Microspace, Yahoogle, Microhoo und schliesslich Yahooniversigoogle?

Die unsägliche, sich täglich ins Absurde steigernde Debatte um die diversen Übernahmeversuche und Kooperationspläne zwischen den IT- und Internet-Giganten haben wir hier bislang tapfer ignoriert. ((Was kommt wohl als nächstes? Googlezon wurde schon vor Jahren in EPIC 2014 vorgeschlagen, Yahoobay wurde auch schon genannt. Interessante Neu-Kombinationen nehmen wir gerne in den Kommentaren entgegen)) Mit gutem Grund, wie ich denke, schliesslich sind wir kein Business-Blog, sondern wir interessieren uns für die Zusammenhänge zwischen Geschichtswissenschaften und digitalen Medien. Und doch wäre es naiv zu glauben, dass die, wie sagt man, Strukturbereinigungsprozesse (?) oder Oligopolisierung (?) ohne Auswirkungen auf unsere wissenschaftliche Arbeit wäre – und dies nicht nur, weil auch (oder gerade) die persönlichen Daten von uns Wissenschafter/innen sehr interessant für die ökonomische Auswertung sind. Droht eine Yahooniversigoogleisierung??

Denn in den letzten Wochen habe ich mit einigem Interesse gelesen, wie unser Babelblogger Mills T. Kelly sich ausführlich Gedanken dazu gemacht hat, wie das (bereits stark ökonomisierte) US-Hochschulsystem durch die Internet-Business-Logik verändert werden könnte. Einer der Kerngedanken: Studienanfänger/innen erhalten die ersten 40 Credits umsonst, bzw. für eine geringe Einschreibegebühr („Freemium“). Damit sollen sie sich an der Hochschule während des Grundstudiums nach freiem Gusto orientieren und in verschiedenen Fächern rumschnuppern können. Erinnert mich irgendwie an die alte Vor-BA/MA-Studienordnung an unseren Universitäten…

Aber zurück zu Google, Yahoo, Microsoft und Co. Die schleichende „Google/Microsoft/Yahoo-isierung“ der Hochschulen und damit auch der Wissenschaften hat bislang noch wenig zu Diskussionen Anlass gegeben. ((in meiner Wahrnehmung, die ich gerne durch informierte Hinweise verändern lasse)) Offenbar sind alle Aktiven der Meinung, dass sich die wissenschaftlichen Institutionen gegenüber den (widersprüchlichen) wirtschaftlichen Interessen der Informations-/Informatik-Branche problemlos werden behaupten können: Zeitschriftenkrise, OpenAccess-Debatte, Subito-Lieferbedingungen, Google-Books-Projekte zum Trotz. Ich hoffe ja, dass sie Recht behalten und mein Enkel sich nicht an die Yahooniversigoogle einschreiben werden.

2 Gedanken zu „Microspace, Yahoogle, Microhoo und schliesslich Yahooniversigoogle?“

  1. Unsicher, ob ich den Kerngedanken von Kollege Hodel richtig verstanden habe, möchte ich den einen oder anderen Punkt aufgreifen:

    Ich glaube wirklich nicht, dass sich Google, Yahoo oder sonst irgend jemand in dieser Liga für unsere wissenschaftlichen Daten interessiert. Weder mit Transkriptionen von mittelalterlichen Urkunden noch mit frühneuzeitlichen Ego-Dokumenten wird Google das grosse Geld machen. Viel eher geht es hier um die persönlichen Daten von Usern, egal ob Historiker, Lagerist oder Banker.

    Zum anderen: Zwischen der Strukturbereinigung im Internet und neuen Kreditpunktmodellen sehe ich den Zusammenhang noch nicht ganz. Geht es um eine Ökonomisierung allgemein? Oder darum, dass alles im Fluss ist? Wäre um entsprechende Präzisierung froh.

    Und schliesslich: Das Agieren von Google und Co. betrifft uns ja auf einer ganz anderen, viel existenteren Ebene. Was passiert, wenn grosse, auch wissenschaftlich relevante Digitalisierungsprojekte vorwiegend von Google finanziert werden? Wem gehören die Daten, den öffentlichen Bibliotheken, die die Bücher gekauft haben? Oder Google? Was passiert, wenn Google Science tatsächlich bessere Ergebnisse liefert, als die für teueres Geld lizenzierte Fachdatenbank? Wird sich Google dann ein neues Geschäftsmodell ausdenken und diese Informationen nur noch gegen Geld verkaufen? Oder wird irgendwann nur noch in Google Science aufgenommen, was sich mit Werbeeinblendungen finanzieren lässt (also kaum die mittelalterlichen Transkriptionen und die frühneuzeitlichen Ego-Dokumente …).

    Darüber sollten wir hier diskutieren!

  2. Ja, darüber sollten wir (hier und anderswo) diskutieren. Zugegeben, ich habe etwas sehr assoziativ getextet; so gesehen ist ein Aufdröseln in die verschiedenen Argumentationsstränge nur sinnvoll.

    Zum einen: Nö. Dass sich Google und Co. für die Ego-Dokumente aus der Frühneuzeit interessieren, halte ich auch für unwahrscheinlich, weil nicht lukrativ. Das habe ich ja auch nicht behauptet. Meine Ängste gehen wirklich stärker in die von Dir aufgegriffenen grundsätzlichen Verschiebungen bei der Bereitstellung von Informationen.

    Zum Kreditpunktemodell: das war eine Assoziation im Zusammenhang damit, dass in einem konkreten Fall die Business-Modelle, bzw. Theorien der Internet-Wirtschaft bereits auf universitäre Zusammenhänge angewendet werden:

    «Chris Anderson of Wired offers a “taxonomy of free” that higher education needs to take very seriously. Among the examples he cites are: “freemium” where users of the basic version of a website or service get it free, but for a fee they get access to premium services; the advertising model where websites carry advertising, whether banners or Google search links; cross-subsidies, where the free stuff entices you to buy more expensive stuff; the zero marginal cost model, where inexpensively stored and delivered items (think music files) are given away as a vehicle for marketing other goods and services (like concerts in the case of music) […]» (Umsetzung des Modells auf die Hochschule bei edwired; hier)

    Das kann man auch als Gedankenspielerei abtun, da ja schliesslich das Business-Modell mit Studierenden als „Kunden“ und Lehrveranstaltungen als „Produkte“ mit Führungsmodellen im den universitären Institutionen auch gescheitert seien. Nun, aber diese wirtschafts-basierten Modelle von Hochschulen haben ziemlich viel an den Universitäten angerichtet. Deshalb denke ich, dass mich das schon ein wenig hellhörig machen darf, wenn plötzlich Business-Ideen aus dem Internet-Bereich auf Hochschulen „umgemünzt“ werden – so abseitig und weit entfernt uns das im Moment auch erscheinen mag.

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