Ordnungssysteme à la web 2.0

Ein wenig spektakulärer Bericht bei CNet über eine neue Funktion einer Social-Web-Anwendung hat mir (wieder mal) das Potential von web 2.0 für wissenschaftliche Anwendungen jenseits allen Hypes gezeigt. Es geht um den Dienst StumbleUpon, der einem im Zufallsmodus Websites vorschlägt, die den bei StumbleUpon mitwirkenden Internet-Nutzer/innen interessant erscheinen. StumbleUpon bietet nun neu ein Addon ((Addon ist ein Stück Software, das die Funktionalität des Firefox-Browsers erweitert)) für Internet Explorer und Firefox an, das bei der Nutzung von Google und Wikipedia Informationen der StumbleUpon-Community in die Suchergebnisse, bzw. die Wikipedia-Seite einblendet. Das sind in der Regel Ratings (gekennzeichnet mit Sternen), aber auch Besprechungen (gekennzeichnet mit Sprechblasen) und Schlagworte (vgl. untenstehender Screenshot-Ausschnitt).

Das ist im konkreten Fall nur so interessant wie die Community bei StumbleUpon, einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe von Internet-Nutzer/innen, die gerne neue web 2.0-Technologien ausprobieren. Aber das Potential lässt sich sehr schön zeigen: Sieht man sich die Ausschnitte aus der Google- und aus der Yahoo-Ergebnisliste einer Suchabfrage nach „Memex“ an, wir klar, wie schon diese einfachen Zusatzinformationen helfen können, die Suchergebnisse zu strukturieren. Da werden Links zu Firmen oder zu wenig bekannten Wikipedia-Einträgen geringer gewichtet als zum Beispiel der Link zum Journal The Atlantic, das seinerzeit den Artikel „As we may think“ von Vannevar Bush publiziert hatte, worin er die Idee des Memex vorstellte.

Google-Suche nach Memex mit StumbleUpon-Addon in Google (oben) und in Yahoo (unten).

Man stelle sich nun vor, diese Technologie werde von einer wissenschaftlichen Einrichtung, etwa H-Soz-Kult oder einem Universitäts-Institut angeboten (bzw. den Angehörigen dieser Einrichtungen, denn diese Technologie funktioniert ja nur dank dem Zusammenwirken grosser Gruppen). Bei Webrecherchen nach geschichtswissenschaftlichen Themen wären diese hilfreichen Zusatzinformationen, die eine Gewichtung und Beurteilung der Suchergebnisse unterstützen könnten.

Darüber hinaus (und hier knüpfe ich an den Eintrag zur „Informations-R/Evolution“ von vor ein paar Tagen an) könnten solche Technologien auch helfen, die Suchergebnisse zu ordnen. Ähnlich wie bei Tags könnten wohl mehrere Schlagworte pro Website angezeigt werden, eventuell in der Reihenfolge, welche am meisten von den User/innen gewählt wurden. Eventuell kann man auch die Anzeige filtern lassen (ich will nur Angaben der Arbeitsgruppe in München angezeigt bekommen). Und vielleicht lassen sich die entsprechenden Seiten auch gleich mittels Klick in ein Online-Ordnungs-System einordnen oder in eigene Offline-Ordnungs-Systeme wie Zotero oder Lit-Link importieren.

Übrigens: das StumbleUpon-Addon kann auch mehr als ein Sternchen anzeigen, wie folgender Wikipedia-Eintrag zu Foucault beweist.

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