Unheimlich: eyeOS

Das wird mir langsam unheimlich. Ich sitze hier vor dem Schirm meines PC und sehe einen fast waschechten Mac-Bildschirm – und dabei läuft das alles über das Netz!

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Keine zehn Jahre ist es her, da konnte ich lediglich ein paar Grossrechner mit Zeilenkommando fernsteuern. Und fand das schon ziemlich verrückt. Und jetzt das … Ich versuche die einzelnen Schritte zu rekapitulieren: Das erste Aha-Erlebnis im Bereich Web 2.0 war für mich Wikipedia. Ich konnte mich an irgendeinem Rechner der Welt einloggen und den Text sofort ändern. Trivial, aber eindrücklich. Dann kam Writely. Ein System, das es mir möglich machte, im Browser Texte zu schreiben und dabei das Gefühl zu haben, ich würde mit einem lokalen Textverarbeitungsprogramm arbeiten. Dann verschwand Writely wieder, denn es wurde von Google übernommen und überarbeitet. Bei der Neulancierung hiess das Ding «Google Text & Tabellen» und ist unglaublich praktisch. Ich kann irgendwo mich auf die Seite einloggen und habe alle meine Dokumente zur Auswahl. Bei jedem Dokument kann ich angeben, ob ich weitere Personen zum Mitlesen oder zum Mitschreiben einladen möchte. Jede/r sieht nur diejenigen Dokumente, für die er/sie die entsprechenden Berechtigungen hat. Seit einigen Tagen mache ich fast alles nur noch mit diesem Dienst.

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Allerdings mit gemischten Gefühlen. Die Daten sind nicht bei mir, sondern bei Google. Das hat den Vorteil, dass nichts passiert, wenn ich mit meinem Fahrrad stürze und mein Laptop seinen Geist aufgibt. Aber die Idee, dass Google alle meine Texte, Abrechnungen, Liebesbriefe und Lektürenotizen verwaltet, behagt mir nicht. So schränke ich momentan die Nutzung auf wenig sensible Dokumente ein.

Und dann entdeckte ich heute in einem Newsticker eyeOS. Nicht einfach nur ein Textprogramm, sondern ein komplettes Betriebssystem, das sich als Web-Applikation nutzen lässt. Aber das ganz besondere an eyeOS: Die Anwendung lässt sich mit wenigen Klicks auf dem eigenen Server installieren, denn es ist Open Source. Nach ziemlich genau 15 Minuten hatte ich eyeOS auf meinem Server installiert …

Fazit: Bei eyeOS steht nicht das kollaborative Arbeiten an Dokumenten im Vordergrund, sondern die Software bietet die Möglichkeit, ganze Betriebssysteme auf einer Plattform zu simulieren und so den lokalen Rechner langsam aber sicher zu einem Auslaufmodell zu machen. Vor einigen Wochen dachte ich an dieser Stelle darüber nach, wie der Schreibtisch des Historikers, der Historikerin in Zukunft wohl aussehen könnte. In der Zwischenzeit habe ich diese Idee mit einigen Kollegen in Wien weiterdiskutiert und uns wurde klar, dass diese Frage ein gewisses Ausbaupotential zu beinhalten scheint. Vielleicht, so eine Vermutung, wird die Entwicklung in diese Richtung laufen: Hochgradig personalisierte Webportale, die alle Tools bieten werden, die wir heute lokal nutzen, aber viel dichter verknüpft sind mit dauernd aktuell gehaltenen, syndizierten Inhalten aus dem Netz.

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