Plagiator erhält Zürcher Journalistenpreis

Plagiatoren treiben nicht nur in der Wissenschaft ihr Unwesen, sondern seit eh und je auch in den Medien. Eine besonders unappetitliche Geschichte macht seit einigen Tagen in der Schweizerischen Medienszene die Runde: Letzte Woche erhielt der aus Basel stammende Jung-Journalist Maurice Thiriet, beim einstmals renommierten Tages-Anzeiger (Zürich) zuständig für «Medien, Drogen, Prostitution, Glücksspiel» den Zürcher Journalistenpreis.

Allerdings hat er die Geschichte, für die er Lob und Auszeichnung erhielt, nicht selber aufgedeckt – wie er es im bepreisten Artikel dargestellt hat – sondern im Blog des Wissenschaftsjournalisten Patrik Tschudin abgeschrieben. Mehr noch: Er stand im Zuge seiner «Recherchen» mit Tschudin in Kontakt und liess sich von diesem mit Zusatzinformationen beliefern. In seinem Elaborat aber unterliess er sämtliche Hinweise auf den Blog-Beitrag, genau so, wie Gutti die Fussnoten auf die Berichte des wissenschaftlichen Dienstes in seiner Dissertation weggelassen hatte.

Soweit so schlecht. Richtig unappetitlich wurde die Geschichte dann, als der Plagiator anfing, den beklauten Tschudin öffentlich zu verhöhnen: In der Broschüre zum Journalistenpreis schrieb Thiriet:

Der Spruch «Gute Geschichten sind wie gute Frauen» muss nicht kommentiert werden, der Hinweis auf Alter und vermeintlichen Zivilstand von Tschudin ist aber weit jenseits der Anstandsgrenze. Mehrere Medienleute fordern nun die Aberkennung des Journalistenpreises von Thiriet, wie Thomas Benkö in einem ausführlichen Blog-Beitrag berichtet.

Man darf gespannt sein, wie sich die Jury unter dem Vorsitz von Fredy Gsteiger, der, wie Patrik Tschudin, auf der Lohnliste des öffentlich-rechtlichen Senders SRF (ehemals Schweizer Radio DRS) steht, aus dieser Affaire ziehen wird.

Quellen: Benkö, Hofrat, Medienwoche, Journalistenpreis-Broschüre.

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