befreiungskrieg» vollendete, wie Levon
Marashlian im Detroiter Band beschreibt, die Vernichtung und
Vertreibung der Armenier. Mit der Zerstörung des
Gedächtnisses an die Armenier durch systematische Umbenennungen
von Ortschaften und der Zerstörung armenischer Bauwerke ging der
Auslöschungsprozess weiter. Er setzte sich insbesondere auch mit
der Lancierung einer Geschichtsschreibung fort, welche die
Vernichtung der Armenier als Konsequenz eines Bürgerkrieges in
Kleinasien darstellte, den eigenen Sieg im
«Überlebenskampf» verherrlichte und die todbringenden
Umsiedlungen als Eliminierung einer fünften Kolonne im Krieg
gegen Russland rechtfertigte.
Die Rede vom «kleinasiatischen
Bürgerkrieg zwischen Türken und Armeniern», dem der
schwächere Part zum Opfer fiel, ist eine historiographisch
unhaltbare, direkt auf Argumente des unionistischen Kriegsregimes
gestützte Umbiegung von Geschichte. Sie wird nicht etwa nur von
kemalistischen Autoren oder von einigen wenigen, allerdings
prominenten amerikanisch-jüdischen Turkologen gepflegt, die der
türkisch-amerikanischen Partnerschaft verpflichtet (auch
entsprechend finanziert) sind und deren intellektuelle Sozialisation
im engen Austausch mit den politischen Eliten der 1950er und 60er
Jahre stattgefunden hatte: Sie findet sich formelhaft auch in der
neuesten, sonst manchenteils innovativen Gesamtdarstellung
osmanischer Geschichte durch die Münchner Osmanistin Suraiya
Faroqhi.
[8] Mit Recht
thematisieren mehrere Autoren, nämlich Yves Ternon, Roger Smith,
Eric Markusen und Robert Lifton im Detroiter Band die
Verantwortlichkeit «freier Wissenschaft» am Beispiel von
Bernard Lewis und Heath Lowry, die Seite an Seite mit Vertretern des
türkischen Staates die Bürgerkriegsthese verfochten haben.
Dieses Credo oder aber das völlige Schweigen zur Sache sind bis
heute auch im Westen die unterschwellige
conditio sine qua non
für einen Orientalistik- oder Turkologielehrstuhl gewesen. Die
als Islamwissenschaften, Osmanistik und Turkologie
institutionalisierte internationale universitäre
Türkeigeschichtsforschung hat jahrzehntelang nicht allein zum
bedrängenden Thema der Pogrome und des Genozids, sondern auch zu
den damit zusammenhängenden Langzeitschäden im
östlichen Kleinasien, und somit zur kurdischen Frage,
geschwiegen. Das Unbehagen darüber wurde erst kürzlich auch
bei Turkologen laut.
[9]
Die Armenier waren den Juden in mannigfacher
Hinsicht auf dem Leidensweg vorausgegangen. Die Schicksale des
armenischen und des jüdischen Volkes wiesen 1915-1945 manche
Verknüpfungspunkte auf. Früh und deutlich nahm dies Franz
Werfel wahr, der mit
Die vierzig Tage des Musa Dagh 1933 ein
Werk über die armenische Tragödie schrieb, das zur
Leiblektüre in den jüdischen Ghettos während des
Zweiten Weltkrieges wurde. Dies obwohl jüdische Nationalisten
Werfel den Vorwurf machten, sich anstatt mit dem Leiden des eigenen
mit dem eines fremden Volkes zu beschäftigen. Diesem Themenkreis
widmet sich der israelische Sozialwissenschaftler Yair Auron, der im
Pariser und Detroiter Band mit je einem Beitrag vetreten ist. In
seinem Buch The
Banality of Indifference stellt er das ganz
auf die eigenen Interessen und das eigene Überleben
ausgerichtete Verhalten der zionistischen Führer und der
jüdischen Siedlerschaft in Palästina angesichts der
spätosmanischen Armenierverfolgungen dar.
[10]
Wie auch die anatolischen Aleviten und später die Kurden, hatte
die jüdische Gemeinschaft in Palästina, der Yishuv, in den
Jahren 1915-17 panische Angst, das gleiche Schicksal zu erleiden wie
die Armenier. Die Kriegsherren, so Djemal Pascha in Syrien und
Palästina, drohten den potentiell illoyalen Gemeinschaft
mehrfach, sie wie die Armenier zu behandeln. Auron nennt mehrere
Gründe dafür, dass es für den Yishuv nicht soweit
kommen konnte: das Eintreten der deutschen Diplomatie für die
Juden, das effiziente jüdische Lobbying bei den
Grossmächten und in der Weltpresse, die Nähe der britischen
Truppen und die ostentative Loyalität der meisten Juden und
Zionisten vor Ort mit den Zentralmächten. Eine Ausnahme stellte
die kleine jüdische Spionagegruppe Nili dar, die sich mit den
armenischen Opfern identifizierte und engagiert Informationen
über den Völkermord sammelte und an die Briten
weiterleitete. Die Überlebenden dieser Gruppe wurden allerdings
von vielen Mitjuden vefemt, da sie mit ihrem Tun die eigenen
Volksgenossen gefährdet hätten.
Auron geht ausführlich auf den
Gegensatz zwischen der «Realpolitik», wie Theodor Herzl sie
pflegte («Realpolitik» war ein beliebter Ausdruck damaliger
Zionisten), und einer universell orientierten Sicht der Minderheiten
ein, der sich Bernard Lazare verpflichtet sah. Dieser frühe
Weggefährte Herzls wurde bald zu seinem entschiedenen Kritiker.
Ihn störte, dass Herzl um die Jahrhundertwende den Sultan
Abdulhamid hofierte, ungeachtet der Pogrome der 1890er Jahre, die
über hunderttausend osmanischen Armeniern das Leben gekostet
hatten. Lazares Zorn entlud sich an einem
Glückwunschtelegrammen, das Herzl am 5. Zionistenkongress in
Basel Ende 1901 im Namen der ganzen Versammlung dem Monarchen in
Konstantinopel sandte und dafür ein Dankesschreiben empfing. Den
öffentlichen Protest dagegen, den Studierenden aus Osteuropa und
dem Osmanischen Reich, darunter armenische und jüdische, in
Lausanne und Genf organisierten, kommentierte Herzl in seinem
Tagebuch zutreffend mit den Worten, dass dies seinem Verhältnis
mit dem Sultan wahrscheinlich förderlich sein werde. Lazares
Zorn hätte sich lange vor dem Basler Telegramm entzündet,
wenn er gewusst hätte, dass Herzl sich 1896, noch während
der Pogrome, um eine Audienz beim Sultan bemüht hatte und bereit
war, dessen Sympathie mit Geld und dem Versprechen zu gewinnen, die
europäische Presse protürkisch zu beeinflussen. Auron geht
ausführlich auf Herzls rein instrumentalisierenden Umgang mit
der armenischen Frage ein. Erstaunlich bloss, dass er Buheirys
wichtige Arbeit darüber, die ebenfalls auf Herzls
Tagebüchern fusst, nicht erwähnt.
[11]
Vom bereits genannten amerikanischen
Politikwissenschaftler Robert Melson stammt ein Beitrag im Pariser
Band. Melson beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem
Vergleich der beiden Fälle von, wie er es nennt, «totalem
internem Genozid».
[12]
Beide fanden im Kontext einer sozialdarwinistisch inspirierten
Weltkriegspolitik und gigantischer ethnisch-demographischer
Umgestaltungspläne statt in Gebieten, die vom Regime als
Binnenkolonien behandelt wurden. In beiden Fällen reagierten die
Regime nach einem gescheiterten Russlandfeldzug mit mörderischer
innerer Aggression gegen die armenische beziehungsweise jüdische
Gemeinschaft in ihrem Herrschaftsbereich, die sie als Helfershelferin
des Feindes darstellten und mit Berufung auf das eigene
Sicherheitsrisiko «aussiedelten». Der Hinweis auf
zahlreiche in der russischen Armee oder bei den Partisanen
mitkämpfende Juden beziehungsweise Armenier legitimierte das
mörderische Vorgehen. Bereits eine Generation vor den
Nationalsozialisten entwarfen einige unionistische Ärzte, die in
der Partei grossen ideologischen und politischen Einfluss besassen,
das Bild eines von armenischen Mikroben befallenen
Staatskörpers, die zu entfernen medizinische Pflicht sei. Der
Arzt Dr. Mehmed Reschid setzte diese Ideologie als Vali von
Diyarbakir im Frühjahr 1915 tatkräftig um.
[13]
Das armenische Volk und viele armenische
Waisen mussten, soweit sie die Deportationen überstanden hatten,
die Schrecken der Konzentrationslager in der syrischen Wüste
durchmachen, die nicht nur Orte der passiven Zerstörung durch
Auszehrung und Seuchen, sondern auch der aktiven Vernichtung durch
Massaker und Massenverbrennungen waren. Dies belegt der Aufsatz des
Pariser Historikers Raymond H. Kévorkian ausführlich. Es
wäre zu wünschen, dass in Anlehnung an neuere Forschungen,
namentlich Christian Gerlachs zur deutschen Politik in Polen und
Weissrussland,
[14] auch die
zweifellos gegebene Verknüpfung der unionistischen
Vernichtungspolitik mit «rationaler» Wirtschaft-,
Bevölkerungs- und Ernährungspolitik herausgearbeitet
würde. Gerade hier könnte sich deutlich zeigen, dass das
deutsche Kriegsregime auf ein Modell zurückgriff und es
perfektionierte, das ihm von seinem Bundesgenossen im Ersten
Weltkrieg vorgeführt worden war.
Robert Melson thematisiert in seinem schon
erwähnten Aufsatz auch die Risiken des komparatistischen
Ansatzes: die Relativierung der Shoa oder aber ihre Verabsolutierung
als abstrakte Referenz und damit ihre Herauslösung aus dem
historischen Zusammenhang. Über komparatistische Erwägungen
hinaus tut daher eine gemeinsame Historisierung not, welche die
europäische Geschichte nicht auf dem Balkan enden lässt,
sondern die Entwicklungslinien, die vom Völkermord an den
Armeniern zur Shoa führten, erforscht. Ein wichtiger Teil
solcher noch ungetaner Arbeit ist die Rezeptionsgeschichte der
unionistischen Weltkriegsinnenpolitik im Deutschland der
Zwischenkriegszeit, als sich nachweislich zahlreiche Exponenten der
deutschen Rechten durch die in Kleinasien erfolgreich ausgeübte
genozidäre Gewalt des Weltkriegsverbündeten, die manche von
ihnen aus nächster Nähe mitverfolgt hatten, faszinieren
liessen. «Wir können mit unseren inneren Feinden fertig
werden. Sie in Deutschland können das nicht. Darin sind wir
stärker als Sie», in dieser Übertragung von Johannes
Lepsius lasen deutsche Leser jener Zeit den zynisch-zweideutigen Satz
Enver Paschas vom 10. August 1915.
[15]
Die gelungenen Studien des jungen deutschen Hilmar Kaiser, der
Beispiele deutschen Widerstandes und deutscher Komplizenschaft
ausgehend vom Mikrokosmos der Bagdadbahn (im Detroiter Band) sowie
die deutsche Leugnungspolitik jener Kriegsjahre (im Pariser Band)
untersucht, liefern nützliches Material für eine
differenzierte Sicht der Rolle Deutschlands. Trotz des absoluten
Imperativs zu siegen bejahte das offizielle Deutschland insgesamt die
der Kriegs-Staatsräson des Bundesgenossen entsprungene
«Massnahme» Genozid nicht, fatalerweise bekämpfte es
sie aber auch nicht.
Beide hier vorzustellenden Quelleneditionen
- die eine auf Papier beziehungsweise im Internet, die andere auf
Mikrofiche - betreffen deutsche Archive und stehen mit Johannes
Lepsius, dem deutschen Pastoren, Missionsgründer und Publizisten
in Verbindung. Zusammen mit den Berichten von Missionaren, die
während des Ersten Weltkriegs in Kleinasien verblieben waren,
stellen deutsche diplomatische Akten den Kern der Dokumentation
über den Völkermord an den Armeniern dar. Zahlreiche
deutsche Militärs und Diplomaten erlebten die Vernichtung der
Armenier in Kleinasien aus nächster Nähe. Lepsius stellte
1919 im Kontext der Pariser Friedenskonferenz eine Sammlung
entsprechender Aktenstücke zusammen, die zwar sehr
aufschlussreich im Hinblick auf die Faktizität und
Durchführungsweise der zentral gesteuerten Massenvernichtung
war, aber auch systematisch die Fragwürdigkeit der deutschen
Haltung ausblendete. Dies war der Wissenschaftlichkeit nicht
zuträglich, aber es erklärt sich aus dem Umfeld einer
Konferenz, die einige pauschal antideutsche Vorurteile portierte (so
dasjenige der deutschen Direktverantwortung für die Geschehnisse
in Kleinasien). Wolfgang Gust, ehemaliger Journalist und Experte in
Völkermordfragen und seine Frau Sigrid Gust, Juristin, haben in
langwieriger Kleinarbeit Lepsius’ Publikation von 1919 mit den
Originaldokumenten verglichen, in übersichtlicher Weise
sämtliche Auslassungen und Veränderungen sichtbar gemacht
und die Originale editiert. Eine logische, höchst
erwünschte und von Gust auch angestrengte Fortsetzung besteht in
der Ausgabe weiterer, die «armenischen Angelegenheiten»
betreffender Dokumente des auswärtigen Amtes. Ziel ist eine
Internet-Edition mit ausgebauten Suchfunktionen und interaktiven
Fenstern, die es weltweit allen Interessierten und insbesondere auch
Nachfahren der Genozidopfer ermöglicht, Informationen,
beispielsweise zu einem bestimmten Ort oder einer Familie,
hineinzuschreiben.
Wolfgang Gust hält im Vorwort seiner
Edition fest, dass der von Lepsius unberücksichtigte und
brisanteste Archivbestand, die militärischen Dokumente, in den
letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges einem Bombenangriff zum Opfer
fielen. Immerhin sind einige militärische Dokumente bei den
diplomatischen Akten erhalten geblieben.
[16]
Aber auch im neu eröffneten Lepsius-Archiv in Halle, einer in
vielerlei Hinsicht reichhaltigen Fundstelle, finden sich
substantielle Originalmilitärquellen. Einen Teil davon hatte
Liman von Sanders (der einzige, die Armenierverfolgungen aktiv und im
Raume Izmirs erfolgreich bekämpfende deutsche General) dem
streitbaren Pastoren und Patrioten ausgehändigt. Teilweise
verwendete Lepsius diese Dokumente 1921 als Experte im Prozess gegen
Tehlerian, der Talat Pascha, einen Hauptverantwortlichen des
unionistischen Kriegsregimes, in Berlin erschossen hatte.
Die grosse Bedeutung des Lepsius-Archives,
dessen Inhalte in einer umfangreichen Microfiche-Edition
zugänglich sind, liegt in der Offenlegung eines faszinierenden
internationalen Netzwerkes um Johannes Lepsius herum. Zu den
Microfichen gehört ein umfangreicher Katalog, der das praktische
Aufsuchen der Dokumente nach Autor oder Adressat ermöglicht und
auch sämtlich von Lepsius herausgegebenen Zeitschriften umfasst.
Lepsius’ Kontakte reichten von den Armeniern zu den Zionisten
(Lepsius wie Lazare und die Nili-Gruppe sahen das armenische und
jüdische Schicksal eng und prinzipiell verknüpft), vom
französischen Katholizismus zu den amerikanischen
Nahostmissionaren, von Basler und Genfer Philanthropen bis zu
Exponenten des türkischen Kriegsregimes, wo er im Sommer 1915
kühn vorsprach.
[17] Das
scheinbar Schillernde seiner Person ist in erster Linie der Reflex
einer verworrenen und widersprüchlichen Epoche der
europäisch-nahöstlichen Geschichte. Er gab das
Äusserste, um drohendes Unheil erstens vom armenischen Volk und
zweitens von Deutschland abzuwenden. Jedem Fatalismus angesichts von
menschlichem Leid abhold, suchte er sämtliche ihm
zugänglichen Kräfte zu mobilisieren, die aus seiner Sicht
dem Nahen Osten eine bessere Zukunft bereiten konnten. Auch wenn er
nur wenig gegen die damals von allen Seiten bemühte
«Realpolitik» vermochte, blieb sein Wirken den Kindern und
Kindeskindern der Überlebenden des Völkermordes in
unvergessener tröstlicher Erinnerung.
Allen hier vorgestellten Publikationen ist
gemeinsam, dass sie die Frucht von Anstrengungen «ziviler
Gesellschaft» sind, mithin weder staatlich finanziert wurden
noch (grösstenteils) dem institutionalisierten
Wissenschaftsbetrieb entspringen. Dennoch und auch bei gelegentlicher
Militanz sind sie insgesamt von hoher wissenschaftlicher
Qualität. Um die eigene Sicht zu untermauern, führt der
türkische Staat seit den 1980er Jahren seinerseits eine breite
Publikationsinitiative durch. Diese besteht hauptsächlich in der
Herausgabe von selektiertem Quellenmaterial, das für die
Gesamtschau durchaus nützlich ist.
[18]
Es bestätigt den wenig überraschenden Befund, dass die
verantwortlichen Instanzen weitgehend im Bewusstsein lebten, einer
übergeordneten Staatsräson zu dienen und dass die
Verwaltung Massenverbrechen nicht direkt, sondern immer in
euphemistischer Kaschierung nannte («Umsiedlung» anstatt
Vernichtung, «Ereignis» anstatt Massaker,
«Rebellen» anstatt Bevölkerung,und so fort). Eine
besonders wichtige Quellen stellen die seit wenigen Jahren im
Osmanischen Archiv in Istanbul zugänglichen Telegramme des
osmanischen Innenministriums dar, welche die umfassende
Umsiedlungspolitik und die ganz Kleinasien, nicht allein die
ostanatolischen Kriegszonen betreffende, systematische Deportation
der Armenier belegen. Sie geben Einblick in die administrative
Handlungsebene und sind eine wertvolle Ergänzung zu den
Augenzeugenberichten, welche die durch das zentralstaatliche Vorgehen
geschaffene, aber durch die Amtssprache verschleierte Wirklichkeit
schildern.
Ein Dialog zwischen Standpunkten offener,
zivilen Wissenschaft und einer nationalgeschichtlich orientierten,
weitgehend staatlich diktierten, apologetischen Position ist schwer
realisierbar.
[19] Bei
zunehmender Demokratisierung und Meinungsfreiheit innerhalb der
Türkei, bei etwas mehr Mut innerhalb der internationalen
Turkologie und konstruktivem diplomatischem Druck Europas dürfte
sich die letztere Position indes bald überlebt haben - trotz
ihrer skeptisch stimmenden, zynischen Beharrlichkeit während des
ganzen 20. Jahrhunderts.
[1] «The
Politics of Uniqueness: Reflections on the Recent Polemical Turn in
Holocaust and Genocide Scholarship»,
Holocaust and Genocide
Studies, Bd. 13, Nr. 1, S. 28-61, insb. S. 48 f. Der Begriff
Holocaust im Sinne eines Massenmordes ist im Zusammenhang mit den
Armenierverfolgungen mehrfach gebraucht worden, ohne sich als
Hauptbezeichnung durchzusetzen. Hier einige Beispiele: Die
amerikanische Missionarin Corinna Shattuck benannte damit die
Lebendverbrennung mehrerer tausend Armenier 1895 in Urfa (Shattucks
Brief ist abgedruckt in H.-L. Kieser,
Der verpasste Friede,
Zürich 2000, S. 542). Die New York Times sprach am 10. Sept.
1895, während der grossen antiarmenischen Pogrome im Herbst
1895, von «Armenian Holocaust». 1898 wandte der
französische Jude und Journalist Bernard Lazare in der Pariser
Zeitschrift
Pro Armenia (Nr. 4, Jan. 1902, S. 29 f.)
den Begriff generell auf die antiarmenischen Massaker an (zitiert
in Auron,
Banality, S. 21 und 105 f.). Über die
antiarmenischen Pogrome in Adana 1909 publizierte Ducket Ferriman
1913 in London das Buch
The Young Turks and the Truth about the
Holocaust in Asia Minor during April 1909 (ich danke Dominik
Schaller, Zürich, für diesen Hinweis). Winston Churchill
nannte in seinem Werk
The World Crisis die Szene eines Mordes
an zahllosen Armeniern im Ersten Weltkrieg «one administrative
holocaust» (Bd. 5:
Aftermath, S. 157. New York, 1927;
zitiert bei Sassounian, Harut,
http://www.armeniangenocide.com/section3/first.html, und bei Fisk,
Robert, «Dead Reckoning; Holocaust vs holocausts»,
Independent, 5. 8. 2000).
[2]
Dabei spielte unter anderem der Kalte Krieg eine Rolle, der
hinsichtlich der Türkei schon in der Zwischenkriegszeit ein
solcher
avant la lettre wurde und der in den 1990er Jahren im
Gebrauch der Türkei als Bastion gegen den Islamismus den Fall
der Berliner Mauer überdauerte. Es lag im Interesse der
Westmächte einen Genozid unerwähnt zu lassen, der von der
UdSSR und Sowjetarmenien als Argument für Grenzkorrekturen zur
Türkei hin, zum ehemaligen osmanischen Armenien, geltend gemacht
werden konnte.
[3]
Dazu vgl. auch das Buch des auf jüdische Studien spezialisierten
Historikers Peter Novick:
The Holocaust in American Life,
Boston/New York: Houghton Mifflin, 1999.
[4]
Vgl. Katz, Steven T.,
The Holocaust in historical context, New
York: Oxford University Press, 1994. Norman Finkelsteins neuliche
Polemik richtet sich namentlich gegen Katz wie auch gegen Elie Wiesel
(The Holocaust Industry - Reflections on the Exploitation of
Jewish Suffering, London: Verso, 2000).
[5] Zu
diesem besonders heiklen und fragwürdigen Aspekt der
politics
of uniqueness vgl. namentlich Linenthal, Edward T.,
Preserving
Memory. The Struggle to Create America's Holocaust Museum, New
York, 1995. Linenthal schrieb: «Clearly, Holocaust memory was to
be taken seriously when it was convenient to do so, and ignored when
other priorities intruded. [...] In the midst of rhetorical
allegiance to the importance of memory and the need to be sensitive
to genocides worldwide, Armenian memory was virtually effaced from
the permanent exhibition, and some Israeli and American Jews,
supposedly sensitive to the virtues of remembrance, joined forces to
prevent the United States Congress from officially remembering the
Armenian genocide. They were joined in this effort by American
politicians -- who were not at all hesitant to declare that, when
integritiy of historical memory clashed with the need to mollify a
NATO partner, Holocaust memory was a burden that should be
jettisoned» (S. 263, vgl. auch S. 228-240 und 312-314). Vgl.
auch Novick,
Holocaust, S. 192 f.
[6] Der
zitierte Begriff stammt aus einem früheren Aufsatz Adanırs:
«Die Armenische Frage und der Völkermord an den Armeniern
im Osmanischen Reich. Betroffenheit im Reflex nationalistischer
Geschichtsschreibung», in: H. Loewy und B. Moltmann,
Erlebnis
- Gedächtnis - Sinn. Authentische und konstruierte Erinnerung,
S. 237-263, Frankfurt und New York: Campus, 1996, S. 256.
[7] Der
Kongresspräsident Dennis Hastert veröffentlichte umgehend
Präsident Clintons «Drohbrief», der mit dem Satz
endete: «I urge you in the strongest terms not to bring this
Resolution to the floor at this time.» Vgl.
http://groong.usc.edu/hres398/index.html.
[8]
Geschichte des Osmanischen Reiches, München: Beck, 2000,
S. 99. Marie-Louise Blatters türkeiintern gemeinte Bemerkung
trifft, was die prägende Epoche des Ersten Weltkriegs angeht,
leider auch auf die externe Türkeiwissenschaft zu: «Noch
heute ist eine moderne kritisch distanzierte, polyperspektivische
Betrachtung der eigenen Geschichte nicht erwünscht.
Historiker/innen weichen so oft aus in soziologische Fragestellungen
und auch in Genderstudien» (Basler Magazin, 14. 10. 2000).
[9]
Siehe die Webpublikation von Erik-Jan Zürcher (Leiden):
The
rise and fall of «modern» Turkey,
http://www.let.leidenuniv.nl/tcimo/tulp/Research/Lewis.htm. Das
Unbehagen über eine internationale Türkeiforschung, die
sich seit den 1930er Jahren weitgehend im Schlepptau türkischer
Nationalgeschichtsschreibung bewegte, äusserte auch der
Strassburger Turkologe und Geschichtsprofessor Paul Dumont bei seiner
pikanten, leider unveröffentlichten Einleitungsrede zur Tagung
Historiographie des osmanischen und postosmanischen Raumes.
Nationale Identitäten und ideologische Gegensätze,
welche im Mai 1998 an der Universität Basel abgehalten
wurde.
[10]
Es handelt sich um eine überarbeitete Fassung der bereits 1995
auf hebräisch erschienenen Arbeit, die in Israel Wellen
schlug.
[11]
Vgl. Buheiry, Marwan R., «Theodor Herzl and the Armenian
Question»,
Palestine Studies, Bd. 7, Nr. 1, 1977, S.
81-92.
[12]
Vgl. sein Buch
Revolution and Genocide. On the Origins of the
Armenian Genocide and the Holocaust, Chicago und London: The
University of Chicago Press, 1992.
[13]
Vgl. Kieser, Friede, S. 469 und 506.
[14]
Vgl. Gerlach, Christian,
Kalkulierte Morde, Hamburger Edition,
1999, und ders.,
Krieg, Ernährung, Völkermord.
Forschungen zur deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg,
Hamburger Edition, 1998.
[15]
Aus dem Vorwort von Johannes Lepsius 1919 zur zweiten Auflage seines
erstmals 1916 erschienen, mehrfach aufgelegten Buches
Der
Todesgang des Armenischen Volkes. Bericht über das Schicksal des
Armenischen Volkes in der Türkei während des
Weltkrieges.
[16]
Wolfgang Gust geht auf einige dieser, teilweise schon bei Lepsius
abgedruckter Dokumente in seinem Artikel «'...Ob darüber
Armenier zugrunde gehen oder nicht'», Mittelweg, 8/36, 1999, S.
61-75, ein.
[17]
Einblick in diese Netzwerke gibt der aus LAH-Quellen schöpfende
Aufsatz von Hermann Goltz, «Das Dreieck
Schweiz-Deutschland-Armenien. Beobachtungen und Dokumente aus dem Dr.
Johannes-Lepsius-Archiv and der Marrtin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, in H.-L. Kieser,
Die armenische Frage und die
Schweiz / La question arménienne et la Suisse (1896-1923),
Zürich: Chronos, 1999, S. 159-185.
[18]
Neueste Frucht solcher Anstrengungen: Simsir, Bilal N.,
Documents
Diplomatiques Ottomans. Affaires Armenéniennes, Bd. 4
(1896-1900), Ankara: Türk Tarih Kurumu, 1999. Vgl. zum Ersten
Weltkrieg:
Armenians in Ottoman Documents (1915-1920), Ankara:
The Turkish Republic - Prime Ministry - General Directorate of the
State Archives - Directorate of Ottoman Archives, 1995.
[19]
Zum bisher am weitesten gediehenen Versuch einer vertieften
akadamischen Diskussion über den Völkermord an den
Armeniern zwischen türkischen und armenischen Spezialisten siehe
Armenian Forum, Bd. 1, Nr. 2, 1998. Bezeichnenderweise (und
verständlicherweise, denn es geht um die berufliche Zukunft),
zeichnet sich der Beitrag des Spezialisten aus der Türkei, Selim
Deringil von der Bogaziçi Üniversitesi, durch Kürze
und Schroffheit aus, während Engin Deniz Akarlı von der
Brown University (R. I.) in einem ausführlicheren Beitrag die
Faktizität des Genozids anerkannte. Ein bemerkenswertes
türkisch-armenisches Kolloquium zum Thema hat zudem am 17. Juni
2000 im Senatssaal in Paris stattgefunden. Auf türkischer Seite
nahmen allerdings ausschliesslich einige wenige, für ihren Mut
und für ihre «von der nationalen Norm» abweichenden
Positionen bekannte Intellektuelle teil (Ragip Zarakolu, Oral
Çalislar, Mete Tunçay).
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Nov. 2000