Wer braucht eigentlich noch ein Notebook?

Mit meinem Notebook konnte ich mich nie richtig anfreunden. Seit Jahren schon nenne ich so ein Ding zwar mein eigen, zur Zeit werkelt das dritte Exemplar seinem «end-of-lifecycle» entgegen. Aber es wird vermutlich das letzte Notebook sein, mit dem ich noch arbeite.

Ich habe mir gestern ein iPad bestellt, schwarz, schön und leicht. Schwärzer, schöner und leichter als mein MacBook, mit dem ich mich zur Zeit noch abmühe. Und ich habe mir eine Super-Silent-Desktop-Maschine bestellt. Hässlich, klobig und gross. Aber das macht nichts, er wird unter meinem Schreibtisch stehen, ich werde ihn nur selten sehen und hoffentlich nie hören.

Unterwegs arbeiten war noch nie mein Ding. Notebook auspacken und loslegen? Ja, aber nur um etwas nachzuschauen, kurze Notizen zu machen oder mal im Netz herumzusurfen. Zum Arbeiten aber brauche ich meine Ruhe, brauche einen grossen Bildschirm, eine wirklich gute Maus, eine richtige Volltastatur. Das alles konnte mir ein Notebook eigentlich nie bieten. Unterwegs mit dem Notebook blieb also immer ein Notbehelf.

Ehrlich gesagt vermute ich, dass in meiner Phantasie «Arbeit» mit dem alten Bubentraum des Computer-Kontrollzentrums konnotiert ist. Arbeit, das ist, wenn man viele Knöpfe, viele Lämpchen, viele Anzeigen vor sich hat. Als Kind habe ich mir immer solche Schaltzentren erträumt (und in meiner Lego-Welt oder mit dem Logicus dann auch rudimentär umgesetzt).

Seltsam fand ich auch immer, dass ich jeweils mein ganzes digitales Leben in meiner Tasche mit mir herumtragen muss. Journalistische Beiträge aus den 1990er Jahren, meine Korrespondenz, meine nun auch schon in die Jahre gekommene Dissertation, alle Rechnungen der letzten Jahre. Das war mir trotz der Schwerelosigkeit der digitalen Bits zu viel Ballast. Und der Wolke wollte ich mich nie ganz anvertrauen.

Hinzu kam: Seit ich mit einem Notebook arbeite, versuche ich das arme Gerät zu einem Desktop zu mutieren: Zuerst schenkte ich mir eine Maus, dann eine richtige Tastatur, dann eine hässliche Halterung, um das Ding ergonomisch bedienen zu können. Schliesslich kam dann ein richtiger Bildschirm hinzu.

Damit ist nun in wenigen Tagen hoffentlich Schluss. Arbeiten werde ich an meinem Super-Silent-Desktop-Monster. Der wird schneller als alle Notebooks sein, bessere Graphik bieten und endlich genügend USB-Steckplätze für Drucker, Scanner und alle anderen Gerätschaften haben. Wenn ich einmal ausser Haus (oder dem Schreibtisch fern) Lust haben sollte, etwas zu lesen, werde ich mein iPad hervorziehen und entspannt überall dort, wo ich gerne lese, lesen (naja, ausser in der Badewanne). Und für die schnelle Kommunikation, die Mails, die Tweets und die Feeds – dafür ist das iPhone das ideale Gerät. Vorläufig sogar noch ganz ohne Lesebrille.

Mein MacBook werde ich ihn Ehren halten. Er hat es während mererer Jahre tapfer ertragen müssen, nicht nur zum Desktop-Rechner umfunktioniert worden zu sein, sondern mit mehr oder weniger Murren es auch zugelassen, dass er in geschätzten neunzig Prozent der Zeit dank BootCamp als Windows-Maschine werkeln musste.

R.I.P.

(Bild: Princeton University Archives)

5 Gedanken zu „Wer braucht eigentlich noch ein Notebook?“

  1. schonmal ein thinkpad als laptop gehabt? ich nutze ein thinkpad, um viele der probleme, die sie oben geschildert haben, zu umgehen…

  2. Wenn wirklich kein Bedarf nach richtigem Arbeiten mit dem mobilen Gerät besteht, ist das wohl eine Lösung.

    Für mich besteht dieser Bedarf, deshalb ist meine Lösung: Desktop im Haus, Netbook unterwegs. Zwischen Netbooks (klein, leicht, mit Tastatur) und Smartphones ist mir der Bedarf nach teuren Tablets „um etwas nachzuschauen, kurze Notizen zu machen oder mal im Netz herumzusurfen“ rätselhaft.

  3. @Jean Baptiste: Die ThinkPads sind wirklich attraktiv, lösen aber meine grundsätzlichen Probleme mit einem Laptop nicht.

    @Henning: Ihr Konzept leuchtet sehr ein, ich hatte es auch versucht mit einem kleinen Netbook, aber für die Lektüre langer Texte war das Ding ungeeignet. Wenn ich länger um Beispiel mit der Bahn unterwegs bin, dann lese und korrigiere ich vor allem Arbeiten, lese mich (quer) durch irgendwelche endlosen Reports – da erhoffe ich mir mit dem iPad das ideale Gerät. Und die kleinste Version kostet 499 $, beim aktuellen Frankenkurs ist das schon fast günstig 😉

  4. Ich brauch noch ein Notebook/Laptop. Und zwar zuhause – denn ich habe kein Arbeitszimmer mit festinstalliertem Desktop-Rechner, sondern muss – aus Platzgründen einer vierköpfigen Familie in einer 4-Zimmerwohnung – fliegend meine Arbeitsstation am Esstisch einrichten. Oder, wenn’s mir passt, auf dem Balkon. Oder ich nehm den Rechner, und zeig meiner Frau, die im Bett schon liest, Fotos von möglichen Hotels des geplanten Städtetrips. Notebook gibt mir Flexibilität – da sind mir alle 25 möglichen Peripherie-Anschlüsse und Riesen-46-Zoll-Monster-Bildschirme und ultra-ergonomische Eingabegeräte schnurz. Ich brauch auch den gleichen Rechner im Büro – und schlepp ihn daher brav jeden Tag ins Büro und wieder nach Hause -immer in der Hoffnung, unterwegs noch ein paar Mails zu schreiben oder den genialen Einfall im dringend abzuliefernden Text zu haben.
    Klar, ich frage mich zusehends: warum schlepp ich alle Projekte der letzen 15 Jahre mit mir herum? Und warum muss ich die Steuererklärung von 2007 auf der Arbeit dabeihaben? Ist das überhaupt gut, private und geschäftliche Daten auf dem gleichen Rechner (auch wenn auf unterschiedlichen Accounts) zu haben? Und meistens arbeite ich gar nicht unterwegs. Wären nicht zwei Rechner sinnvoller?
    Bei der zunehmenden Vielfalt von digitalen Arbeitsgeräten geht es ja weniger darum, welches Gerät allgemein „das Richtige“ für diese oder jene Arbeitssituation ist. Die Vielfalt bietet Raum für individuelle Lösungen, bei der eben jeder und jede für sich herausfinden muss, wie er seinen/ihren persönlichen „Workflow“ am besten organisiert.
    Ob iPad, Thinkpad, Netbook, Laptop oder Desktop: Jedes Gerät bietet Vor- und Nachteile, und jeder und jede von uns wägt nach individuellen Kriterien ab, welche Vorteile unverzichtbar und welche Nachteile noch zu ertragen sind. Das Argument „Dafür braucht man doch keinen , das kann man doch genau so gut/besser mit einem machen“, sticht je länger, je weniger.

  5. Ich finde es ja kulturgeschichtlich ganz interessant, wie hier Arbeit definiert wird. Ich komme vom Dorf, wo Lesen ganz bestimmt nichts mit Arbeiten zu tun hatte. So ähnlich ist das auch hier. Mein iPad nutze ich gerade sehr stark zum Lesen, weil mir die anderen eBook-Reader zu langsam und einseitig sind. Lesen von eBooks und pdfs am Notebook oder Rechner ist nicht meine Sache. Ein Tablet ist da eine gute Lösung. Übrigens versuchen eine Reihe von Apps beim iPad (und inzwischen auch bei Mac OS und teilweise auch Windows-Programme wie WriteMonkey) die Konzentration auf das Schreiben auf das Wesentliche zu reduzieren, also weg von den großen Monitoren, die mit allerlei Zusatzinformationen auch immer wieder ablenken. Allerdings sitze ich trotz iPad dennoch mehr am Notebook. Damit stimme ich Jan Hodel zu: Dank der Vielfalt der Geräte kann sich jeder das aussuchen, was seinem Arbeitsstil am besten entspricht.

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