Archiv der Kategorie: Wikipedia

Aus der Welt der Blogs (und Wikis): Was ist ein Blog?

Das mit den Definitionen ist so eine Sache: Wann ist ein Blog ein Blog – und nicht ein Wiki? Muss da eine Trackback-Funktion eingebaut sein – oder nicht? Oder mit anderen Worten: kann man mit einem Wiki einen Blog führen? Oder ist das nur ein Möchtegern-Blog, ein als Blog getarntes Wiki? Diskussion eröffnet bei Beat Döbelis Weblog (bzw. BlogWiki).

Übersicht: Aus der Welt der Blogs – … der Wikis

HOK Reden

Die Dimension „Reden“ der Historischen Online Kompetenz interessiert sich vor allem für die Reflexion und den Austausch im Hinblick auf Nutzung von Informations- und Kommunikations-Technologien in den Geschichtswissenschaften. Was sind sinnvolle Anwendungen? Wie verändern sich Arbeitsweisen und Inhalte der Geschichtswissenschaften? Welche Auswirkungen haben die ICT auf Lehre und Forschung, aber auch auf Geschichtsvermittlung ausserhalb der Universität? (Letztes Update: 1.12.2006)

Aus der Welt der Blogs: Blog für Literaturpreis nominiert

Wenn wir schon beim Thema „Blog und Bagdad“ sind: Der Weblog einer (oder mehrerer?) anonymen Irakerin, die seit 2003 unter dem Titel „Girls Blog from Iraq“ ihre Beobachtungen aus Bagdad publiziert und 2005 als Buch mit dem Titel „Bagdad Burning“ (Link zu amazon) veröffentlicht wurde, ist für den Samuel-Johnson-Literatur-Preis der BBC nominiert worden. Für diese neue Literatur-Form gibt es nicht nur eine eigene Bezeichung (Blooks) sondern bereits einen eigenen Preis, den Blooker-Prize (mit gewollter Ähnlichkeit zum renommierten Booker Prize). Erste Preisträgerin ist Julie Powell, die in ihrem Blog „Julie/Julia“ die Erfahrungen beim Nachkochen eines populären Kochbuches niederschrieb – was über 100’000 Käufer/innen fand. Müssen die Historiker/innen nun doch nicht mit einer neuen Quellengattung rechnen, da sich das wichtigste aus dem Bereich der Blogs doch irgendwann in gedruckter (und verlegten) Form wiederfindet?

Übersicht: Aus der Welt der BlogsHOK Lesen: Quellen

HOK Lesen: Quellen: Viral Spots

Eine interessante Quellengattung, die auch den Bedarf an medientheoretischer Durchdringung der geschichtswissenschaftlichen Betrachtung der Neuen Medien, bzw. der ICT (Information and Communication Technologies) noch einmal vor Augen führt (die hier sicherlich sehr reizvoll wäre), sind die Viral Spots. Dabei handelt es sich um Kurzfilme, die Werbespots, aber auch Amateurvideos oder Filmtrailer effektvoll nachahmen und meist in obszöner, makabrer oder sarkastischer Art überzeichnen – und sich gerne im Grenzbereich des guten Geschmacks (und gleich auch jenseits der politischen Korrektheit) platzieren. Sie erreichen im Mund-zu-Mund-Verfahren (oder besser: Mailbox-zu-Mailbox-Verfahren) eine immense Breitenwirkung. (Tagesanzeiger, 13.3.2006: Freche Verwandte der Flimmerkiste)

Quellenkritisch relevant ist der Umstand, dass die Urheber oft nicht zu eruieren sind. Manchmal sind es die Werbefirmen grosser Unternehmen, die sich durch die virale Verbreitung der Clips (Viral Marketing) einen besseren Werbeeffekt erhoffen, manchmal sind es Parodien von kunstvollen Tüftlern. Es können auch veränderte Originalwerbungen sein, mit zusätzlichen Einblendungen oder Sprachspuren. Das Wesen der Viral Spots bedingt, dass die Ursprünge bewusst im Dunklen gelassen werden – was eine besondere Herausforderung bei der Interpretation dieser Quellen darstellt. Sei dies eine gar makabre Autoreklame mit Terrorist oder eine heikle, pädophile Filmtrailer-Variation von Brokeback Mountain, zusammengefügt aus Filmschnippseln des 80er-Kultfilmes Back to the Future.

Gerade in den Zusammenstellung etwa auf der Website boreme.com verwischen die Grenzen zwischen echten Amateur-Aufnahmen, Schnippseln von Fernsehprogrammen, witzigen oder provokanten „echten“ Werbespots und den Parodien.

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HOK Schreiben: Neues Kollaborationstool (gekauft durch Google)

Eine Meldung, die gleich zwei frühere Einträge (Neues Kollaborationstool, Einschub zum Thema „Google“) in diesem Blog betrifft: Google kauft Writely.com. Jede und jeder kann sich selber einen Reim darauf machen, was das für die Bedeutung von Webdiensten für kollaboratives Schreiben bedeutet – und was für die Wachstumsstrategie von Google.

Übersicht: HOK SchreibenHOK Lesen: Suchen und Finden

Aus der Welt der Wikis: Systemwissenschaftliche Analyse von Wikipedia

Ingo Frost hat im Ergänzungsstudiengang Angewandte Systemwissenschaft an der Universität Osnabrück eine Diplomarbeit zu Wikipedia verfasst. Die Arbeit trägt den Titel: Zivilgesellschaftliches Engagement in virtuellen Gemeinschaften? Eine systemwissenschaftliche Analyse des deutschsprachigen Wikipedia-Projektes. Darin kommt Ingo Frost laut einleitendem Abstract zu folgenden Erkenntnissen:

Zwischen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und dem Engagement der Wikipedia-Gemeinschaft lassen sich breite Überlappungen feststellen. Sie beziehen sich auf individuelle Motive, strukturelle Aspekte der Beteiligung und auf die Faktoren soziales Kapital und soziales Vertrauen (nach der Auslegung Putnams). Besonderheiten bei Wikipedia sind die fehlende Planungsphase, wodurch viele Vorgänge vereinfacht werden und die Tatsache, dass im Gegensatz zu Vereinen die Interaktionen zwischen den Engagierten relativ anonym ablaufen und meist sachbezogen sind. Generell ist festzuhalten, dass Wikipedia als funktionierendes Beispiel dafür zu nennen ist, wie sich trotz hoher Teilnehmerzahl jeder in jedem Bereich mit gleicher Stimme einbringen kann: Wikipedia dokumentiert Wissen demokratisch und kann als bürgerschaftlich selbstorganisiert angesehen werden.
Wikipedia erweist sich somit als Spiegel unserer Gesellschaft, die zunehmend geprägt wird von Individualisierung, Beteiligung und der wachsenden Bedeutung der Wissensgesellschaft. Wikipedia verbessert den Anschluss an die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Gleichzeitig ist Wikipedia aber auch Austragungsort ideologischer Kon?ikte (ideologischer Vandalismus).

Dass die fehlende Planungsphase viele Vorgänge vereinfacht, ist eine für mich neue Erkenntnis der Systemwissenschaft – da kann man ja auch anderer Ansicht sein. Bei Wikipedia mag dies Teil des Erfolges sein, das wäre aber dann doch genauer auszuführen.

Dass hingegen die Interaktionen anonym sind, habe ich auch schon als Merkmal von Wikipedia festgestellt. Interessant wäre hier die These, ob dies zum Erfolg beiträgt, weil die Anonymität die Interaktionen vereinfacht, bzw. versachlicht.

Etwas gewagt finde ich die Aussage, dass Wikipedia der Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung sein soll, und dass die Gesellschaft, in der Wikipedia entwickelt und genutzt wird (im Fall dieser Diplomarbeit die deutsche Gesellschaft, vielmehr die deutschsprachige Gesellschaft) von den gegenläufigen Tendenzen der Individualisierung und der Beteiligung geprägt sein sollen. Zudem ist Wikipedia ja ein internationales Projekt; hier wären also Differenzierungen angezeigt (auch wenn eine Diplomarbeit zugegebenermassen nicht der Ort für eine solche Differenzierung sien kann).

Auch die Aussage, dass Wikipedia den Anschluss an die wissenschaftliche Öffentlichkeit verbessere und generell ein Indiz für die wachsende Bedeutung der Wissensgesellschaft sein soll, halte ich (auch bei näherer Betrachtung von Frosts Argumentation) für nicht sehr stichhaltig, bzw. für eine zu allgemeine Aussage. Dennoch eine interessante Darstellung des Wikipedia-Projektes.

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HOK Lesen: Virtuelle Ego-Massage

Das Phänomen ist ja durchaus bekannt, dass sich Internet-Abhängige (Internet Addicts) nicht nur Informationen über andere Leute er-„googeln“ sondern auch sich selbst der regelmässigen Relevanz-Überprüfung unterziehen. Nun gibt es einen Dienst, der einem diese lästige Arbeit abnimmt und auch noch gleich Punkte verteilt. Schick, wenn am Ende der Ego-Tacho einem die Internet-Wichtigkeit gleich veranschaulicht. Mit meinen 3617 Punkten (Stand 30.1.2006, das Logo unten sollte die jeweils aktualisiert Punktestand anzeigen, so verspricht es jedenfalls der Prospekt) bin ich allerdings ziemlich am unteren Ende. Allerdings: Bill Gates hat auch nur 6723 Punkte… (Steve Jobs übrigens 6744…).

Nix als Spielerei? Interessant ist ja die Analyse, wie die Punktzahlen zustande kommen. Das Tool wurde entwickelt um die Verlinkungen von Blogs zu analysieren. Funktioniert aber auch mit normalen Websites.Update: Ich bemerke grade eben, dass die Ego-Punkte auf dem Zähler immer dann absinken, wenn keine Suche auf der Ego-Surf-Website vorgenommen werden. Oder in den Worten der Website-Betreiber:

Egopoints now biodegrade. They have an atomic half-life.

HOK: Fallstudie: „Rendezvous mit dem Tod“ – Fazit

Die kleine Fallstudie (die mich doch einiges an Zeit gekostet hat) zeigte meines Erachtens folgendes:

  • Die Rolle der etablierten Medien (auch in Online-Versionen) als Meinungsführer und Ort der Debatten ist noch immer bedeutend,
  • Blogs begnügen sich (in diesem Fall) zumeist im Verweisen auf und Kommentieren von Nachrichten oder Ereignissen, wobei darunter auch interessante Beobachtungen zu finden sind,
  • Wikipedia hat die Fakten in angemessener Weise (nämlich mit Verweis auf den Kontext der Informationen), umfassend und schnell in die einschlägigen Artikel aufgenommen. Eine Diskussion über die Aussage des Films wurde jedoch nur angedeutet.

Der Film selber hat mich enttäuscht, ich fand ihn weder formal noch inhaltlich wirklich überzeugend. Die filmische Aufarbeitung des Falles hat eher Fragen aufgeworfen als sie beantwortet. Solange wichtige Quellen (in diesem Falle besonders die kubanischen Geheimdienstunterlagen) nicht zugänglich sind, muss mit Vermutungen und Plausibilitäten vorgegangen werden. Und ob man glauben will, dass Castro sich zu diesem Zeitpunkt wirklich zu solch einem Husarenstreich entschied, hängt davon ab, was man persönlich von diesem Mensch hält.

Übersicht: HOK: Fallstudie „Rendezvous mit dem Tod“

Aus der Welt der Wikis: Nie mehr Nihils?

Ein zufälliger Fund (Serendipity…) in der letzten Sonntagszeitung zu sogenannten Nihil-Artikeln in Lexika (auch als U-Boote bekannt) bringt einen weiteren Aspekt des „Wiki Way of Publishing“ zum Vorschein.
Nihil-Artikel sind erfundene Artikel, die von der Redaktion in Nachschlagewerke eingefügt werden. Beispiele dafür sind der Eintrag zur Steinlaus im klinischen Wörterbuch Pschyrembel, die vom deutschen Humoristen Loriot erfunden wurde, oder der Artikel über den antiken Vorläufer des Fussballs Apopudobalia, der im „Neuen Pauly“ Aufnahme gefunden hat.
Zweck dieser erfundenen Wahrheiten sei die bessere Kontrolle darüber, ob aus den Nachschlagewerken abgeschrieben werde. Sie scheinen den Fachautoren aber auch Spass zu machen.

Und was hat das mit Wikis zu tun? Nun, bei Wikipedia wird jeder Eintrag von zahlreichen voneinander unabhängigen Lesern und Leserinnen kontrolliert. Es gibt da keine geschlossene Gruppe, die Artikel redigiert und publiziert und sich darüber verständigen könnte, welche Falschinformationen in das Gesamtwerk eingeschleust werden. Bei Wikipedia gilt das Prinzip, dass alle mitmachen können: ein egalitäres Prinzip des kollaborativen Zusammenwirkens von einander Unbekannten. Da haben Nihil-Artikel keine Chance – oder?

Übersicht: Aus der Welt der Wikis

Aus der Welt der Wikis: Rufmord bei Wikipedia?

Nach den Blogs ist ja hier im Rahmen meiner Erörterungen der historischen Online-Kompetenz auch die Welt der Wikis zu einem Thema geworden, das auch im weiteren Sinne beobachtet werden soll.
Und hier folgt gleich eine Meldung, die bestehende Vorurteile gegenüber diesem Phänomen (oder nüchterne Einschätzungen, ja nach Standpunkt des Betrachters) auf den Punkt bringt.

John Seigenthaler ist ein geachtetes Mitglied der US-Gesellschaft, unter anderem Mitbegründer der Tageszeitung USAtoday. Mittlerweile ist er 78 Jahre alt. Monatelang war der Eintrag zu seiner Person in Wikipedia mit der Unterstellung versehen, er sei in die Morde an John F. Kennedy und seinem Bruder Robert verwickelt gewesen. Der Umstand, dass diese Aussagen nicht korrigiert wurden und es Seigenthaler auch nicht möglich war, den Urheber dieser Diffamierung ausfindig zu machen, hat ihn ein sehr kritisches Editorial in der USAtoday schreiben lassen. Damit trug er zu einem neuen Zuspitzung der Debatte bei, wie anfällig das OpenSource-Projekt für Falsch-Informationen ist. Immerhin ist im aktuellen Eintrag in Wikipedia nicht nur die Fehlinformation gelöscht, sondern der ganze Vorgang dargelegt und dokumentiert worden. Dafür sind in den letzten Tagen mehrere hundert Änderungen vorgenommen worden, teilweise, um üble Beschimpfungen wieder aus dem Artikel zu entfernen.

Bislang schien sich diese Debatte vor allem um Einträge rund um den Nationalsozialismus zu drehen, aber offenbar sind die Manipulationsfantasien (oder abweichende Meinungen) nicht auf dieses Gebiet beschränkt. Die Diskussionen haben nun den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales erstmals zu einer Änderung der Regeln veranlasst. Ab heute, 5. Dezember 2005, können neue Einträge nicht mehr anonym angelegt werden, anonyme Änderungen sind hingegen noch immer möglich.

Die Wiki-Gemeinde befasst sich seit längerem mit dem Phänomen der Vandalen, Trolle und Geschichtsklitterer, die entweder die Offenheit von Wiki-Projekten zu ihren Gunsten ausnutzen wollen oder einfach nur Spuren hinterlassen möchten. Und insofern erstaunt es, dass nicht noch viel mehr Informationen gefälscht werden (denn bemerkt werden solche bösartigen Entstellungen nur in viel gelesenen Inhalten). Auch wenn sich die Macher von Wikipedia der Probleme sehr wohl bewusst sind: Dennoch bleibt der nicht mehr so neue Aufruf aktuell, mit gewisser Skepsis den Inhalten auf dem Internet zu begegnen.
Übrigens kämpft die Wiki-Gemeinde mit einem anderen, weniger spektakulären und schlagzeilenträchtigen, aber umso wirksameren Problem: WikiSpam. Immer öfter werden Wikis missbraucht, um Links auf Website zu setzen, die gar keinen inhaltlichen Zusammenhang mit dem entsprechenden Inhalt des Wikis haben. Es geht darum, das Suchmaschinen-Ranking, dass auf Verlinkung achtet, zu manipulieren. Das Problem gibt es übrigens auch bei Blogs. Womit der Kreis zu den Einträge der Rubrik „Suchen und Finden“ und „aus der Welt der Blogs“ geschlossen wäre.

Schliesslich steht ja bei all den Vandalen-Akten auch die Frage im Raum, woher das vandalisierte Wissen eigentlich kommt? Wer in seinem Spezialgebiet mal in Wikipedia herumstöbert, wird schnell „Handschriften“ erkennen. Einzelne Themen werden aus (oft nicht näher genannten) Publikationen abgekupfert. Abgesehen vom Problem der fehlenden Zitation (oder schlicht des Plagiats): So werden in einer Gesellschaft, die sich nur auf Google und Wikipedia verlässt auch wissenschaftliche Wahrnehmungen beeinflusst.

Literatur