auch egal (?)

Ich bin vielleicht in Bezug auf meine Vorstellungen vom qualitätsvollen journalistischen Handwerk etwas gar altbacken für jemanden, der selber im saloppen Stil einen Weblog mit Info-Häppchen und Geistesblitzchen füttert (wobei ich allerdings betonen muss, dass ich meine Aussagen immer ausreichend zu belegen suche). Ist es nun beckmesserisch und kleinkariert, dass ich mich über den Artikel „Die Entwurzelung des Wissens“ ärgere, der am 16. August d. J. in der FAZ.net erschienen ist (und, wie ich gerade sehe, auch in der Printversion, auf Seite 36)? Von der Vorzeige-Tageszeitung deutscher Sprache hätte ich jedenfalls etwas mehr Genauigkeit erwartet. Namentlich genannt zu werden, ist ja schon mal schön. Dass ich dabei zum Brugger Historiker werde – geschenkt. Immerhin, der Verwaltungssitz der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz ist in Brugg, das stimmt schon. Dass ich aus Basel komme und in Aarau arbeite, wo das Forschungs-Institut angesiedelt ist, finde ich ja auch etwas kompliziert – aber nichts, was nicht mit einer Google-Recherche herausgefunden werden könnte. Wie ich zitiert werde, erstaunt mich dann doch:

Der Brugger Historiker Jan Hodel löst den Zwiespalt der klammheimlichen Verwendung und der öffentlichen Verdammung Wikipedias in eine patente Lösung auf: Wikipedia sei als Einstieg tauglich, nicht aber als zitierfähiger Beleg, zumal sich eine Seite schnell ändern könne. Als zeithistorisches Forschungsinstrument könne es hingegen Verwendung finden, etwa bei der Ermittlung von Trends und Konjunkturen.

Hä? Wann hab ich denn sowas gesagt?? Am Wikipedia-Werkstattgespräch in Basel (im FAZ-Artikel nicht erwähnt) sagte ich im April vielmehr (so zitierte mich die NZZ, die – seltsamer Zufall – unter dem Titel „Gegen die «Entwurzelung des Wissens»“ am 27. April d.J. von dem Workshop berichtete):

Dennoch plädiert Hodel för einen unverkrampften Umgang mit Wikipedia: «Viele Dozenten schimpfen über Wikipedia, dabei benutzen sie das Online- Nachschlagewerk selber.» Was nottut, ist ein kritischer Umgang. Gerade hier spielen die Dozenten eine wichtige Rolle und sollten ihre Erfahrungen im Umgang mit Quellen weitergeben. Hodel erachtet es als sinnvoll, Wikipedia-Artikel kritisch zu lesen und auch selber Artikel zu verfassen, um so – im Sinn einer handlungsorientierten Medienpädagogik – Einsicht in die Produktions- und Konstruktionsprozesse von Wikipedia- Wissen zu erhalten.

Gut, soll vorkommen, man kann sich ja mal irren – oder etwas anders interpretieren. Aber ist es im Zeitalter der digitalten Kommunikation wirklich zuviel erwartet, dass ein Journalist sich kurz per e-Mail erkundigt und vergewissert? Meine Mail-Adresse ist auch von Frankfurt aus im Netz durchaus zu finden.

Aber vielleicht hänge ich da an einer veralteten, beschönigenden Vorstellung von Journalismus. Auch egal.

P.S. Die qualitäts-ungesicherten „Falsch-Schreiber“ bei Wikipedia zitieren korrekt; mich zumindest.

P.S.2: Reiner Zufall, dass die Medien (Zeit, Standard) am gleichen 16. August von „Wiki-Scanner“ berichteten, mit dem Manipulationen in Wikipedia aufgedeckt werden können (- bis jetzt).

Ein Gedanke zu „auch egal (?)“

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