Der letzte Pirat

lastamericanpirate

Zwar ist es schon eine Weile her, aber es passt schön zum Eintrag zur Geschichtsklitterung: Mills Kelly hatte angekündigt (und dann auch in die Tat umgesetzt), dass er im Rahmen einer Lehrveranstaltung seine Studierenden auffordern würde, Geschichte zu erfinden. Nun berichtet er vom Resultat: „The Last American Pirate„.

In seinem Kurs „Lying About the Past“ behandelte Kelly zunächst einige Beispiele von historischen Fälschungen und Scherzmeldungen („hoax“), um dann die Klasse einen eigenen hoax entwickeln zu lassen. Der Kurs entschied sich dafür, einen Weblog aufzusetzen, in dem eine fiktive Studierende namens Jane davon berichtet, wie sie ein Thema für ihre Arbeit sucht und sich schliesslich für eine interessante Figur, Edward Owens, dem letzten aktiven Piraten in amerikanischen Gewässern, entscheidet. Gerade diese Berichtsform des Weblogs, worin auch die ganzen Recherchen akribisch dokumentiert werden, lässt die Fälschung als besonders echt erscheinen. Schön die Passage, als Jane beschreibt, wie sie nach etlichen Recherchen sich daran wagt, ihre Ergebnisse in einen neuen Wikipedia-Eintrag einfliessen zu lassen:

I am happy to announce that my wikipedia entry made it through the night and the first major round of editting. Whew!! I almost had a stroke while I was doing it last night, I thought it would never make it through. In fact I probably would have cried if it didn’t make it. But alas! Edward Owens is officially an entry on Wikipedia!! :) 🙂

Alle beteiligten haben sich dann übrigens sehr umfangreich für ihr Täuschungsmanöver entschuldigt. Der Wikipedia-Eintrag zu Edward Owens war zunächst unbehelligt geblieben, dann (nach der Bekanntgabe der Täuschung) stracks zur Löschung vorgeschlagen worden, ist nun aber umgebaut worden zu einem Eintrag über das Projekt von Kelly und seinem Kurs. Sieht man wieder, wie schnell Wikipedia via Meta-Ebene solche Manöver umbiegen kann!!

2 Gedanken zu „Der letzte Pirat“

  1. Bonjour,
    Pour le compte du site français „Le Café pédagogique“, j’ai rédigé un compte-rendu et une analyse du dispositif „Le dernier pirate“ intitulé „Concevoir avec ses élèves un canular historique est-ce faire de l’histoire ?“.
    Au travers de cette expérience et de son analyse, je tente de répondre aux interrogations suivantes: Tous les moyens sont-ils permis pour arriver à ses fins en matière de formation d’élèves ou d’étudiant-e-s à la pensée historique ? Être pédagogue consiste parfois à prendre des chemins de traverse, mais à partir de quel moment ceux-ci ne sont plus éthiquement défendables et ne permettent-ils plus de construire un apprentissage à nature historique ?.
    J’espère que cela sera en mesure de vous intéresser.

  2. Cher Lyonel
    ja, diese Ausführungen sind sogar sehr interessant, ich bedaure, dass Mills Kelly sie nicht ohne weiteres wird zur Kenntnis nehmen können. Für die Leser/innen des Weblogs zunächst einmal der Hinweis auf den Post von Anne-Marie Deitering, die sich ebenfalls sehr ausführlich zu den didaktischen und epistemologischen Konsequenzen des Projekts befasst (und auf deren Überlegungen Lyonel Kaufmann ausführlich eingeht).
    Histoire à continuer…

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