Archiv der Kategorie: Allgemein

Vom Zauber analoger Arbeitstechniken

Ich sitze im Garten und arbeite am Buch zu den Digitalen Arbeitstechniken. Mein MacBook liegt zwar griffbereit auf dem Tisch vor mir, aber ich lese ein Buch. Plötzlich schimmert die Seite farbig. Das gebrochene Licht fächert sich unter der Laube als bunter Regenbogen auf der Buchseite auf. Wenige Augenblicke später ist der Zauber vorbei, die Seite wieder weiss. Welch ein Glück, hatte ich mich heute für die analogen Arbeitstechniken entschieden [x-posted].

Tagungen online?

Die Kollegen vom Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg SFB/FK 615 «Medienumbrüche» in Siegen haben die Streams der Jahrestagung zum Thema «Leitmedien» ins Netz gestellt. Merci!

Wohl die meisten von uns schauen sich gerne an, wie sie in einem solchen Filmchen wirken. Man entdeckt Macken und ärgert sich über blöde Formulierungen, nimmt sich vor, das nächste Mal vielleicht zum Coiffeur zu gehen etc. Alles neue Erfahrungen (zumindest für die meisten).

Aber: Diese Transparenz bedeutet auch, dass man nicht mehr so einfach einen alten Vortrag nochmals halten kann (was ja in Ordnung ist). Und bedeutet auch, dass man vor allem in den anschliessenden Diskussionen ein wenig vorsichtig wird. Und genau das nicht macht, was man doch an Tagungen, zumal im kleinen Kreis, so gut machen kann: neue Thesen ausprobieren, ein wenig laut denken, einen Gedanken ad hoc entwickeln. Funktioniert das auch, wenn die Kamera mitläuft? Und die Filmchen unkontrollierte Wege gehen und man plötzlich mit Ideen konfrontiert wird, die man so öffentlich gar nicht äussern wollte?

Schwer zu sagen. Vermutlich haben wir noch zu wenig Erfahrung in diesem Bereich.

Siehe auch: Bassler, Harald: Diskussionen nach Vorträgen bei wissenschaftlichen Tagungen, in: Auer, Peter / Bassler, Harald (Hrsg.): Reden und Schreiben in der Wissenschaft, Frankfurt am Main 2007, S. 133-154.

Suchdienst ITS wird zugänglich

Wie die NZZ meldet, ist der International Tracing Service (ITS), das weltweit grösste Archiv mit Dokumenten über die Opfer des Nationalsozialismus in Bad Arolsen, neu auch der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich. Der ITS verfügt über 50 Millionen Hinweise mit Informationen über 17,5 Millionen Personen. Die Dokumente des Archivs sind in verschiedene Bestände organisiert. Noch sind nicht alle Bestände digitalisiert oder gar übers Netz zugänglich, aber immerhin stehen bereits einige Hilfsmittel und Suchformulare im Netz bereit.

Workshop «Kultur und Digitalisierung» I in Romainmôtier


Während Kollega Hodel demnächst in Eichstätt historische Kompetenzen diagnostizieren und fördern wird, bereitet sich unsereins in Romainmôtier zum Thema „Archiv – Speicher – Bibliothek. Digitalisierung als Alltagsphänomen und Herausforderung für die Kulturwissenschaften“ vor.

Hier geht es übrigens zur Bildergalerie.

Da Kollege Seydel von rebell.tv fortlaufend aus Romainmôtier berichtet, werden wir uns erst nach dem Workshop wieder mit einem Fazit melden. Wer Herrn S. sein eigenes Projekt erklärend sehen will, möge sich doch dieses Schnippselchen zu Gemüte führen:

Workshop «Kultur und Digitalisierung» I in Romainmôtier



Von heute bis Samstag treffen sich in Romainmôtier in der Nähe von Yverdon-les-Bains eine Handvoll Fachleute und Kunstschaffende, um über Kultur und Digitalisierung zu diskutieren. Eingeladen hat das Migros Kulturprozent, verantwortlich zeichnet eine Projektgruppe bestehend aus Dominik Landwehr, Veronika Sellier, Claudia Rosiny, Giaco Schiesser und mir.

Den Einstieg im ersten Teil machte Felix Stalder, Dozent an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, der über soziologische Perspektiven der Informationsgesellschaft referiert. Ihm folgte Stefan Münker, Medienwissenschafter, Redaktor und neu Privatdozent an der Universität Basel, mit einem wunderbaren, auch historisch fundierten Vortrag zum Phänomen Web 2.0.

Wir werden immer wieder über diesen Workshop berichten, verweisen aber gerne auf rebell.tv, wo in einem ganz anderen Tempo aus Romainmôtier berichtet wird!

Nachtrag: Hier schon die ersten visuellen Eindrücke vom Workshop auf flickr.

Webarchiv Schweiz wird konkret

Die Schweizerische Nationalbibliothek hat gestern die Skizzen zum Projekt «Webarchiv Schweiz» veröffentlicht. Das Webarchiv ist Teil eines umfassenden mehrjährigen Programmes mit dem Namen e-Helvetica, das bereits 2001 gestartet wurde.

Das Webarchiv Schweiz stellt eine «gemeinsame Sammlung von landeskundlich relevanten Websites der Schweizer Kantonsbibliotheken und der Schweizerischen Nationalbibliothek» dar. Der Ansatz scheint vielversprechend, aber es gilt, die ersten konkreten Ergebnisse abzuwarten.

Ein kleiner Schritt für die Wissenschaft, ein paar grosse Schritte für die Schweiz!

Mit den landesüblichen Verzögerungen beginnt nun der Open Access-Gedanke auch in der Schweiz Fuss zu fassen. So hat die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, die schon seit längerer Zeit das Thema substanziell und seriös thematisiert, vor einigen Tagen ihre Empfehlungen zum Thema publiziert. Sehr hilfreich: die wichtigsten Punkte für Autor/innen und Herausgeber/innen auf einen Blick.

Umfassend informiert auch der Schweizerische Nationalfonds (SNF) über das Thema Open Access.

Die Universität Basel hat das Thema heute ebenfalls aufgegriffen; zum einen, weil die Universitätsbibliothek zur Zeit ein entsprechendes Projekt am Laufen hat, zum anderen, weil das LearnTechNet der Universität am 14. Mai (unter anderem) zu diesem Thema eine öffentliche Veranstaltung plant.

Digitale Arbeitstechniken

Viele Beiträge in diesem Weblog kreisen um die Frage, wie sich die Arbeitsweise einer Historikerin, eines Historikers durch die Digitalisierung in den letzten Jahren verändert hat. Welche Arbeitsschritte sind unverändert geblieben, welche sind dazu gekommen? Was ist obsolet geworden?

Einige Aspekte sind in den letzten Jahren intensiv diskutiert worden, zum Beispiel die neuen Suchmöglichkeiten. Das «Google-Syndrom», wie ich es vor Jahren einmal genannt habe, bezeichnet diese Veränderung beim Suchen nach wissenschaftlichen Informationen: Dank Google findet man eigentlich zu jedem Thema irgendetwas und bei jeder Suche bleibt gleichzeitig das schale Gefühl übrig, dass man wohl noch mehr hätte finden können.
Weiterlesen

Sztálin emlékei digitális archivumban

A magyarnyelvü Múlt-kor portál jelenti, hogy az amerikai Yale egyetemen egy kulturális alapitvány 1,3 millió dolláros támogatásával Sztálin személyes irattárát digitális formában elérhet?vé teszik. Kb. 40 ezer dokumentumról van szó! (Das ungarischsprachige Portal «Múlt-kor» meldet, dass an der Universität Yale mit Hilfe privaten Stiftungsgeldern in der Höhe von 1,3 Millionen Dollar der persönliche Nachlass von Stalin im Umfang von 40’000 Dokumenten digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden soll).

Siehe auch hier.

infoclio.ch vor dem Start

Nachdem der Projektleiter des Geschichtsportals infoclio.ch feststeht – der Zürcher Historiker Philipp Ischer – sucht infoclio.ch bereits einen weiteren Mitarbeiter; den guthelvetischen Quotenregelungen entsprechend erscheint diese zweite Stellenausschreibung nur in französischer Sprache.

Wir wünschen dem Projekt gutes Gelingen und freuen uns natürlich über die Verstärkung in der schweizerischen digitalen Geschichtslandschaft.

Genug 2.0

Mit Web 2.0 hat alles angefangen. Es folgten Geschichte 2.0, Library 2.0, Habermas 2.0, Wittgenstein 2.0. Alles wurde plötzlich 2.0

Wir verkünden nun hiermit feierlich die Lancierung von „Genug 2.0„.

Es ist wie mit allen neuen Begriffen: Sobald sie im Mainstream des öffentlichen Diskurses (ja, natürlich, Habermas 2.0) angekommen sind, werden sie schal. Inhaltsleer und beliebig. Das wollen wir nicht, denn wir finden das Web 2.0 interessant und eine Herausforderung für die Wissenschaft. Mit Web 2.0 stellen sich ganz grundlegende Fragen der Wissenschaft neu oder erneut, es geht um Kommunikation und Partizipation, um Transparenz und Authentizität. Kurzum: Es geht um Macht.

Bevor nun jemand unter dem Motto „Macht 2.0“ diese Debatte lanciert, plädieren wir dafür, das labelhafte Reden vom „2.0“ zu hinterfragen – gerade weil es so wichtig ist. Es ist nämlich nicht so, dass wie bei einem neuen Software Release von einem Tag auf den anderen alles (oder vieles) anders wird. Es ist nicht so, dass das Web 1.0 (das niemand so genannt hat) keine Elemente von Web 2.0 enthalten hätte. Und auch das Web 0.9, die Beta-Version des World Wide Web gleichsam, die hochspannende Mischung aus Mail, FTP, Gopher und Archie also, keine Elemente des „Mitmach-Web“ enthalten hätte. Und vor allem ist es gar nicht so, dass bei der Entwicklung des Web 1.0 die tragenden Elemente des Web 2.0 nicht mitgedacht worden wären. Im Gegenteil. Wer heute die Texte von Tim Berners-Lee liest, in denen er beschreibt, wie das Web entstand, dem wird schnell klar, dass Web 1.0 nichts anderes als eine transitorische Lösung war, ein Zwischengeplänkel zwischen der Gutenberg Galaxis und Cybersciene.

Aber eben: Genau diese plakativen Zuschreibungen wollen wir vermeiden. Wir wollen nicht ein neues mediengeschichtliches Phasenmodell entwickeln, das uns die Übergänge vom Buchdruck zum Web 1.0 erklärt und womöglich noch auf einer Timeline linear und stringent visualisiert.

Wir wollen die Bruchstellen suchen und über die Sprünge nachdenken. Wir wollen statt immer nur über die Geschichte der Medien nachzudenken, lieber über die Medien der Geschichte nachdenken. Und wir wollen über die Geschichte der Medien der Geschichte nachdenken.

Und dann passen die Schablonen aus der Werbesprache, die schliesslich auch Web 2.0 geboren hat, einfach nicht mehr.

SourceForge.net: Software Map


Sourceforge ist so etwas wie die zentrale Drehscheibe für Open Source-Projekte, für Software also, bei denen der Code offen ist und die von allen Interessierten weiterentwickelt werden kann. Die über 260’000 (!) Projekte, die hier verzeichnet sind, können in einem systematischen Suchbaum lokalisiert werden. Unter dem Begriff „Sociology“ (573 Treffer) findet sich auch die Unterkategorie „History“ mit 96 Treffern (wir kommentieren jetzt diese Einteilung nicht, sondern schlucken leer …).

Die meisten der hier vorgestellten Projekte beziehen sich auf den Themenbereich Genealogie, es gibt aber auch Timeline-Programme und Programme für eine tibetanische digitale Bibliothek und andere Massenprodukte (wobei: wenn da so weitergeht mit dem Olympischen Vor-Feuer, sind wir bald schon alle Tibetaner).

Kurzum: Ein Blick in diese Liste lohnt sich allemal, vielleicht auch nur, um zu sehen, was mit dem Thema „Geschichte und EDV“ heute so alles assoziiert wird.