GMW 07: Tag 3 – Informelles Lernen & Geschichtswiki

gmw 07 schluss

Vorbei: GMW 07 adieu!

Der Abschluss der Tagung bringt noch einmal interessante Zugänge zum eLearning. Zum einen die Frage nach der Bedeutung von informellen Lernprozessen (und die Frage, wie stark diese von digitalen Medien unterstützt werden) und zum anderen ein konkretes Beispiel für den Einsatz von Wiki-Technologien in einer geschichtswissenschaftlichen Lehrveranstaltung (nein, nicht von Haber oder Hodel).

Informelles Lernen

Das eLearning-Zentrum der TU Wien stellte unter dem Titel Blackbox Lernprozess die Frage nach den Merkmalen informellen Lernens und der Rolle des informellen Lernens im Kontext institutioneller Bildungsprozesse. Als Orte des informellen Lernens identifizierten die Kollegen die Uni-Bibliothek, das webbasierte Informatik-Forum, GoogleDocs und Skype. Als Merkmale des informellen Lernens bezeichneten sie: Soziale Situationen (was in der Diskussion bezweifelt wurde, da informelle Lernprozesse auch beim individuellen Lernen stattfinden können), die nicht hierarchisch, sondern selbstgesteuert und vertrauensbasiert organisiert sind, durch vielfältige Lernziele (private und wissenschaftliche) geprägt sind und kommunikative Kompetenz voraussetzen und fördern. Wie, so die abschliessende Frage, sollen formale und informelle Lernprozesse miteinander kombiniert oder aufeinander bezogen werden? Doch ist das überhaupt nötig? Sollen informelle Lernprozesse überhaupt in den Fokus von Bildungsinstitutionen geraten – dann werden sie formalisiert…?

Geschichtslernen mit Wikis

Konkret mit Geschichte zu tun hatte der Vortrag von Tillman Lohse (Humboldt-Universität in Berlin). Er berichtete über Kollaboratives Schreiben an wissenschaftlichen Texten. „Neue Medien“ und „Neue Lehre“ im Fach Geschichte. Lohse berichtete von den Erfahrungen unter den Voraussetzungen, mit der die Geschichtswissenschaft als Massenfach mit hohen Studierendenzahlen konfrontiert sind. Hier kommen vor allem die Entlastungspotentiale von eLearning zum Tragen, und in der Tat bedeutete die Nutzung der Lernplattform Moodle vor allem eine Effizienz-Steigerung der Ausbildung, indem die Organisation und administrative Abwicklung der Lehrveranstaltungen verbessert wurde. Aber welcher didaktischer Mehrwert kann mit E-Learning erreicht werden? Lohse berichtet vom Einsatz des Wiki-Moduls in Moodle bei einem Einführungs-Proseminar. Dies bedeutete einerseits eine Abkehr von der Referat-Orientierung und führte zu gemeinsamen schriftlichem Arbeiten in der Kursgruppe. Inhaltlich trugen die Studierenden Informationen zu Gräbern ostfränkischer Herrscher in einem Wiki zusammen. Die gesammelten Informationen bildeten dann die Grundlage für vergleichende Seminararbeiten der Studierenden. Bedauerlicherweise sind die Einträge weder öffentlich zugänglich – und werden überdies (wegen Regeln des Rechenzentrums) nach 6 Monaten gelöscht. Die Erfahrungen sind von Dozierenden- und Studierendenseite positiv, die Anwendung wird also wiederholt. Dabei wird wohl (so steht nach dem kurzen Gespräch mit Tillmann Lohse zu hoffen) auch verstärkt über die Konstruktionsprozesse historischer Darstellungen nachgedacht und auch analytische Querbezüge zu Wikipedia hergestellt, wo sich auch ausserordentlich viele Einträge zu mittelalterlichen Themen finden.

Best Paper Award

Den von der GMW ausgelobten Best Paper Award für den besten Tagungsbeitrag (in schriftlicher Form) erhalten die Kollegen aus Augsburg für den Beitrag zu „Selbstlernkompetenz 2.0“, über den ich schon gestern berichtet habe.

Mit der Keynote von Piet Kommers und einigen Mitteilung zur Veränderung der zu verleihenden Preise (siehe Eintrag zu Medida-Prix) endet die Tagung. Die nächste GMW-Tagung findet vom 16. bis 18. September 2007 in Krems statt.

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