Typographische Persistenz im digitalen Zeitalter

Elizabeth Eisenstein hat in ihrem epochalen Werk über die Erfindung des Buchdruckes die «typographische Persistenz» als eines der wesentlichen Merkmale des Buch-Zeitalters bezeichnet. Der Buchdruck schuf eine neue Stabilität des Wissens und die moderne Technik der Reproduktion ersetzte im «Typographeum» (Michael Giesecke) die handschriftlichen Unikate durch ubiquitär verfügbare Wissensspeicher mit identischem Inhalt.

Der Verlust einer anderen Art von typographischer Persistenz wurde mir heute bewusst, als ich im Basler Papiermuseum durch die kleine Ausstellung «50 Jahre Helvetica» spazierte. Im Web hat der Designer zwar die Möglichkeit, bestimmte Schriften auszuwählen, doch eine Persistenz gibt es nicht. Der Leser, die Leserin kann im Browser ziemlich weitgehend die Typographie, die Schriften, die Farben, die Grössen beeinflussen und verändern. Nur mit umständlichen Tricks lässt sich dies von Seiten der Web-Entwickler unterbinden.

1975 erschien im Birkhäuser Verlag ein ganz wunderhübsches Bändchen des legendären Typographen und Buchgestalters Jan Tschichold: «Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie». Das, was Tschichold mit der Gestalt des Buches gemeint hat, das lässt sich heute im Web nur schwer darstellen.

Die Beispiele der Helvetica-Ausstellung zeigen das sehr schön: Die Feinheiten, die eine gute Typographie ausmachen, der Unterschied zwischen einer wohlproportionierten und dynamischen Helvetica und einer Allerweltsschrift wie zum Beispiel Arial – wer nimmt sie heute noch wahr?

Wer noch bis zum 30. September Zeit und Gelegenheit hat, im «Dalbeloch» der kleinen Helvetica-Ausstellung einen Besuch abzustatten, der möge das tun. Es lohnt sich.

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