Unter diesem schönen Titel findet man das Weblog zu einem medienpädagogischen Seminar an der Universität Augsburg, das sich mit dem Phänomen Wikipedia auseinandersetzt. Die ersten beiden Beiträge verweisen auf zwei solide Beiträge von je rund zehn Seiten zu den Themen «Enzyklopädien – Von den Anfängen bis in die heutige Zeit» und «Die Entwicklung und die Technologie von Wikipedia». Exakt diesen beiden Themen widmete sich auch die gestrige Sitzung meines Seminars «Zur Medienkultur des Netz-Wissens».
Schlagwort-Archive: Wikipedia
vertippt…
Zur Erinnerung, wie auch im Internet sich immer wieder Leute finden, die sich die menschliche Neigung zu Fehlern zu Nutze machen. Hier bin ich bei der zu flüchtigen Eingabe der URL von Wikipedia.de gelandet: Weiterlesen
Individuelle Qualitätssicherung in Wikipedia: Praxisbericht
Desanka Schwara stellte anlässlich ihres Kommentars zum Werkstatt-Gespräch zu Wikipedia in den Wissenschaften eine konkrete Frage zur Qualitätssicherung in Wikipedia:
Darf ich die „Probe aufs Exempel“ machen? Lieber Jan, kannst Du mir sagen, wer die „Nymphe Hybris“ ist? Sie soll laut Wikipedia die Mutter des Gottes Pan sein. Und die „Hybriden“? Die ganzen klugen Bücher (und Menschen), die sich auf diesem Gebiet auskennen, wissen nichts davon (der grosse, der kleine und der neue Pauly nicht, alle Oxford und Cambridge Nachschlagewerke zu alter Geschichte nicht, auch einschlägige Experten nicht). Wie kann ich herausfinden, woher diese Information in Wikipedia stammt, und wie kann ich sie überprüfen? Und evtl. noch mehr darüber lesen? Das wäre echt toll.
Gut, ich habe die Frage als Aufforderung genommen, Nachforschungen zum Sachverhalt anzustellen, obwohl ich kein Althistoriker bin (oder wie sagt man den Menschen, die alte Geschichte betreiben?). Anhand dieses Beitrags möchte ich zeigen: Weiterlesen
c’t testet und vergleicht Wikipedia
Die Zeitschrift c’t vergleicht in der Ausgabe 6/2007 die Enzyklopädien Bertelsmann, Brockhaus multimedial premium, Encarta und Wikipedia. Bei allen wurden die Tester bei der Suche nach Mängeln fündig, aber im allgmeinen erhalten alle untersuchten Enzyklopädien gute Bewertungen. Dabei steht Brockhaus an der Spitze und die Bertelsmann Enzykopädie am Ende. Das abschliessende Urteil zu Wikipedia lautet wie folgt:
Neben vielen hervorragenden Texten finden sich in der Wikipedia aber dennoch Artikel mangelhafter Qualität. Zum einen sind dies solche, die einfach zu stark unter Redundanz, unwichtigen Details oder fehlender Gliederung leiden. Zum anderen kommt es in Artikeln sämtlicher Wissensgebiete vor, dass die persönliche Sicht eines Autors durchscheint.
Dieser Einschätzung können wir uns anschliessen – und haben uns in der Vergangenheit in ähnlicher Weise bereits geäussert. Weiterlesen
Narrationen im digitalen Zeitalter
Der folgende Beitrag fasst meine Ausführungen während der Tagung „Das Internet als Raum des historischen Lernens“ noch einmal in geraffter Form zusammen. Er befasst sich mit der Rolle, die Narrationen im digitalen Zeitalter spielen können und fokussiert auf die Situation des web 2.0, das heisst von Weblogs und Wikis.
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Wikipedia: freies und unfreies Wissen?
Was soll man als Historiker/Historikerin von den Geschichts-Artikeln in Wikipedia halten? Der bereits von Peter Haber erwähnte Artikel von Maren Lorenz in „WerkstattGeschichte“ bringt ein wesentlichen Problem auf den Punkt. Wikipedia ist weder ein Lexikon mit klaren redaktionellen Verantwortlichkeiten noch eine offene Plattform, bei der jeder und jede mit gleichen Rechten (und Pflichten) mitwirken darf. Stattdessen bringt ein Blick hinter die Kulissen ein schwer durchschaubares Gewirr von Meritokratie, Kungelei und Gutgemeintem (noch immer das Gegenteil von gut) zu Tage. Es gibt Administratoren mit den technischen Möglichkeiten, Artikel einzufrieren, Benutzer/innen auszuschliessen, sogar Versionen zu löschen und ähnliches. Soweit so gut, doch wer wählt diese Administratoren auf Grundlage welcher Kriterien? Grundsätzlich ist das ein demokratischer Prozess, der fachliche Kompetenz (gemessen an den Beiträgen in Wikipedia) belohnt. Faktisch ist das ein undurchsichtiges „Ich wähle Dich, wenn Du mich wählst“-Prozedere eines inneren Zirkels.
Das Schreiben der Geschichte
Michel de Certeau legte in seinem 1975 erschienenen Buch «L’écriture de l’histoire» (dt. 1991: «Das Schreiben der Geschichte») nichts weniger als eine «Ortsbestimmung der Geschichtsschreibung» (Klappentext) vor. «Was fabriziert der Historiker, wenn er ‚Geschichte macht‘? Woran arbeitet er? Was produziert er?» fragte de Certeau einleitend zum Kapitel «Die historiographische Operation».
Auch im Schreib-Guide Geschichte von Wolfgang Schmale geht es um die historiographische Operation – wenn auch in einem konkreteren Sinn als bei de Certeau. Der soeben neu aufgelegte und wesentlich erweiterte Schreib-Guide gehört eigentlich auf die Lektüreliste eines jeden angehenden (und auch gestandenen) Historikers. Das Buch thematisiert nämlich einen Bereich der Geschichtswissenschaft, über den gerne nicht oder nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: den Prozess des Schreibens.
Historiker produzieren ihr symbolisches Kapital fast ausschliesslich mit Hilfe von Texten. In den letzten Jahren indes hat sich dank Computerisierung und Vernetzung in diesem Bereich einiges geändert. So ist es Schmale und seinem Team hoch anzurechnen, dass in der Neuauflage ein vollständig neues Kapitel zum Thema «Schreiben für das WWW: Bloggen und Hypertexten» aufgenommen wurde. Die beiden Wiener Historiker Jakob Krameritsch und Martin Gasteiner führen auf knapp vierzig Seiten sehr gut und auch für Nicht-Experten bestens nachvollziehbar in die Spezifika des historischen Online-Schreibens ein. Sie charakterisieren einerseits das Weblog als Medium der historischen Fachkommunikation und erläutern andererseits die schreibrelevanten Aspekte eines Hypertextes.
Bleibt zu hoffen, dass auch das Schreiben für Wikipedia in der nächsten Auflage Einzug in den Guide erhalten wird. Auch die ganze Frage der elektronischen Literatur- und Exzerpteverwaltung – Stichwort: Lit-Link – ist im Buch ein wenig zu kurz gekommen. Aber ansonsten: Für alle Geschichtsstudierende die ideale Lektüre für die nächsten Semesterferien!
«Ich hatte (bald?) einen Wikipedia-Artikel»
Wie fühlt es sich an, wenn man mitgeteilt bekommt, dass in Wikipedia ein Artikel über einen erschienen ist – gefolgt von der Ankündigung, er sei zur Löschung beantragt, weil der Inhalt nicht relevant genug für einen Wikipedia-Eintrag sei?
Darüber berichtet der Journalist Daniel Terdiman (Link zu vielleicht schon gelöschtem Artikel bei Wikipedia) in einem Artikel bei CNet. Darin las ich auch erstmals vom „Professor-Test“, den die Wikipedia-Administratoren offenbar anwenden, um die „Bedeutsamkeit“ einer Person zu beurteilen, über die ein biographischer Artikel in Wikipedia erscheint: Wer bekannter ist als ein „durchschnittlicher College-Professor“ hat Chancen, dass der Eintrag stehen bleibt. Wie die Bekanntheit gemessen wird? Genau: Anzahl Hits bei Google oder Yahoo. Daniel Terdiman hatte 105.000 bzw. 126.000 Hits vorzuweisen. Ich: naja…. 13.100…
Stellt sich die Frage: Ist man wer, wenn man nicht bei Wikipedia vorkommt? Und: was ist man, wenn man mal bei Wikipedia vorkam? Da passt doch der Song bestens: „Ich habe keinen Eintrag bei Wikipedia, drum frag‘ ich mich manchmal, bin ich wirklich da?“ (mp3, 2MB, von Mr. Renz, einem bekennenden Fussball-Fan von Dynamo Dresden – von der sprachlichen und musikalischen Qualität durchaus passend zum Thema). Immerhin: es gibt auch andere Songs zu Wikipedia: Hotel Wikipedia (nach Eagles) zum Beispiel, oder Wikipedian Rhapsody (nach Queen) oder We Will Block You (auch nach Queen, mit Warnung „Dies ist ein Scherz“…).
Wikipedia im Unterricht (II)
Nicht nur Peter Haber: Auch ich werde mich im Sommersemester mit Wikipedia im Unterricht beschäftigen, aber auf eine etwas andere Weise. Ich führe eine Lehrveranstaltung mit dem Titel „Historisches Lernen mit Wikis und Wikipedia“ an der Pädagogischen Hochschule der FHNW durch. Es handelt sich um ein Forschungsatelier, in dem sich die Lehramtsstudierenden mit Themen und Methoden auseinandersetzen sollen, die sie dann für die Abfassung ihrer Diplomarbeit nutzen können.
Diese Lehrveranstaltung wird sich vor allem auf die Rolle von Wikipedia (aber auch generell von Wikis) beim historischen Lernen in der Schule konzentrieren. Ich bin gespannt, inwiefern sich hier Überschneidungen und/oder Ergänzungen zum kultur- und medienwissenschaftlich orientierten Kurs von Peter Haber ergeben.
Wikipedia im Unterricht
Alle reden von Wikipedia, in Basel werden wir konkret! Nachdem uns die Kollegen in Wien schon den Rang abgelaufen haben in Sachen „Erste geschichtswissenschaftliche Lehrveranstaltung mit Weblogs» werde ich im kommenden Sommersemester die vermutlich erste kulturwissenschaftliche Lehrveranstaltung mit und über Wikipedia abhalten. Im Rahmen eines Medienpraktischen Kurses am Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel werde ich zusammen mit Studierenden der Medienwissenschaften und der Geschichte Wikipedia als neues mediales Phänomen der Wissenschaftskommunikation untersuchen. In einem zweiten Schritt werden wir selber wissenschaftliche Themen in Wikipedia bearbeiten und dabei beobachten, was mit den Texten geschieht. Dazu werden wir voraussichtlich im hauseigenen Wiki von hist.net einen Bereich einrichten, wo wir die Diskussionen werden führen können. Die Veranstaltung werde ich in vier Halbtagesblöcken zwischen April und Juni durchführen. Wenn ich die Gelder bewilligt bekomme, werde ich auch externe Fachleute nach Basel einladen.
Search Wikia: Das Wiki-Prinzip für Suchmaschinen
Wikipedia-Gründer Jimbo Wales will etwas Neues anpacken. Warum nicht, so dachte er sich wohl, die Welt der Suchmaschinen aufmischen. Denn die gängigen Suchmaschinen von Google bis Yahoo seien ohnehin kaputt:
It is broken for the same reason that proprietary software is always broken: lack of freedom, lack of community, lack of accountability, lack of transparency. Here, we will change all that. (J. Wales@Wikia, 23.12.2006)
Drum will Wales ein neues Projekt namens Search Wikia lancieren, das die Entwicklung einer Open-Source-Suchmaschine zum Ziel hat. Der Index soll jedermann zugänglich sein, und die Kriterien, die zur Rangierung der Suchergebnisse herangezogen werden, sollen transparent gemacht werden und sich auf Einschätzungen einer vertrauenswürdigen Community stützen.
Und was meint die Internet-Community dazu? Sie berichtet relativ gelassen und reiht die Wikia-Initiative unter die vielen „Killer“-Meldungen ein von Projekten, die einem erfolgreichen Web-Unternehmen das Fürchten lehren wollen. (Heise, C-net, TechCrunch (mit Screenshot)).
Ach ja, Amazon soll sich an dem Projekt finanziell beteiligen, heisst es da und dort. Allerdings hat Amazon vor allem in die Firma Wikia von Jimbo Wales Geld eingeschossen, zu der Search Wikia gehört. Ein direkter Link von Amazon zu Wikiasari ist nicht bekannt. Und: das Projekt heisst nicht „Wikiasari“ (als Vermengung von Wiki und dem japanischen Wort „Asari“ für „Suchen“), obwohl es in fast allen Meldungen mit diesem Namen bezeichnet wird.
Was das für die Praxis der Internet-Recherche für Historiker und Historiker bedeutet, ist mir noch unklar: Bessere oder andere Suchergebnisse? Oder noch mehr Wikipedia-Artikel? Wir berichten, sobald mehr (und Essentielleres) bekannt ist.
Welcome Wikipedia and goodbye?
Nach einer Flut von zum Teil unsäglich nichts sagenden Beiträgen zum Thema Wikipedia und die Geschichtswissenschaften scheint eine ernstzunehmende Debatte endlich auch im deutschen Sprachraum angekommen zu sein. In der neuesten Ausgabe der WerkstattGeschichte greift Maren Lorenz (Hamburg) das Thema fundiert und sachkundig auf. Sie beschreibt dabei die Mechanismen von Wikipedia und diskutiert Relevanz und Auswirkungen für das wissenschaftliche Schaffen. Ebenfalls in diesen Tagen scheint die Debatte um das Citizendium – citizens‘ compendium of everything – anzulaufen. Ob dieses vermeintliche Wikipedia 2.0 uns von den Grundübeln von Wikipedia befreien wird, darf allerdings bezweifelt werden.
HOK Lesen/Schreiben: Plagiate – oder: vom Abschreiben zum Fotokopieren zum Copy/Paste
Der bekannte Wikipedia-Kritiker Daniel Brandt (von wikipedia.watch) kommt in einer selbst durchgeführten Studie zum Schluss, dass mindestens 1% der Artikel in der englischen Wikipedia Plagiate enthalten (via Wikimetrics). Brandts Vorgehen klingt zwar plausibel, ist aber nur schwer nachzuvollziehen. Einerseits sind die Original-Daten (offenbar eine Liste von Biographien von Menschen, die vor 1890 lebten) nicht offengelegt. Auch die Ergebnisse seiner Auswertungen, die Sätze aus den Artikeln, mit welchen er ein Plagiat zu identifizieren sucht, ja noch nicht einmal die 142 Artikel, die aus seinem Sample von 16750 Artikeln als mit Plagiaten versehen identifizierte, sind zugänglich. So bleibt die Aussagekraft dieser Untersuchung unklar.
Schade, denn das Problem mit Plagiaten interessiert in der Bildungsszene (in Schulen und Universitäten) brennend, wenngleich auch eher umgekehrt – nämlich da, wo aus Wikipedia abgeschrieben wird. Die Lage ist gerade bei Wikipedia noch etwas komplizierter, weil dort das Kopieren von Inhalten explizit erlaubt ist – als Ausdruck eines „freien“, nicht durch Urheberrechte geknebelten Wissens (hier passt der Link zur OpenAccess-Debatte). Doch beim Problem des Plagiats geht es weniger um Urheberrechtsfragen als um das Konzept wissenschaftlicher Redlichkeit, wonach fremde Leistungen nicht als eigene ausgegeben werden dürfen.
Hier wird dann gerne von Seiten der Lehrenden das mangelnde Verständnis der Schüler, Schülerinnen und Studierenden (=Lernende) für dieses Prinzip angemahnt, bzw. ein fehlendes Unrechtsbewusstsein beklagt.
Aber vielleicht gibt es auch eine andere Sichtweise, die stärker von den Effizienz-Potentialen medialer Praktiken (bzw. dem Bequemlichkeitspotential der Lernenden) ausgeht. Hier meine These. Das Prinzip der wissenschaftlichen Lauterkeit wird von Lernenden nicht verstanden, weil sie die ihnen gestellten Aufgaben einfach nur sehen als „Zusammentragen und Reproduzieren von Informationen, die andere Personen geschrieben haben“. Ob man das in eigene Worte fasst oder nicht – es ist ohnehin eine Reproduktion von Gedanken eines Anderen, da ist „Copy/Paste“ viel effizienter. Die gesparte intellektuelle Energie wird dann in die Produktion eigener Outputs investiert. Im Idealfall in die zusammenfassende Auswertung, vielleicht aber auch in das nächste Level des neuen XBox-Games oder in eine Viertel-Stunde Online-Chat.
Man könnte die „Copy/Paste-Seuche“ auch als Fortsetzung der Verdrängung von Exzerpten durch Fotokopien sehen. Auch das wurde ja mal als Verlust intellektueller Betätigung beklagt, war auch von Effizienz-Überlegungen getrieben und war auch urheberrechtlich nicht unproblematisch (aber halt noch kein Plagiat). Die Überlegung lautete damals: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch gelesen“, nun heisst es: „ich hab’s kopiert, also hab ich’s auch geschrieben“. Ich warte noch auf Berichte, dass Schüler mit Foto-Handy die Wandtafel-Anschrifen abfotografieren und der Lehrperson mitteilen, dass sie Foto dann ausdrucken und ins Heft kleben.
Vielleicht bedeutet das Plagiats-Problem für die Lehrenden nicht nur, dass sie „besser“ kontrollieren und über die Wichtigkeit des Redlichkeitsprinzips „aufklären“ müssen. Wäre ja eine Überlegung wert, welche Bedeutung dem „Zusammentragen und Wiedergeben“ von Informationen gegeben wird, bzw. wie diese begründet („Verstehen durch Erklären in eigenen Worten“) und eingebettet werden („Ausgangslage für Entwicklung eigener Argumentation“). Das bedeutet nicht, dass die Lernenden auf Anhieb verstehen, warum das „Copy/Paste“-Verhalten nicht nur von den Lehrenden verpönt, sondern am Ende auch für sie selber (bzw. ihr Sachverständnis) wenig gewinnbringend ist.
Bestätigt fühle ich mich durch die Analyse des Medienwissenschaftlers Stefan Weber, der das Problem der seiner Ansicht nach grassierenden Plagiate folgendermassen auf den Punkt bringt:
Die Universitäten fördern in ihrer Unbeholfenheit den Trend zur Umschreib-Mentalität, zur Textkultur ohne Hirn. (aus „Textueller Missbrauch„)
Bei der Beurteilung des Verhaltens der Lernenden ist auch zu berücksichtigen, inwiefern die Lehrenden selber hier mit gutem Beispiel vorangehen (oder eben nicht). Bedenke: auch die Lernenden können mit einer Google-Recherche ausfindig machen, ob das Arbeitsblatt, die Aufgabenstellung oder die Zusammenfassung von wo anders stammt.
Zum Wandel des Schreibprozesses im digitalen Zeitalter im Zusammenahng mit der Frage von Plagiaten lohnt, nebst der pessimistischen Analyse von Stefan Weber zum Google-Copy-Paste-Syndrom, die Lektüre des Artikels Pimp My Text von Frank Hartmann.
Literatur:
- Hartmann, Frank: „Pimp My Text!“, in: Telepolis, 28.8.2006, (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13777/1.html [26.9.2006]).
- Weber, Stefan: Das Google-Copy-Paste-Syndrom. Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden, Hannover: heise 2006.
- Weber, Stefan: „Textueller Missbrauch“, in: Telepolis, 23.11.2006, (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24006/1.html [1.12.2006]).
Übersicht HOK: Lesen/Schreiben, HOK Lesen: Quellen
Aus der Welt der Wikis: Wikifehlia und die „Bild“
Die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung hat ein neues Feind-Bild entdeckt: die Wikifehlia. Auslöser waren die derben Wikipedia-Scherze rund um den Kinostart des Films „Borat„. Diese haben die Bild aufgeschreckt und zu tiefsinnigen Einsichten verholfen:
Können Sie sich vorstellen, dass jemand nachts in die Brockhaus-Redaktion einbricht, ein paar Lexika-Bände umschreibt und die dann auch noch so gedruckt werden?
Klar, wurden die aufmerksamen Redaktoren schnell in der Wikifehlia fündig (nein, es werden nicht nur Monate alte Fälle, wie jener von John Seigenthaler aufgerollt!): Dieter Thomas Heck wird als erstes Promi-Opfer präsentiert und die Öffentlichkeit aufgefordert, weitere Fehler im Online-Nachschlagewerk der Bild-Redaktion zu melden.
Gefunden via Telepolis.
Übersicht: Aus der Welt der Wikis
Aus der Welt der Wikis: Wikipedia hören – bei SWR2
Nein, dies ist kein Hinweis auf eine gesprochene Version von Wikipedia. Auf die Hörbuch-Version für den MP3-Player oder das Autoradio warte ich noch. Aber während der Wartezeit kann man sich dieses interessante Feature des SWR2 anhören (Real-Audio-Stream), das sich unter anderem mit der Frage befasst, warum Wissenschaftler sich mit dem kollaborativ erstellten Online-Lexikon schwer tun. Wer lieber liest, kann auf das Transkript ausweichen. Und wer sich gerne historisch vergleichend betätigt: im Oktober 2004 war Wikipedia schon einmal ein Thema eines (kürzeren) Beitrags. Damals trug die Sendung den vorsichtig fragenden Titel „Lexikon der Zukunft?“ 2006 lautete der Titel „Das Lexikon zum Selbermachen“. 2004 umfasste Wikipedia 150’000 deutsche Einträge, heute sind es 482’000 – mehr als drei Mal so viele. Übrigens kommt nebst Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nur noch Jakob Voss in beiden Features zu Wort. In diesen schnell-lebigen Zeiten fast schon eine Auszeichnung.
Übersicht: Aus der Welt der Wikis
