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Das Internet als Raum Historischen Lernens IV

Die Nachmittags-Sektion des Donnerstags ist konkreten multimedial aufbereiteten Lernangeboten gewidmet. [Fortsetzung von diesem Eintrag].

Julia Hornig stellt mit der „Aufmerksamen Ausstellung“ im Willy Brandt-Haus in Lübeck eine andere Anwendung von ICT im Ausstellungsbereich: hier wird die Inszenierung durch ein ausgeklügeltes Haus-Management-System gesteuert und durch ein Content-Management-System für webbasierte Darstellungen ergänzt. Innovativ erscheint mir ein „Multimedia-Tisch“, in den ein Touch-Screen eingelassen ist, der Punkte auf einer Weltkarte darstellt, die nicht nur angeklickt, sondern auch anderen Besucher/innen „zugeschoben“ werden können, was interessante Formen der Interaktion ermöglichen könnte. Das würde ich gerne live sehen! Interessant ist auch die Möglichkeit, „Ergebnisse“ des Ausstellungsbesuch sich über das Internet nach Hause schicken zu lassen; auch das möchte ich gerne mal live sehen. Weiterlesen

Das Internet als Raum Historischen Lernens II

Der folgende Beitrag ist eine notiz-artige Gesamtschau der Tagung „Das Internet als Raum historischen Lernens“ am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte in Schleswig aus der Sicht von Jan Hodel. Peter Habers Sicht der Dinge ist hier zu finden… So steht es dem geneigten Leser, der geneigten Leserin frei, sich sozusagen multiperspektivisch (oder gar kontrovers) über die verhandelten Inhalte zu informieren. Weiterlesen

HOK Lesen/Schreiben: Wo ist das „Persönliche“ am PC – oder: vom Auftauchen des Neo-Netzwerk-Computers

Zwei Ereignisse führen zu diesem Eintrag, der eine Erkenntnis erst einmal ahnen lässt:

Zum Einen die Erfahrung im Gespräch mit dem IT-Verantwortlichen unserer Hochschule. Bislang habe ich die Hochschulen (bzw. vor allem die Universitäten) als relativ flexibel und offen in den IT-Fragen erlebt (relativ…). Man konnte seine Plattform, seine Ausstattung, sein Modell, seine Software-Ausstattung auswählen und hatte dennoch gute Möglichkeiten, mit auftauchenden Support-Anliegen auf offene Ohren zu stossen. Aber das waren wohl noch die Zeiten, als die IT-Mittel für Technik und Personal unter dem Motto „Schulen ans Netz“ und „Wir müssen das Bildungswesen fürs 21. Jahrhundert fit machen“ noch reichlich flossen. Dies scheint nun bereits Geschichte zu sein.

Nun gilt es, IT-Infrastruktur kostengünstig zu führen und zu pflegen. Sonderwünsche sind support-aufwendig, daher teuer, daher nicht mehr zu haben, ausser man kann dringlichen Bedarf anmelden und beteuert mit mehrfacher Unterschrift (zugespitzt formuliert), dass man sämtliche Folgen selber trägt.

Diese Harmonisierung geht ja über Plattform-Fragen (Mac/Win) oder Software-Ausstattungen (Office oder Alternativen) hinaus. Weil die IT-Infrastruktur immer komplexer wird (Kompatibilität von Funknetz-Treibern, Software-Verträglichkeit mit Drucker-Abrechnungs-Systemen usw.), wird immer mehr auch das konkrete Modell und die konkrete Installation von der IT-Abteilung vorgegeben. Anpassungen/Änderungen nur auf eigenes Risiko. So treibt man dem Computer das „Persönliche“ aus (sofern man nicht die Auffassung vertritt, dass das P in PC sowieso nur ein Marketing-Trick war – hat aber bei vielen PC-Bastlern recht gut funktioniert). Vielleicht ist nun eben der Moment gekommen, wo der Computer einfach auf dem Niveau eines Kopiergerätes angekommen ist: ist ja wurscht wie, Hauptsache er tut.

Nun kommt (andererseits) Google ins Spiel (und eigentlich überhaupt das schillernde Konzept von web 2.0). An einer Tagung über wirtschaftlichen Potentiale von web 2.0 in San Francisco wurde die Strategie von Google gedeutet, das sich in letzter Zeit mit dem Zukauf zahlreicher Web-Anwendungen hervorgetan hat. Kern-These: Google setzt auf den „Neo-Netzwerk-Computer“. Die Kernanwendungen werden in Zukunft im Internet ausgeführt. Konkret: Texte schreiben, Tabellenkalkulationen zusammenschustern, Präsentationen planen, Daten ordnen werden wir in Zukunft in einem Browser-Fenster – egal, ob wir uns im Büro befinden, zuhause oder in einem CyberCafé, am Rechner eines Kollegen an einer Tagung, unterwegs mit dem Smartphone.

Wird mein „Personalisierungs“-Wunsch der digitalen Arbeitsumgebung in Zukunft im Netz befriedigt? Oder hänge ich zu sehr an „meinem PC“, den ich liebevoll in stundenlanger Arbeit konfiguriert und eingerichtet und optimiert habe? Wäre ich überhaupt bereit, mein digitales Dasein dem Netz zu überantworten? Den PC kann ich vom Internet abkoppeln, vom Stromnetz trennen, die Festplatte ausbauen – er ist physisch erkennbar vorhanden. Was ist da schon ein Web-Server in irgend einem gekühlten Server-Raum in…. Minnesota? Minsk? Ulan Bator?

Zum Schluss die obligate HOK-Frage: was hat das für Konsequenzen für die Arbeit in der Geschichtsdidaktik und Geschichtswissenchaft? Inwiefern betrifft dies die Informationsbeschaffung, -ordnung, -auswertung; inwiefern werden neuartige Quellen geschaffen, neue Kommunikations-Systeme etabliert, neue Formen der Vermittlung entwickelt? Time will tell.

Übersicht: HOK Schreiben/Lesen; Reden

HOK Lesen/Schreiben: Blogs in einer Geschichts-Lehrveranstaltung der Universität Wien

Am Institut für Geschichte der Universität Wien, das schon mit dem Online-Lehrgang zum (geschichts-)wissenschaftlichen Arbeiten „Geschichte Online“ und dem preisgekrönten und eben bei H-Soz-Kult besprochenen Web-Projekt past.perfect sein Interesse an Internet-gestützter Lehre kundgetan und belegt hat, findet im laufenden Wintersemester die erste mir bekannte Lehrveranstaltung der Geschichtswissenschaften im deutschen Sprachraum statt, die mit Blogs arbeitet.

Die Studierenden sind angehalten, während des Semesters die Ergebnisse der Online-Phasen der Blended-Learning-Veranstaltung individuell in Blogs zu dokumentieren. Das Thema des Kurses lautet (etwas selbstreferentiell) „Neue Medien in der Geschichtswissenschaft“, wobei in erster Linie das Internet mit seinen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten gemeint ist.

Noch ist das Semester zu jung, um abschätzen zu können, inwiefern der Einsatz von Blogs zu neuen Erkenntnissen beitragen kann. Das inhaltliche Programm ist jedenfalls geeignet, Vergleiche zu anderen Kursen mit ähnlichen Inhalten zu ermöglichen. Besonders gespannt bin ich auf die Reflexionen zum Ende der Veranstaltung.

Übersicht HOK: Lesen/Schreiben

HOK Lesen/Schreiben: Stuff & Stir

Ich nutze eine kleine Gelegenheit, den historischen mit dem Online-Teil bei der Historischen Online-Kompetenz zu verbinden. Via Beats Blog bin ich auf die Unterscheidung zwischen Stuff and Stir in der Online-Didaktik (=eLearning) gestossen. Die Bezeichnung wurde vermutlich von Allison Rossett geprägt. Stuff steht für vorgegebene, stoffbasierte, zuweilen auch hochkomplexe und interaktive programmierte eLearning-Szenarien (Lernumgebungen und Online-Kurse), die vor allem für individuelles Selbstlernen genutzt werden. Stir steht für informelle Umgebungen, in welchen die Teilnehmer/innen sich vor allem selber organisieren, miteinander kommunizieren und die Themen und Fragestellungen selber formulieren müssen, also gemeinschaftlich lernen.

Nun, vereinfacht gesagt geht es da um den Gegensatz von Konstruktivismus (=Stir), den die Geschichtsdidaktik seit Jahrzehnten als bevorzugten Weg zu historischem Wissen (oder zu historischen Kompetenzen) postuliert, und Instruktionismus (=Stuff), der im real existierenden Geschichtsunterricht noch immer vorherrscht.

Die Geschichtswissenschaft neigt zur Gewissheit, in der Hochschullehre herrsche ein (geschichtstheoretisch begründetes) konstruktivistisches Paradigma. Ich wage das etwas zu bezweifeln. Nur weil man den Studierenden (abgesehen von inhaltlich vollgestopften und haarscharf am Instruktionismus vorbeischrammenden Einführungskursen) kaum Anleitung bei der Erlernung des geschichtswissenschaftlichen Handwerks zu teil werden lässt, sollte man nicht auf konstruktivistische didaktische Ansätze schliessen.

Vielleicht lohnte es sich, da einmal zwei Sekunden länger darüber nachzudenken, ehe man die „Copy/Paste“-Mentalität der Studierenden beklagt (dazu mehr unter dem Stichwort „Aggregatoren“).

Um auf Stuff and Stir zurückzukommen. Wo sind die Konzepte und Ideen, ICT/Neue Medien im Sinne des „Stir“ auch in den Geschichtswissenschaften (in Lehre und Forschung) anzuwenden? Insbesondere die Komponente des „gemeinschaftlichen“ (oder auch kollaborativen) Lernens ist ja meines Erachtens noch wenig ausgelotet worden. Darin fliessen die Kompetenz-Dimensionen des Lesens und des Schreibens in der Praxis zusammen. Eine erste (noch sehr luftig-abstrakte) Idee habe ich mit dem „hist.collaboratory“ mal skizziert. (PrePrint zum Download).

Übersicht: HOK Lesen/Schreiben

HOK Lesen: Quellen: Urheberrecht behindert den Unterricht (mit neuen Medien)

Der Einfachheit halber zitiere ich hier ausführlich eine Meldung von irights.info (statt sie in eigenen Worten zusammenzufassen – soviel zu Shake and Paste).

Eine Studie des Berkman Center for Internet and Society, einem Institut der Universität Harvard, untersucht die Rolle des US-Copyrights bei der Entwicklung und Nutzung neuartiger Methoden und Technologien im Unterricht. Fazit: Derartige Initiativen werden durch das Copyright nicht gefördert, sondern behindert.

Dieses Fazit ist deshalb so bedeutend, weil in der US-Verfassung, die die Grundlage für das Gesetz bildet, festgelegt ist, dass der Kongress dafür sorgen muss, dass das Copyright den wissenschaftlichen Fortschritt fördert. (…)

Auch in Deutschland gibt es deutliche Kritik an den Regelungen des Urheberrechts mit Bezug auf Bildung und Unterricht. Sowohl das Urheberrechtsbündnis für Bildung und Wissenschaft, als auch der Bundesrat und die Organisation „Schulen ans Netz“ haben mehrfach das bestehende Gesetz kritisiert. Sie befürchten, dass sich die Situation für Bildung und Lehre erheblich verschlechtern wird, wenn die Bundesregierung die bisher vorgelegten Vorschläge zur Reform des Urheberrechts umsetzt.

Zur Situation in der Schweiz ist mir nichts bekannt (Hinweise gerne bei den Kommentaren erwünscht!).

Übersicht: HOK Lesen: Quellen

HOK Reden: Offline-Schule als Strafe für e-Learning-Versager?

Eigentlich hat sich ja auf breiter Front die Erkenntnis durchgesetzt, dass ICT wohl zu neuen Lehr- und Lernszenarien führen, aber keineswegs, wie zu Beginn befürchtet, die Schule als Ort des Lernens mit Online-Lerngängen ablösen werde. An den Hochschulen hat sich der gemischte Betrieb als „Blended Learning“ etabliert, an Schulen werden Laptop-Programme durchgeführt. Da bürstet Peter Mühlbauer bei Telepolis den Konsens gewaltig gegen den Strich, wenn er „Schule als Strafe“ postuliert, wo nur jene hinzugehen brauchen, die im e-Learning versagen. Denn in der Schule (so Mühlbauer) gehe es mittlerweile ja gar nicht in erster Linie um Wissenserwerb, sondern um die Positionierung in sozialen Hackordnungen („Bullying„). Der Verweis auf die gewaltbereiten Schüler/innen der Rütli-Schule in Berlin Neukölln darf hier nicht fehlen. Wer online versagt, so Mühlbauer weiter, solle von den übriggebliebenen Lehrer/innen Einzelunterricht erhalten – und zwar solange, bis er/sie den Stoff kapiert hat.

Ich zweifle daran, ob die Analyse treffsicher ist und ob, falls sie dies wäre, die daraus gefolgerten Schlüsse wirklich zielführend sind. Wenn nun e-Learning nur noch zuhause stattfindet, wäre zumindest das Problem des Missbrauchpotentials von Dual-Use-Geräten entschärft. Beat Döbeli weist darauf hin, dass mit vermehrtem Einsatz von PDA-ähnlichen Geräten im Unterricht auch ihre nicht mit schulischen Intentionen übereinstimmende Nutzungen ein Problem werden könnten. Wenn das fotofähige Schul-Palm zum Happy Slapping missbraucht wird, kann es ja nicht gut (wie bisher bei den privaten Mobiltelefonen) einfach verboten werden.

Übersicht: HOK Reden

Aus der Welt der Blogs: Blogs als Teil der eLearning-Landschaft

Dazu, wie Blogs als Teilbereich des e-Learnings eingesetzt werden könnten, sind einige Hinweise und Leitfäden erschienen.
Die Beratungsstelle für Informatik in Aargauer Schulen stellt auf einer dedizierten Seite verschiedene Überlegungen an, wie Weblogs im Schulunterricht eingesetzt werden kann (Vorteile: Einfach, schnell, spontan, persönlich; Nachteile: Subjektivität, zuwenig redaktionell betreut/kontrolliert; Einsatzmöglichkeiten im Unterricht: Dokumentation, kooperatives Lernen, Diskussion) und liefert eine ganze Reihe von weiterführenden Links.

Darunter ist auch jener zum Dossier Weblogs im Bildungsbereich auf dem Schweizer Bildungsserver Educa.ch, der von Miriam Fischer gestaltet wurde (die ihrerseits das Weblog netzlernen herausgibt). Sie verweist auf den Charakter des Micro-Contents in Blogs führt den Begriff der EduBlogs ein (Blogs, die sich mit Bildungsfragen befassen) und stellt verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Blogs im Unterricht vor: Lerntagebücher, Klassenblogs, Blogs von Studierenden und Dozierenden oder ePortfolios.

Was Blogs an tertiären Bildungseinrichtungen (sprich: Hochschulen) für eine Rolle spielen können, hat die TU Wien zusammengefasst, die ihren Studierenden eine uni-eigene Blog-Umgebung anbietet. Neben dem Lernjournal könnten Blogs aus begleitend zu Lernveranstaltungen, für Lerngruppen oder als Blog eines Lehrstuhls geführt werden.

In diesem Zusammenhang ist auch Peter Baumgartners Aufsatz bei Educa.ch zur Rolle von Blogs zu sehen: er weist nicht nur darauf hin, dass die bei Blogs in Micro-Content vorhandene Argumentationen und Aussagen einfacher zu diskutieren seien als ausführliche Artikel, sie sind auch einfacher zu referenzieren als Verweise auf lange Web-Pages, die über keine Seitennummerierung verfügen.

Baumgartner sieht auch eine andere Chance von Weblogs. Sie ermöglichen auch den Konstruktionsprozess sichtbar und damit zum Gegenstand von Beurteilung und Rückmeldung zu geben und nicht nur die Lernergebnisse (fertiggestellte schriftliche Arbieten, Tests).

Literatur:
Baumgartner, Peter: Eine neue Lernkultur entwickeln: kompetenzbasierte Ausbildung mit Blogs und E-Portfolios, 2006 (http://www.educa.ch/dyn/bin/131141-131143-1-eportfoliodeutsch.pdf (Zugriff 6.2.2006))

Übersicht: Aus der Welt der Blogs

HOK Schreiben: Blog = Microcontent

Bei der Suche nach Ansätzen, Blogs für e-Learning einzusetzen, stiess ich auf den Begriff „Microcontent“. Der Begriff bezeichnet die einzelnen Blog-Einträge, was mir einleuchtend und auch aussagekräftig erscheint. Microcontent erfüllt idealtypisch die Voraussetzungen des Hypertexts auf kleine, in sich geschlossene Informationseinheiten, die modular beliebig miteinander kombiniert werden können.
Auch das Verfassen von Blog-Einträgen in vorliegendem Blog macht mir dies deutlich: die Hemmschwelle zur Publikation ist geringer, da der Kontext nicht a priori schon entwickelt sein muss. Die Zusammenhänge der Microcontents können auch nachträglich durch Verlinkung erstellt werden (wenn das überhaupt erwünscht ist). Sonst muss sich der Leser, die Leserin eben selber die Zusammenhänge erstellen, ganz in Sinne eines „schreibenden Lesens“, der Konstruktion von Sinn aus non-linearen Texten.

Übersicht: HOK Schreiben