Archiv der Kategorie: Netzwelten

HOK Lesen/Schreiben: OpenAccess (Übersicht)

Wer sich zu OpenAccess informieren will, ist beim Weblog Archivalia bestens bedient, gleich mehrere Einträge der letzten Zeit fassen wesentliche Informationen zusammen und verweisen auf wichtige weitergehende Quellen:

Auch sonst ist die Rubrik „OpenAccess“ dieses Weblogs als Informationsquelle zu empfehlen, zusammen mit dem Blog von OpenAccess-Spezialist Peter Suber. Siehe auch die in diesem Eintrag besprochenen Artikel zu OpenAccess in Telepolis.

Übersicht HOK Lesen/Schreiben, HOK Lesen: Quellen

HOK Reden: Über die Zeit III (Unterbrechungen)

Dank Beats Blog bin ich auf den Artikel von Jürgen von Rutenberg in der Zeit gestossen, der auf das Phänomen hinweist, dass wir von SMS, E-mail und Anrufen ständig unterbrochen werden – und einige von uns mittlerweile sogar schon süchtig nach den Unterbrechungen sind. Das ist dann der Fluch der Unterbrechung – kein Wunder, hat man keine Zeit…
Und wenn Rutenberg zum Schluss kommt:

Zerstreute Leute hat es schon immer gegeben, aber noch nie betrieben so starke Mächte die Erziehung der Menschheit zum Kurzdenken. Das zersplitterte Bewusstsein der Unterbrochenen ist inzwischen die herrschende Geisteshaltung unserer Zivilisation

– dann frage ich mich schon, ob es da nicht Zusammenhänge mit dem Copy/Paste-Syndrom gibt.

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HOK Lesen/Schreiben: Plagiate – oder: vom Abschreiben zum Fotokopieren zum Copy/Paste

Der bekannte Wikipedia-Kritiker Daniel Brandt (von wikipedia.watch) kommt in einer selbst durchgeführten Studie zum Schluss, dass mindestens 1% der Artikel in der englischen Wikipedia Plagiate enthalten (via Wikimetrics). Brandts Vorgehen klingt zwar plausibel, ist aber nur schwer nachzuvollziehen. Einerseits sind die Original-Daten (offenbar eine Liste von Biographien von Menschen, die vor 1890 lebten) nicht offengelegt. Auch die Ergebnisse seiner Auswertungen, die Sätze aus den Artikeln, mit welchen er ein Plagiat zu identifizieren sucht, ja noch nicht einmal die 142 Artikel, die aus seinem Sample von 16750 Artikeln als mit Plagiaten versehen identifizierte, sind zugänglich. So bleibt die Aussagekraft dieser Untersuchung unklar.

Schade, denn das Problem mit Plagiaten interessiert in der Bildungsszene (in Schulen und Universitäten) brennend, wenngleich auch eher umgekehrt – nämlich da, wo aus Wikipedia abgeschrieben wird. Die Lage ist gerade bei Wikipedia noch etwas komplizierter, weil dort das Kopieren von Inhalten explizit erlaubt ist – als Ausdruck eines „freien“, nicht durch Urheberrechte geknebelten Wissens (hier passt der Link zur OpenAccess-Debatte). Doch beim Problem des Plagiats geht es weniger um Urheberrechtsfragen als um das Konzept wissenschaftlicher Redlichkeit, wonach fremde Leistungen nicht als eigene ausgegeben werden dürfen.

Hier wird dann gerne von Seiten der Lehrenden das mangelnde Verständnis der Schüler, Schülerinnen und Studierenden (=Lernende) für dieses Prinzip angemahnt, bzw. ein fehlendes Unrechtsbewusstsein beklagt.

Aber vielleicht gibt es auch eine andere Sichtweise, die stärker von den Effizienz-Potentialen medialer Praktiken (bzw. dem Bequemlichkeitspotential der Lernenden) ausgeht. Hier meine These. Das Prinzip der wissenschaftlichen Lauterkeit wird von Lernenden nicht verstanden, weil sie die ihnen gestellten Aufgaben einfach nur sehen als „Zusammentragen und Reproduzieren von Informationen, die andere Personen geschrieben haben“. Ob man das in eigene Worte fasst oder nicht – es ist ohnehin eine Reproduktion von Gedanken eines Anderen, da ist „Copy/Paste“ viel effizienter. Die gesparte intellektuelle Energie wird dann in die Produktion eigener Outputs investiert. Im Idealfall in die zusammenfassende Auswertung, vielleicht aber auch in das nächste Level des neuen XBox-Games oder in eine Viertel-Stunde Online-Chat.

Man könnte die „Copy/Paste-Seuche“ auch als Fortsetzung der Verdrängung von Exzerpten durch Fotokopien sehen. Auch das wurde ja mal als Verlust intellektueller Betätigung beklagt, war auch von Effizienz-Überlegungen getrieben und war auch urheberrechtlich nicht unproblematisch (aber halt noch kein Plagiat). Die Überlegung lautete damals: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch gelesen“, nun heisst es: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch geschrieben“. Ich warte noch auf Berichte, dass Schüler mit Foto-Handy die Wandtafel-Anschrifen abfotografieren und der Lehrperson mitteilen, dass sie Foto dann ausdrucken und ins Heft kleben.

Vielleicht bedeutet das Plagiats-Problem für die Lehrenden nicht nur, dass sie „besser“ kontrollieren und über die Wichtigkeit des Redlichkeitsprinzips „aufklären“ müssen. Wäre ja eine Überlegung wert, welche Bedeutung dem „Zusammentragen und Wiedergeben“ von Informationen gegeben wird, bzw. wie diese begründet („Verstehen durch Erklären in eigenen Worten“) und eingebettet werden („Ausgangslage für Entwicklung eigener Argumentation“). Das bedeutet nicht, dass die Lernenden auf Anhieb verstehen, warum das „Copy/Paste“-Verhalten nicht nur von den Lehrenden verpönt, sondern am Ende auch für sie selber (bzw. ihr Sachverständnis) wenig gewinnbringend ist.

Bestätigt fühle ich mich durch die Analyse des Medienwissenschaftlers Stefan Weber, der das Problem der seiner Ansicht nach grassierenden Plagiate folgendermassen auf den Punkt bringt:

Die Universitäten fördern in ihrer Unbeholfenheit den Trend zur Umschreib-Mentalität, zur Textkultur ohne Hirn. (aus „Textueller Missbrauch„)

Bei der Beurteilung des Verhaltens der Lernenden ist auch zu berücksichtigen, inwiefern die Lehrenden selber hier mit gutem Beispiel vorangehen (oder eben nicht). Bedenke: auch die Lernenden können mit einer Google-Recherche ausfindig machen, ob das Arbeitsblatt, die Aufgabenstellung oder die Zusammenfassung von wo anders stammt.

Zum Wandel des Schreibprozesses im digitalen Zeitalter im Zusammenahng mit der Frage von Plagiaten lohnt, nebst der pessimistischen Analyse von Stefan Weber zum Google-Copy-Paste-Syndrom, die Lektüre des Artikels Pimp My Text von Frank Hartmann.

Literatur:

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Aus der Welt der Wikis: Wikifehlia und die „Bild“

Die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung hat ein neues Feind-Bild entdeckt: die Wikifehlia. Auslöser waren die derben Wikipedia-Scherze rund um den Kinostart des Films „Borat„. Diese haben die Bild aufgeschreckt und zu tiefsinnigen Einsichten verholfen:

Können Sie sich vorstellen, dass jemand nachts in die Brockhaus-Redaktion einbricht, ein paar Lexika-Bände umschreibt und die dann auch noch so gedruckt werden?

Klar, wurden die aufmerksamen Redaktoren schnell in der Wikifehlia fündig (nein, es werden nicht nur Monate alte Fälle, wie jener von John Seigenthaler aufgerollt!): Dieter Thomas Heck wird als erstes Promi-Opfer präsentiert und die Öffentlichkeit aufgefordert, weitere Fehler im Online-Nachschlagewerk der Bild-Redaktion zu melden.

Gefunden via Telepolis.

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Aus der Welt der Blogs: Geschichtsblog des Monats

Da ich ja kürzlich auf eine ziemlich lange Liste von interessanten Geschichts-Blogs gestossen bin (und auch schon zuvor einige Blogs als für meine Zwecke interessante Quellen entdeckt habe), such ich nun nach einem Anlass, diese Entdeckung zu erschliessen. Was eignete sich da besser, als einmal im Monat einen Blog herauszupicken und den kurz vorzustellen? Hier befindet sich eine Liste mit kurzen Einträgen zu den Geschichtsblogs des Monats.

HOK Lesen/Schreiben: Visualisierungen II

So lieber nicht. In Beats Blog fand ich vor längerer Zeit einen Hinweis auf einen Visualisierungsversuch historischer Prozesse, der alle Klischees von Historiker/innen gegenüber ICT (bzw. Neuen Medien) bestätigt: oberflächlich, vereinfachend, ästhetisierend. Es handelt sich um eine „Map of Wars“ des Vorderen Orients (oder des nahen Ostens, wie man will), der die verschiedenen Herrschaftsgebiete darstellt, die in den letzten 2000 Jahren in dieser Region entstanden und vergingen. Die Kernaussage soll woll sein (deklariert ist sie nicht, sie lässt sich aus dem Schnelldurchlauf-Blitzlichtgewitter am Ende und der Hervorhebung der Städte Jerusalem und Bagdad erschliessen): Kein Wunder geht im nahen Osten die Post ab, das war schon seit jeher ein ständiges kriegerisches Hin und Her, wo mal jene und dann diese Herrscher die Oberhand gewannen und die Gebiete mal zu jenem, dann zu diesem Reich gehörten.


(Quelle: http://mapsofwar.com/ind/imperial-history.html)

Also, weil sich da in 2500 Jahren neun Reiche bilden und wieder zerfallen, gibt es hier ein besonderes Gewaltpotential? Wie sieht denn das in Indien, China oder in Europa aus? Und inwiefern ging es da um ökonomisches Gefälle, geostrategische Verbindungen oder religiöse Gegensätze, wie bei den heutigen Konflikten? Da bleibt doch eigentlich nur ein Kopfschütteln, denn auch im Detail bleiben viele Fragen offen: Auf welcher Grundlage wurden die Jahreszahlen gewählt? Wie breiteten sich diese Herrschaftsgebiete aus? Lagen da kriegerische Auseinandersetzungen zu Grunde, oder waren das andere Arten der Gebietserwerbung? Wie waren diese Herrschaftsgebiete strukturiert: waren das Staaten oder Staatenverbünde, wie war die Herrschaftsform und so weiter und so weiter.

Dabei halte ich Karten (wie bereits erwähnt) für eines der interessantesten Gebiete, bei welchen sich multimedial Möglichkeiten inhaltlich gewinnbringend anwenden lassen.

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HOK Lesen: Quellen: YouTube laut Time „Erfindung des Jahres“

Das Time-Magazin erklärt YouTube zur Erfindung des Jahres 2007. Zwar schnöden Kritiker, dass auf YouTube sich nur belanglose Filmchen von Selbstdarstellern häufen. Lev Grossman hält dagegen:

YouTube had tapped into something that appears on no business plan. The lonely, pressurized, pent-up video subconscious of America. Having started with a single video of a trip to the zoo in April of last year, YouTube now airs 100 million videos and its users add 70,000 more every day.

YouTube wird zu einem Medien-Phänomen, bei welchem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion gekonnt verwischt werden (wie das Beispiel um Lonelygirl15 zeigt) und das entsprechende Kompetenzen bei der Erschliessung erfordert.

(via CNet MediaBlog)

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HOK Lesen: Suchen und Finden: Google macht in Wikis

Google hat letzte Woche die Firma JotSpot aufgekauft, die Wikis mit einfacher zu bedienender Benutzeroberfläche anbietet. CNet bringt die Strategie von Google (unter dem plakativen Titel „Google goes wild for wikis„) mit einem Zitat eines (der vielen) Experten auf den Punkt:

Why pick a fight with where Office is today when you can look at where the Web is going tomorrow?

Google denkt über die Suchmaschinen-Technologien hinaus und versucht, Terrain in jenen technologischen Bereichen zu besetzen, wo in Zukunft die alltägliche Arbeit stattfinden wird. Nach dem Motto: Heute mag Microsoft mit Windows und Office einen De-Facto-Standard setzen. Morgen wird es Google sein.

Was heisst das für die Wiki-Technologie? Wird die jetzt in Google „eingemeindet“? Lohnt es ich gar nicht mehr, sich mit Wikis auseinander zu setzen? Beat Döbeli weist darauf hin, dass die Technologie sich ändern oder verschwinden mag. Entscheidend sind die Prinzipien, welche die Art der Kommunikation in Wikis prägen: die einfache Art, gemeinsam Inhalte zu erstellen, zu verändern, zu diskutieren und die Entstehung der Inhalte nachzuverfolgen. Mit welcher Technologie dies erreicht wird, ist nicht so wichtig.

P.S.: Ja, ich habe mir auch die Frage gestellt, wann Google wohl Wikipedia übernimmt. Das ist aber nicht so einfach, da Wikipedia keine Firma ist. Zudem: die Wikipedia-Inhalte sind schon sehr prominent im Google-Such-Index vertreten.

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Aus der Welt der Wikis: DRSWiki – kollaborativ Radio-Geschichte schreiben

Das Schweizer Radio (bzw. die Schweizerische Rundfunkanstalt) DRS hat im letzten Jahr ein interessantes Projekt gestartet: ein Wiki, das die Geschichte des Schweizer Radios darstellen soll. Mitarbeiten kann, wer will (und sich registriert – es gelten also mehr oder minder die gleichen Regeln wie bei wiki.hist.net).

Eine erste, vorläufige Zwischenbilanz: das Projekt wirkt noch sehr unvollständig, nur wenige Leute arbeiten mit, und folglich gibt es nur wenige neue Artikel und Überarbeitungen bestehender Artikel. Und doch: es wird kontinuierlich an diesem Wiki gearbeitet.

Es scheint nicht so einfach, mit Wikis grössere Projekte durchzuführen; Wikipedia ist wohl eher die Ausnahme, was den Schneelawinen-Effekt der Mitarbeit angeht. An einem Enzyklopädie-Projekt können (und wollen) mehr Leute mitwirken, weil ihr Interesse grösser ist (und die Wahrscheinlichkeit, dass sie etwas beizutragen haben). Zudem ist das Format klar (was und wie soll ich schreiben) und die Mitwirkungshürde bei Wikipedia (anonymes Beitragen ist möglich) niedrig.

Ich bin gespannt, wie sich dieses Radio-Wiki-Projekt entwickelt und zu welcher Form historischer Darstellung es führt.

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Aus der Welt der Wikis: Wikipedia hören – bei SWR2

Nein, dies ist kein Hinweis auf eine gesprochene Version von Wikipedia. Auf die Hörbuch-Version für den MP3-Player oder das Autoradio warte ich noch. Aber während der Wartezeit kann man sich dieses interessante Feature des SWR2 anhören (Real-Audio-Stream), das sich unter anderem mit der Frage befasst, warum Wissenschaftler sich mit dem kollaborativ erstellten Online-Lexikon schwer tun. Wer lieber liest, kann auf das Transkript ausweichen. Und wer sich gerne historisch vergleichend betätigt: im Oktober 2004 war Wikipedia schon einmal ein Thema eines (kürzeren) Beitrags. Damals trug die Sendung den vorsichtig fragenden Titel „Lexikon der Zukunft?“ 2006 lautete der Titel „Das Lexikon zum Selbermachen“. 2004 umfasste Wikipedia 150’000 deutsche Einträge, heute sind es 482’000 – mehr als drei Mal so viele. Übrigens kommt nebst Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nur noch Jakob Voss in beiden Features zu Wort. In diesen schnell-lebigen Zeiten fast schon eine Auszeichnung.

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HOK Lesen/Schreiben: Von Aggressionen und Aggregatoren

Der Fall einer belgischen Zeitung, die sich gegen die ungefragte Verwertung durch GoogleNews wehrt, weist auf eine bemerkenswerte Eigenschaft der Internet-Gesellschaft. Die Aggregation von Daten, die von anderen erstellt worden sind, wird zu einem Mehrwert generierenden (und damit Profit abwerfenden) Service. Google programmiert die Suchmaschinen, welche die Websites der bekannten Zeitungen abgrasen, lässt die Inhalte gescheit darstellen und kassiert für diese Aggregation eine Menge Werbegeld, dass den Produzenten der Informationen fehlt.

Auf dieses Ungleichgewicht der web 2.0-Ökonomie weist auch Geert Lovink in seiner kritischen Würdigung „Kein Zugriff“ hin (Zusammenfassung seiner kommenden Publikation bei „Jungleworld„). Er zeigt das Prinzip auch anhand community-basierter Aggregations-Leistungen auf. Die Tagging-Funktionen habe nicht nur strukturierenden Nutzen für die angemeldeten User einer Community. Sie lassen auch Profilierungen und Marktstudien zu. Wikipedia (um noch einen Schritt weiter weg von den technischen Aggregations-Definitionen zu gehen) ist nicht nur eine Gratis-Dienstleistung, die locker alle bezahlten Modelle der Wissensaggregation (Lexika) punkto Popularität aussticht – es ist auch ein Rekrutierungsfeld für Autor/innen, die sich bereits profiliert haben und nun in anderen Projekten genutzt werden können. Wikipedia ist auch eine beliebte Quelle für so genanntes DataMining: das Auswerten der Datenbestände mit verschiedensten Fragestellungen.

Bei Google kann man noch der Meinung sein, es handle sich um eine Produktivitätssteigerung bei der Datenverwertung, wie dies die Mechanisierung und Informatisierung bei der Produktfertigung im 19. und 20. Jahrhundert war. Doch bei den Geschäftsideen im web 2.0 wird mit dem Community-Effekt günstig produziert, dank Idealismus, Altruismus, Spieltrieb, Exhibitionismus. Jüngstes Beispiel ist der Versuch von Google, mit einem Online-Game durch die Community seine Bilddatenbank beschlagworten zu lassen. Wikipedia ist zwar im Gegensatz zu Google (und anderen web 2.0-Firmen) ein Non-Profit-Unternehmen. Doch es generiert auch ziemlich viel Geld – durch Spenden. Davon können einige Leute leben, nicht zuletzt Gründer Jimmy Wales. Doch weitaus wichtiger: die Wikipedia-Community beschert dem Wikipedia-Gründer wertvolle Aufmerksamkeit, die er auch für kommerzielle Projekte (wie Wikia) nutzen kann. Letztlich geht es bei Projekten wie bei Wikipedia nicht nur um die Frage der wissenschaftlichen Güte der gemeinschaftlich-ehrenamtlich erstellten Inhalte. Es ist auch eine Verdrängung bezahlter Professionals durch idealistische Freiwillige.

Zuletzt noch ein gewagter Schlenker in die akademische Welt. Wer die Bedeutung des Aggregations-Prinzips für das web 2.0 verstanden hat, und sieht, wie dieses Prinzip bei Google, Flickr, Wikipedia und in privaten Blogs zur Anwendung kommt, staunt nicht mehr darüber, dass mit den Nutzer/innen des web 2.0 auch Copy/Paste-Verhalten und Plagiats-Vergehen in den Universitäten Einzug halten. Doch einfach nur ein sorgloses Umgehen mit fremdem geistigen Eigentum bei den jungen Studienanfängern zu beklagen, greift zu kurz. Was wird denn von Ihnen verlangt – und was haben Sie für Vorbilder?

In einem zunehmend verplanten und modularisierten, auf Leistung (= in Credits messbaren Output) getrimmten Bologna-Hochschul-System kann es nicht überraschen, dass die Aufgaben im Grundstudium oft einfachen Aggregationen gleichen. „Fassen Sie zusammen!“ ist als wissenschaftliche Herausforderung so dürr, dass es zum Copy/Paste einlädt. Stattdessen wären klare Fragestellungen zu verlangen, bzw. auch zu vermitteln, was eine klare Fragestellung ausmacht und wie diese eine wissenschaftliche Arbeit schon grundlegend strukturieren kann. Denn: auch wer sauber ein Zitat nachweist, muss es noch lange nicht gelesen oder gar verstanden haben.

Generell sollte nicht nur mit dem Argument der wissenschaftlichen Redlichkeit (keine fremden Erkenntnisse als eigene ausgeben) gearbeitet werden. Denn oft sind die Vorbilder nicht so vorbildlich, wie sie sein sollten: Auch bestandene Akademiker werden immer öfter beim Tricksen und Klauen entlarvt – nicht immer mit Konsequenzen. Und ist eine Paraphrase nicht oft einfach eine elegante Vermeidung des offensichtlichen Bekenntnisses, dass einem selber nichts Besseres eingefallen ist, man dies aber elegant in eigene Worte fassen kann?

Immerhin, und dies sei hier auch erwähnt, kann nicht genug auf die lernpsychologische Wirkung des epistemischen Schreibens hingewiesen werden: Sachverhalte besser verstehen, indem man sie verständlich niederzuchreiben versucht.

Zu den Argumenten der Redlichkeit und der Lernpsychologie kommt auch noch jenes der Urheberrechte: man ist in der Regel nicht befugt, ohne Nachweis längere Passagen aus Werken anderer abzuschreiben/ zu kopieren. Hier gilt jedoch zu beachten, dass die GNU Public License die bestehenden Regeln verändert. Aus Wikipedia darf ohne Zitatnachweis wörtlich zitiert (auch in beliebig abgeänderter Form) werden – solange das Ergebnis auch der GNU Public License untersteht und frei weitergegeben und weiter bearbeitet werden kann.

Noch zum Titel: Angesichts der starken Überzeugungen, die zur Disposition stehen (Konzepte der Wissenschaftlichkeit), und der ökonomischen Realitäten (Wer bezahlt und wer kassiert?) wundert mich der zuweilen scharfe Ton nicht, mit dem über die „schlimmen Entwicklungen“ des Internets – und des web 2.0 als Untermenge davon – hergezogen wird. Aber bleibt nur Euphorie, Fatalismus oder Beklagen?

Literatur:

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HOK Lesen: Suchen und Finden: Open Access

Eine sehr gute Übersicht über Motive, Absichten und Risiken des Open Access-Ansatzes liefert Ulrich Herb in einem zweiteiligen Artikel in Telepolis. In „Schöne neue Welt des Open Access“ stellt er zu Beginn die Unverträglichkeits-Stelle zwischen Neuen Meidum Internet und der Welt der etablierten Wissenschaftspublikationen fest: Wissenschafter publizieren in Journalen, Journale wollen Lizenzgebühren.

Da aber keine Hochschulbibliothek der Welt die Lizenzgebühren für alle wissenschaftlichen Journale entrichten kann, bleiben die Verheissungen des Internets unerfüllt und sein Potential für die wissenschaftliche Kommunikation liegt brach.

Ein Glück, gibt es den Journal Impact Factor (JIF): ein Faktor, der feststellt, wie oft in wissenschaftlichen Abhandlungen Artikel aus den verschiedenen Fach-Journalen zitiert werden. Je öfter ein Journal genannt wird – umso besser für’s Image. Darum haben viele Verlage nichts dagegen, wenn die Autoren ihre Artikel auch noch umsonst im Netz zur Verfügung stellen: Ihre Journale (wo die Erstveröffentlichung stattfand, wie auch auf dem Gratisdokument vermerkt) gewinnen auch bei Zitaten, die sich auf die Gratisversionen beziehen, an JIF.

Im zweiten Artikel „Journale, Impact Factor, radikale Monopole und Karriere“ bringt Herbig auf den Punkt, weshalb sich der Widerstand in der Scientific Community in Grenzen hält:

Wer als Wissenschaftler Karriere machen will, muss nicht nur Talent haben, sondern auch in den richtigen Journalen, die über einen hohen Journal Impact Factor (JIF) verfügen, publizieren. Andernfalls wird die Karriere scheitern, die Devise lautet: Publish or Perish.

So nährt sich das System selbst, nur langsam geht der Glaube an die „wichtigen Journale“ verloren – damit bleiben aber Open Access-Publikationen Veröffentlichungen mit minderem Wert. Dabei wäre das nicht nur einer Erleichterung für den vereinfachten, kostenlosen Zugang zu Wissen, sondern auch für das Publizieren von wissenschaftlichen Inhalten, was besonders für Wissenschaftler der so genannten Dritten Welt Chancen böte, sich der Scientific Community anzuschliessen.

Passend dazu auch das Interview bei Golem.de mit Hal R. Varian, der das bestehende Urheberrecht für „skandalös ineffizient“ hält, da es die Vorteile der schnellen weltweiten Verfügbarkeit von Informationen nicht nutzen lässt. Dies gilt insbesonder für so genannte „orphan works“, also Werke, deren Urheber (oder Inhaber der Urheberrechte) sich nicht ausfindig machen lassen. Zur Rolle von Open Source (auch eine Variante des OpenAccess-Gedankens) meint Varian:

Google wäre beispielsweise ohne Open Source praktisch nicht denkbar. Google nutzt mehrere hunderttausend Server und es wäre ziemlich teuer, wenn Google für jeden neuen Server Lizenzgebühren abführen müsste. So kann Google Software wirklich ausreizen und erweitern, um sie an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Open Source ist dadurch ein Kernbestandteil des Geschäfts.

Dazu passt die Meldung bei Heise, wonach die Zeitungsverleger in Zukunft verhindern wollen, dass die Suchmaschinen ihre kostenlos zugänglichen Seiten abgrasen und indexieren können. Die Medien der letzten Jahrhunderte wehren sich gegen das Medium dieses Jahrhunderts (siehe noch einmal den Eintrag zu EPIC 2015) – gegen das Aggregieren und Syndizieren.

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Reelle Virtualität?

Es gab einmal eine Zeit, da versuchten Computer, wie Menschen (oder besser) zu sein (Remember, HAL?) und in Computer-Games sollten die Spieler auf Szenarien stossen, die echter schienen als die Realität (Tron, Matrix, Neuroromancer, Otherland). Nun tun Menschen so, als wären sie Computer (ob PC oder Apple) oder spielen in der Realität, als wäre es ein Computer-Game („Payphone Warriors„). Wie ist das eigentlich gemeint mit Ausdrücken wie „blended learning“ – wie vermischt soll und kann die real-virtuelle Virtualirealität denn sein? Oder ist es nichts anderes als eine Inkorporation eines einstmals als „neu“ geltenden Mediums in den bewährten Medienmix?

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Aus der Welt der Wikis: Citizendium = Wikipedia 2.0?

Tim Bartels fasst in seinem Wikipedistik-Blog die Meldungen zum geplanten Konkurrenz-Projekt Citizendium des ehemaligen Wikipedia-Mitbegründers Larry Sanger zusammen. Anspruchsvoller soll es sein und mit einem durchdachten System der Qualitätssicherung. Wir werden sehen. Stösst es, wie Bartels am Freitag vermutete, auf ein grosses Medienecho? Selber nachlesen bei Google News

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

Aus der Welt der Wikis: Die vielen Einzelnen und das eine Kollektiv in Wikipedia

Internet-Autorität (wobei, was heisst das schon?) Jaron Lanier (Bio bei Wikipedia/Stanford University/Laniers Website) rechnet in seinem Essay „Digital Maoism“ ab mit dem Hype um den HiveMind, die Schwarmintelligenz, die ich hier (als „kollektive Intelligenz“) und hier (als „Weisheit der Vielen“) auch schon erwähnte und die immer wieder gerne zitiert wird im Zusammenhang mit allen möglichen Aspekten des „web 2.0“ und der Tätigkeiten der Internet-Communities.

Dabei plädiert Lanier für eine Kombination von kollektiver und individueller Intelligenz, die mit ihren jeweiligen Stärken ihre jeweiligen Schwächen auszugleichen vermögen. Genau genommen wehrt sich Lanier lediglich dagegen, der kollektiven Intelligenz eine alles lösende Macht zuzuschreiben und geisselt die Tendenz, mit dem Schlagwort von kollektiver Intelligenz Verantwortung zu vermeiden und den Wert des Individuums gering zu schätzen. Zugespitzt sieht er die Gefahr in der Vorstellung, das Internet selber werde durch die kollektive Intelligenz zu einem handelnden und denkenden Subjekt.

The beauty of the Internet is that it connects people. The value is in the other people. If we start to believe that the Internet itself is an entity that has something to say, we’re devaluing those people and making ourselves into idiots.

Nun führte es zu weit, den ur-amerikanischen Topos des „freien Individuums“ in seiner digitalen Ausprägung und sein Erscheinen in der Argumentation von Lanier genauer zu analysieren. Doch bleibt bei mir eine gewisse Skepsis bei seiner Kritik an der kollektiven Intelligenz bestehen, die ja nun wirklich nicht einfach „Die Intelligenz des Internets“, sondern durch das Zusammenwirken von Individuen entsteht.

Lanier wendet sich zwar nirgends explizit gegen Wikipedia, aber doch gegen die (seiner Ansicht nach) dahinter stehende Vorstellung davon, dass eine unpersönliche Gestalt namens „Kollektiv“ eine Enzyklopädie bauen und irgendwie auch automatisch für seine Qualität bürgen werde. Stattdessen brauche es Individuen, welche die Qualität kontrollierten. Nun, was ist Wikipedia anderes als eine Ansammlung von Individuen, die jeweils ihre Interessen verfolgen und darüber kommunizieren? Und was machen die Nutzer und Administratoren (alles Individuen) anderes, als Qualität beständig zu überprüfen? Die Rolle der Einzelnen in der Wikipedia wurde bereits mehrfach (und zwar auch von Gründer Jimmy Wales selbst) skizziert: Dass sich nur wenige tausend Autoren, die sich mit dem Projekt identifizieren, mit einer Grosszahl an „Edits“ (Bearbeitungen von Texten) an der Entwicklung der Wikipedia beteiligten (Link muss ich noch nachliefern, zitiert wird Wales von Swartz im folgenden Link). Zugespitzt: einige wenige schreiben und entwickeln die Artikel, die grosse Masse korrigiert vereinzelte Kommafehler. Aaron Swartz hat neuerdings genau die umgekehrte These vertreten, die noch stärker die Paradoxie von Kollektiv und Individuum beleuchtet (Who writes Wikipedia? – Deutsche Übersetzung von Tim Bartels in Wikipedistik). Swartz vermutet (nach der Analyse einiger Artikel), dass Aussenseiter (oft anonyme Sachexperten) einen Sachverhalt einmal grundsätzlich schreiben, und diese dann in vielen Einzelschritten von der „Kerngruppe“ geordnet, geglättet und strukturiert wird. Der Blog „Social Software“ erklärt das mit einem bekannten Modell: Autoren schreiben, Redaktoren überarbeiten. Ist das nun „Schwarmintelligenz“?

Letztlich geht es ja nicht um „Kollektiv“ und „Individuum“, sondern (meiner Ansicht nach) um Zufall gegen Planung und dann um Entscheidungs- und Gestaltungs-Macht. Wie die Debatte zwischen Exklusionisten und Inklusionisten zeigt, ist das Spannende (und zugleich Ärgerliche) an Wikipedia die Rolle des Zufalls bei der Auswahl und Gestaltung der Artikel. Die Exklusionisten wollen alle „seichten“ Einträge, die nicht in ein richtiges, akzeptiertes Lexikon mit kanonisiertem, wissenschaftlichen Wissen gehören, aus Wikipedia streichen. Aber zuweilen gehören gerade die Artikel über die so genannten Trivia zu den besseren (weil persönlicheren); zum anderen machen gerade diese Artikel den interessante Mix von Wikipedia aus. Es gibt keinen „Masterplan“, der top-down die Wissensinhalte strukturiert, sondern die Inhalte entstehen bottom-up und chaotisch – wie das Internet als Ganzes ja auch. Und wie ich das verstehe, ist gerade das chaotische Entstehen eines

Deshalb gibt es in Wikipedia die Möglichkeit, aufgrund eines Masterplans Inhalte oder Autor/innen ein- oder auszuschliessen. Es gibt Regeln dafür, aber vor allem beständige Aushandlungsprozesse, die auf flexible Kriterien hindeuten; bis hin zum Risiko der Willkür. Aber ist das Kollektivismus? Vielleicht verstehe ich auch Laniers Vorwurf nicht ganz (oder das Prinzip der Schwarmintelligenz oder beides). Jedenfalls diskutieren in den einzelnen Artikeln und zu den jeweiligen Fragen zur Gestaltung der Wikipedia sehr konkrete einzelne Individuen. (Allerdings – dies ist Stärke und Schwäche zugleich – können diese auch anonym bleiben). Problematisch wird dies dort, wo statt Konsens verkappte Mehrheitsentscheide „durchgedrückt“ werden – also derjenige oder diejenige Recht behält, der oder die den längeren Atem hat.

Kollektivistisch (um wieder auf diese Frage zurückzukommen) im Sinne der Schwarmintelligenz ist nach meiner Einschätzung die Annahme, dass früher oder später die Enzyklopädie als Ganzes durch wundersame Selbstheilkräfte von selbst auf ein akzeptables Niveau gelangen kann. Dies halte ich anders als Lanier nicht für naiv oder gefährlich, sondern einfach für wenig wahrscheinlich. Ich vermute, diese kollektive Intelligenz wird nicht spielen: Die Unterschiede werden bleiben (wenngleich vielleicht nicht so ausgeprägt) und sie sind stark von der zufälligen Konstellation abhängig, ob sich sachkompetente Individuen zusammenfinden, die ein Thema behandeln, das sich gut für enzyklopädische Abhandlung eignet, und sich auf einen Konsens bei der Darstellung des Themas einigen können. Gute Artikel leben vom Engagement von Menschen, die sich um diese guten Artikel kümmern – genauso lebt die Wikipedia vom Engagement einer Gruppe von Menschen, die sich (aus welchen Gründen auch immer) für diese Projekt einsetzen (siehe Aaron Swartz: Who runs Wikipedia? Ich habe mir die Frage auch schon gestellt, aber nicht so gut beantwortet.)

Und bei diesen Diskussionen geht es – natürlich – auch um Entscheidungsmacht. Diese ist bei Wikipedia (wie oft in solchen Community-basierten Projekten des web 2.0) nicht abgeleitet aus einer hierarchischen, auf (angenommener, oft auch behaupteter) Sachkompetenz beruhender Struktur (Abteilungs-, Forschungsleiter, Herausgeber, Lektor), sondern eher auf einer auf Engagement und Tätigkeitsausweis beruhender Meritokratie. Aber Konflikte wie jene von Bertrand Meyer, der noch vor wenigen Monaten Wikipedia lobte, und nun verzweifelt das Handtuch wirft, weil er sich mit seiner Auffassung eines Sachverhalts in einem spezifischen Artikel der Wikipedia nicht durchsetzen kann, gibt es auch in „Offline“-Situationen. Menschen haben verschiedene Ansichten, sie streiten darüber, am Schluss können sich gewisse Personen mit ihren Ansichten durchsetzen und – nein, auch in der Wissenschaft sind es nicht immer die wissenschaftlichen Argumente, die ausschlaggebend sind. In der Wikipedia wird der Konflikt immerhing transparent gemacht – er ist nachzulesen, jeder Interessierte kann sich selbst über den Gang der Argumentation ins Bild setzen. Ob das zum Verständnis des Konflikts bereits ausreicht, ist noch einmal eine andere Frage; ebenso, wer den Prozess überhautp analysieren will.

Jedenfalls scheint mir bei der Debatte um die „wissenschaftliche Gültigkeit“ von Wikipedia das Ergebnis (also die Inhalte) zu Unrecht mehr Beachtung zu finden als der Prozess, durch den die Inhalte entstehen und sich verändern. Hat nicht Jimmy Wales das Wiki-Prinzip treffend zusammengefasst

„The basic thing I think makes it work is turning from a model of permissions to a model of accountability. It isn’t that you are allowed or not allowed to edit a certain thing; it’s when you do it, that change is recorded, and if it’s bad, people can see that.“

Mir scheint, es fehlt noch die Gewohnheit im Umgang mit einem System, in dem ein Modell der „accountability“, also der Verantwortlichkeit im Detail, angewendet wird.

Was mich mehr beschäftigt bei der „kollektiven Intelligenz“ ist die Frage nach der „Aggregation“ bereits vorhandenen Wissens, wie es Wikipedia als Community-basiertes Enzyklopädie-Projekt in Reinkultur darstellt: was wird eigentlich „neu“ geschaffen? Und wer verdient mit dieser Aggregation sein Geld? Und was hat diese (neue?) „Kulturtechnik“ der Aggregation für Auswirkungen auf das wissenschaftliche Arbeiten: hier ist ja das Zusammentragen des Forschungsstandes (=aggregieren) gang und gäbe. Zutreffend bemerkt Lanier:

Accuracy in a text is not enough. A desirable text is more than a collection of accurate references. It is also an expression of personality.

Das gilt bei historischen Texten besonders, auch Rosenzweig hat auf diesen Mangel bei den kollaborativ erstellten Texten der Wikipedia hingewiesen.

Literatur