Thesen zur Digitalen Geschichtswissenschaft

thesen

Am Samstag präsentierten wir zum Abschluss der Tagung «Digitale Medien und Infrastrukturen für die Geschichtswissenschaften» in Bern ein halbes Dutzend Thesen zur Digitalen Geschichtswissenschaft. Hier die ausformulierten Thesen (als PDF-Datei):

Informationskompetenz
Digitale Historikerinnen und Historiker müssen sich in analogen ebenso wie in digitalen Informationsräumen zurechtfinden, die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Informationssysteme kennen und wissen, welche Informationen zu welchen Bedingungen zugänglich sind.

Quellenkritik
Die Digitale Geschichtswissenschaft wird, aufbauend auf die klassische Quellenkritik nach Droysen und Bernheim und in enger Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, eine Quellenkritik des Digitalen entwickeln müssen.

Visualisierung
Auch die Digitale Geschichtswissenschaft ist primär eine Textwissenschaft, aber sie nutzt die multimedialen Fähigkeiten digitaler Medien und beschäftigt sich mit der Visualisierung historischer Zusammenhänge.

Collaboratory
In der Digitalen Geschichtswissenschaft wird nicht mehr ausschliesslich individuell geforscht und monoauktorial geschrieben, sondern immer mehr Arbeitsprozesse werden mit digitalen Netztechnologien von Teams erledigt.

Publikationskultur
Die «Leitwährung» der Geschichtswissenschaft bleibt auch im digitalen Zeitalter bis auf weiteres die gedruckte monoauktoriale Monographie. Daneben werden sich aber neue Publikationskulturen entwickeln, die den Grundsätzen von Open Access und Open Peer Review folgen.

Workflow
Nachdem die Geschichtswissenschaft endgültig im digitalen Zeitalter angekommen ist, geht es heute nicht mehr um Recherchiertechniken und einzelne Tools, sondern um die Integration des gesamten historiographischen Arbeitsprozesses in digitale Arbeitsumgebungen («h-Desk» und «e-history»).

Bern/Basel, im September 2009

5 Gedanken zu „Thesen zur Digitalen Geschichtswissenschaft“

  1. Lieber Herr Graf, wir sind offen für Anregungen und gespannt auf Ihre Verbesserungsvorschläge. Übrigens: Wir haben nicht formuliert, was wir uns wünschen, sondern was wir für realistisch halten (jaja, die Schweizer eben). Mit schönen Grüssen, PH

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