Zitieren von und in Weblogs

blogzitat1.pngIn der Wissenswerkstatt (welch passender Name für einen Wissenschaftsblog), die von Marc Scheloske geführt wird, ((Scheloske steht auch hinter dem Wissenschafts-Café, das wir hier kürzlich erwähnt haben)) habe ich zwei Beiträge gefunden, die sich aus unterschiedlicher Warte mit der wissenschaftlich elementaren Arbeitstechnik des Zitierens befassen: Wann darf man im wissenschaftlichen Kontext aus Weblogs zitieren, und wie? Und welche Regeln gelten für Zitate in Weblogs? Das Thema haben wir hier auch schon (wenngleich weniger grundsätzlich) behandelt, aber man verweist ja eben gerne auf die Arbeit anderer, um seine eigene Position zu untermauern (das ist ja Sinn und Zweck des Zitats). Zunächst thematisiert Scheloske die Frage, ob Weblogs überhaupt zitierfähig seien, und bringt die Antwort mit der folgenden einfachen Regel auf den Punkt:

Grundsätzlich gilt: wenn zu einer bestimmten Frage gedruckte und „seriöse“ Publikationen vorliegen, so sind diese den Onlinetexten immer vorzuziehen. Wenn aber bspw. aktuelle Themen berührt sind, zu denen es noch keine oder nur unzureichende (Fach-)Publikationen gibt, dann ist sowohl die Wikipedia, als auch die Blogosphäre ein legitimer Referenzpunkt.      

Hier stimme ich Scheloske vollumfänglich zu, wobei noch zu klären wäre, was er mit „seriös“ denn konkret meint. Sodann liefert er einen nützliche und durchdachten, vielleicht etwas zu umfangreichen Vorschlag für die korrekte Zitation von Inhalten aus Weblogs. Freundlicherweise bietet er automatisiert einen Vorschlag zum Zitierformat seiner Beiträge; ((Scheloske, Marc (2007): Eine Wissenschaft für sich » Wie man Blogs wissenschaftlich korrekt zitiert | Werkstattnotiz XLII. In: Wissenswerkstatt [Weblog], 4 Dez. 2007. Online-Publikation: http://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/04/eine-wissenschaft-fuer-sich-wie-man-blogs-wissenschaftlich-korrekt-zitiert-werkstattnotiz-xlii/. Abrufdatum: 07.12.2007)) das ist nun wirklich kundenfreundlich.

Interessant auch die umgekehrte Frage: wie wird in Weblogs wissenschaftlich korrekt zitiert? Scheloske berichtet von einem skurrilen Fall, bei dem einer Bloggerin mit juristischen Folgen gedroht wurde, weil sie aus einer Fachzeitschrift zitiert hatte. Auch in diesem Fall hat Scheloske eine Faustregel parat: ((Scheloske, Marc (2007): Zweierlei Maß » Welche Regeln gelten für Zitate in wissenschaftlichen Blogs? | Werkstattnotiz XXXVII. In: Wissenswerkstatt [Weblog], 21 Nov. 2007. Online-Publikation: http://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/21/zweierlei-mass-welche-regeln-gelten-fuer-zitate-in-wissenschaftlichen-blogs-werkstattnotiz-xxxvii. Abrufdatum: 08.12.2007))

[…] erstens sind die Quellen jeweils peinlich genau anzugeben, zweitens […] innerhalb eines Blogbeitrags (egal ob wissenschaftlich oder nicht) dürfen fremde Passagen nicht mehr als 50% des Gesamtumfangs ausmachen. ((Wer jetzt findet, das Zitat wirke etwas holprig: ja, denn es ist ziemlich eigenwillig gekürzt, um die 50%-Regel nicht zu verletzen. Zitatkürzungen/-auslassungen und vor allem Verlinkungen wären übrigens auch ein Kriterium für die wissenschaftlich gültige Verwendung von Zitaten in Weblogs.))      

Ich finde ja 50% reichlich viel, aber manchmal juckt es einen eben schon, den Originalton bereitzuhalten – und den Leser/innen den Klick zu ersparen.Ob die Hinweise von Scheloske, so sie denn von allen Bloggern mit wissenschaftlichem Anspruch befolgt werden, dazu beitragen, das Weblog-Einträge als Teil des wissenschaftlichen Diskurses akzeptiert werden, muss sich noch weisen. Was mich aber mehr beschäftigt: Will ich denn mit meinen Weblog-Einträgen immer die Kriterien eines wissenschaftlichen Beitrags erfüllen? Immer eine Fussnote mit korrektem Zitat setzen? Gerade das formlose Schreiben und schnelle Verlinken ist doch das, was am Weblog-Schreiben so Spass macht.

2 Gedanken zu „Zitieren von und in Weblogs“

  1. Das Problem, wie zitierfähig ein Text aus einem Weblog ist, berührt ja unter anderem auch folgende Fragen:

    – wie benutzt der Historiker das Blog überhaupt: als vertieftes Arbeitsinstrument oder nebenher als Notizbuch? Besteht da nicht innerhalb des Mediums Weblog (bzw. Internet, das ja insgesamt noch nicht wirklich akzeptiert wird) ein ähnlicher Unterschied wie z.B. innerhalb des Mediums Zeitschrift zwischen Kolumne/Feuilleton und Fachartikel?
    – Öffentlichkeitsrahmen als Autorisierungsrahmen: gab es eine Redaktion? Das Weblog insbesondere bietet den Rahmen für einiges Subjektivität, an Spielraum, mit „ungesicherten Genres“ zu spielen. Diese Subjektivität, diesen Spielraum würde ich dann implizit mitzitieren. Ist sie erwünscht?
    – Zu welchem Zweck zitiere ich aus einem Weblog: um eine These mit Material zu untermauern, oder um eine Einschätzung bzw. Position wiederzugeben? Als Diskursmedium bzw. als Anstoß für eine Diskussion auch im Papierbereich eignet sich das Weblog hervorragend.

    Außerdem berührt diese Frage auch die Veränderungen des Schriftlichkeits-/Öffentlichkeitsbegriffs insgesamt: wird das Internet, die digitale Veröffentlichung darin nicht noch immer als eher fragwürdig eingeschätzt gegenüber Publikationen auf Papier (siehe oben)?

    (Die Crux liegt wahrscheinlich darin, dass für die Veröffentlichung im Internet kaum Aufwand nötig ist, zur Not täte es ein Gratis-Massenhoster, während es eine Zeitschriftenveröffentlichung mit einem großen, ökonomisch-materiellen Apparat aufzunehmen hat, weswegen letztere von vorne herein als „objektiver“ gilt.

    Letztlich bleibt für mich immer, auch beim Lesen von Wikipedia-Artikeln, die vielleicht von gestandenen Historikern verfasst wurden, das Gelesene sowieso zu hinterfragen, durch welchen Publikationsrahmen auch immer ein Artikel gestützt wird. Von daher relativieren sich solche Prinzipien („50%-Regel“ u.ä.) auch schnell wieder.

  2. Ein weiteres Problem ist immer: wird dann das zitierte Blog überhaupt noch da sein? Da hilft WebCite, die Seiten speichert, so dass man immer auf das Orginal zurückschauen kann. WebCite bietet auch ein Bookmarklet, so dass das Speichern und zitieren ziemlich einfach ist. Bisher habe ich den Service nicht für einen Aufsatz benützt, aber er war doch nützlich für einen Plagiatsfall. Hier der Link: http://www.webcitation.org/

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