Web-Archivierung in Österreich

Gefunden im lesenswerten Weblog von Jürg Hagmann zum Thema Records Management: Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) will ab 2008 alle österreichischen Websites archivieren. Zweimal jährlich soll ein Crawler durch das Netz geschickt werden, der die Seiten automatisch speichert. In der Schweiz sind ähnliche Projekte in Vorbereitung.

9 Gedanken zu „Web-Archivierung in Österreich“

  1. hhhm

    darüber mache ich mir schon lange Gedanken

    Da geht jemand streng wissenschaftlich vor und behandelt Sites als etwas statisches. Wird etwa auch dieser Kommentar gespeichert?
    Ist das angemessen? DARF man das? ALLES speichern, einfach so? Nicht rechtlich, sondern ethisch?

    Und was bitte ist eine östrerreichische Site? die at-domains?
    Was ist mit .com .org, was ist mit youtube, flickr?

    Nationalbibliotheken sind im Web nachgerade anachronistisch, oder?

  2. Dass Sites als etwas Statisches behandelt werden, hat wohl weniger damit zu tun, dass etwas wissenschaftlich angegangen wird, sondern das ist die technisch einfachste Lösung. Dass „man“ das darf, ist in denjenigen Gesetzen geregelt, die den Nationalbibliotheken einen Sammelauftrag zuweisen. Zum Glück sind da auch Websites enthalten. Diese Kommentare hier werden von der österreichischen Nationalbibliothek nicht gesammelt, da hist.net nicht in Österreich angesiedelt ist; von der Schweizerischen Nationalbibliothek sollten diese Seiten idealiter gespeichert werden. Und zur letzten Frage oder vielmehr Bemerkung: Nationalbibliotheken sind im Web wichtiger denn je. Wüsste mit dem besten Willen nicht, wieso sie anachronistisch sein sollten.

  3. Hhmm, wie unterscheidet man im Web zwischen NATIONAL und INTERNATIONAL?
    Das meine ich mit anachronistisch. Die Idee einer NATIONAL-Bibliothek halte ich für anachronistisch angesichts des tatsächlich existierenden WORLD WIDE WEB.

    Klingt so nach klein, klein. Schweiz, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein, Deutschland.

    Kommt mir komisch vor, anachronistisch. Auch die Welt der Historiker ist doch größer. als die Welt der Nationalstaaten?

  4. Klein oder gross: Die Frage ist doch, wer sich darum kümmert, Publikationen, Web-Sites oder was auch immer für die Nachwelt (also in erster Linie für die Historiker) aufzubewahren. Von einer zentralen Welt-Sammel-Stelle halte ich nicht viel, das ist ein totalitäres Allmachtsphantasma, das dahinter steckt. Das hatten wir im 20. Jahrhundert zur Genüge. Dass Luxembourg und Liechtenstein vielleicht zu kleine Entitäten sind, um eine Sammelinfrastruktur aufzubauen, mag sein. Aber die Schweiz (oder Österreich) scheint mir keine ungeeignete Dimension, um lokal angepasste Methoden und Mechanismen entwickeln und anwenden zu können. Natürlich bleibt das Problem der „internationalen“ Adressen. Aber man kann ja nach dem Provenienzprinzip-Verfahren und zum Beispiel den Server-Standort als Grundlage nehmen. Dass auf der Oberfläche alles global und umfassend ist, nützt nämlich nichts, wenn niemand zuständig ist für die Bewahrung von dieser Art von Kulturgut.

  5. Google?

    Ich verstehe schon das Problem der Historiker mit diesem Medium umzugehen. Mir scheint nur der „krampfhafte“ Versuch Websites als „Quellen“ zu speichern, als ob es „nicht reversible“ Dinge wären, wie Dokumente aus „undigitalen“ Zeiten, als reichlich grotesk, wenn es sich dabei um National-Dinger handelt, sorry, wenn ich da wem auf die Hühneraugen getreten bin, aber jenseits der Historikerwelt sieht das alles sonderbar aus.

    Was passiert, wenn ich mein Blog lösche? Teile davon? Einfach, weil mir danach ist? Oder so..

    Schwierige Zeiten für Historiker, ich sehe es, aber es ist doch ein www

    kein ch, de, at, lu, dotcom

  6. Nein, schon kein ch, de etc. von der Anwendung her – aber wenn wir (wir, d.h. die Historiker) unseren Job ernst nehmen (naja, eigentlich ist es der Job der Archivare, aber viele von uns sind, wie ich auch, irgendwo auch Archivare), dann müssen wir ja sehen, dass die Nachwelt eine Chance hat, das Leben in den Jahren 1995 ff. zu verstehen. Da wäre es mir schon recht, wenn da auch die digitale Welt eine Rolle spielen würde. Dass jenseits der Historikerwelt das seltsam anmutet, ist mir klar. Aber das Treiben der Hsitoriker (und mehr noch der Archivare) mutete schon immer für die Nicht-Historiker und Nicht-Archivare seltsam an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.