OpenSocial: wie offen ist SocialSoftware?

Das Google seit neustem im Bereich der Mobiltelefonie mitmischt (bzw. nach Meinung verschiedener Medien das Mobiltelefon neu erfindet), sei hier nur der Anlass, auf eine andere interessante Neuerung im Google-Universum hinzuweisen. Seit letzter Woche bietet Google mit OpenSocial eine Möglichkeit für Betreiber von Social Software-Anwendungen, die Daten Ihrer Nutzer/innen einfach von einem Dienst zu anderen zu transferieren. ((Konkurrent Facebook bietet eine ähnliche Programmierschnittstelle allerdings schon seit geraumer Zeit an. Dort gibt es einige tausend (!) Anwendungen, die sich an die offene Schnittstelle von Facebook anklinken. Dies war vermutlich auch ein Grund für Google, sich hier zu engagieren. Dafür hat sich mit Myspace ein weiterer grosser Anbieter einer Community-Plattform)) Dies kommt einem Paradigmenwechsel im Social-Software-Universum gleich, waren bzw. sind doch Dienste wie Flickr, YouTube, MySpace und dergleichen eher darauf ausgelegt, dass die Nutzer/innen auf immer und ewig an den eigenen Dienst gebunden werden – auch wenn die Nutzungsbedingungen sich verschlechtern oder verteuern (oder beides).

Die Nutzer/innen sind dann „locked in“ statt LinkedIn. Telepolis hat schon vor einigen Monaten auf diesen gewichtigen Nachteil bei den Geschäftsmodellen kommerzieller Community-Plattformen hingewiesen (dank für den Hinweis an Kollega Haber). Denn die echte Hürde zum Wechsel von einer Community-Plattform zur anderen sind weniger die fehlenden Alternativen, oder die Probleme, sich an x-verschiedenen Web-Diensten anmelden (und User-ID und Passwort verwalten) zu müssen. Bei letzterem kann der Dienst von Google womöglich Hilfestellung bieten (falls die Dienstanbieter mitspielen). Selbst der Transport von Inhalten lässt sich (XML und andere Daten-Austauschformate sei dank) immer einfacher bewerkstelligen. Doch was nicht „mitgenommen“ werden kann, ist das Soziale Netzwerk, das man sich in der jeweiligen Community aufgebaut hat. Diese Interoperabilität bietet der Google-Dienst dann doch nicht, dass ich in der neu eingerichteten Community alle meine digitalen Freundschaften aus früheren Tagen nutzen kann.

Immerhin ist der Google-Dienst «OpenSocial» eine interessantes Beispiel dafür, dass ökonomische Interessen auch zu Offenheit von Systemen führen können (Dank für die Anregung an Lambert Heller von netbib). Google profitiert von der Interoperabilität von Community-Plattformen, weil die Zahl der Benutzer/innen (und potentiellen Werbe-Anzeigen-Konsument/innen) steigt. Gleiches oder zumindest ähnliches gilt auch für den Markt der Mobiltelefonie, wo Google auch kostenlos ein ausgefeiltes Betriebssystem anbietet, mit der Absicht, dort mit Zusatzdiensten Geld zu verdienen. Womit der Kreis (zumindest zum Anfang des Artikels) geschlossen wäre.

2 Gedanken zu „OpenSocial: wie offen ist SocialSoftware?“

  1. Lieber Herr Hodel, danke für die freundliche Erwähnung – aber es ist netbib (das 2001 von Edlef Stabenau gegründete Weblog), und nicht inetbib (die 1995 von Michael Schaarwächter gegründete Mailingliste).

  2. Kleiner Buchstabe, grosse Wirkung. Danke für die Richtigstellung – ich weiss natürlich, dass inetbib nicht identisch ist mit netbib; in der Eile ging dieser Tippfehler der internen Qualitätskontrolle „durch die Lappen“. My humble apologies… Für alle Späterleser: der Fehler ist mittlerweile korrigiert. Nicht dass Sie denken, was Kollege Lambert denn bloss auszusetzen habe…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.