Wikipedia und das Schlaue Buch von Entenhausen

Tick, Trick und Track, die drei Pfadfinder vom Fähnlein Fieselschweif aus Entenhausen, sind im Besitz eines Buches, das alles enthält, was man im Leben wissen muss. Das Buch ist gerade so gross, dass es in die Hosentasche passt, ist leicht verständlich geschrieben, scheint immer auf dem neuesten Stand zu sein und – die perfekte Ordnung des Wissens – man findet das Gesuchte jeweils innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Sie nennen es das Schlaue Buch und es verkörpert den perfekten Wissensapparat schlechthin, denn es verzeichnet auch, was noch nicht bekannt ist; so sind etwa auch die noch nicht erforschten Sprachen im Buch verzeichnet, wie das Bild zeigt.

In der Welt von Entenhausen geht das Schlaue Buch auf einen Zusammenzug der verschwundenen Bibliothek von Alexandria zurück. Der Gründer von Entenhausen, Emil Erpel soll das Buch entdeckt und aufbewahrt haben. Einer seiner Nachfahren gründete die Pfadfindergruppe Fähnlein Fieselschweif «in Gedenken an die Wächter der antiken Bibliothek und jedes Mitglied der Pfadfindergruppe erhielt eine Kopie des Schlauen Buches, welches in der Folgezeit immer wieder aktualisiert wurde.»

So zumindest lässt es sich in Wikipedia unter dem Lemma Das Schlaue Buch nachlesen. Wunderbarerweise sieht sich Wikipedia selbst in der Tradition des Schlauen Buches:

Die wahrhaft enzyklopädische Informationsfülle des schmächtigen Schlauen Buches erscheint magisch und erinnert an den ebenfalls fiktiven Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis des Schriftstellers Douglas Adams oder an eine vorweggenomme universell verfügbare Wikipedia.

Der alte Traum von der Allwissenheit – in Entenhausen scheint er in Erfüllung gegangen zu sein. Mit Wikipedia erlebt dieses Phantasma eine zeitgemässe Neuformierung.

Ein Gedanke zu „Wikipedia und das Schlaue Buch von Entenhausen“

  1. Doch auch in Entenhausen ist es das (eine) Buch, das allwissend ist – nicht die Pfadfinder. Ihr Vorteil ist ja lediglich die Möglichkeit zur Verfügung über diese Wissen. Das Medium als Vermittlung des WIssens, das man selbst nie in seiner Gänze erfassen kann, ist offenbar unabdingbar. Vielleicht ist das Phantasma daher ein anderes: Vielleicht handelt es davon, das man das Wissen wie ein Objekt behandeln kann.

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